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Nach Missbrauch-Skandal scharfe Kritik an Leitung von Berliner Charité
Nach Missbrauch-Skandal scharfe Kritik an Leitung von Berliner Charité
Foto: dapd/Timur Emek

Nach Missbrauch-Skandal scharfe Kritik an Leitung von Berliner Charité

Epoch Times, Freitag, 23. November 2012 16:35

Berlin – Nach dem mutmaßlichen sexuellen Missbrauch eines 16-jährigen Mädchens durch einen Krankenpfleger an der Berliner Charité wird die Klinikleitung scharf kritisiert. Die CDU wirft dem Management Vertuschung vor. Nach Ansicht der Grünen lässt das Krisenmanagement viele Fragen offen.

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Bei der Aufstellung von Kriterien, wie künftig zum Schutz der Kinder in der Charité verfahren wird, soll die Klinik jetzt die Beratungsstelle "Kind im Zentrum" hinzuziehen. Das sei auf einem Treffen der Klinikleitung und Berlins Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Donnerstagabend vereinbart worden, sagte der Sprecher der Senatswissenschaftsverwaltung Thorsten Metter am Freitag. Zudem solle die Charité bis Montag einen schriftlichen Bericht bei der Senatorin vorlegen, der die genauen Abläufe zu dem Vorfall des sexuellen Missbrauchs benennt. Darüber hinaus erforscht ein externes Experten-Team nach Angaben der Charité die Ursachen, die zu den bisher ungeklärten Fällen von Missbrauch an der Klinik in der Vergangenheit geführt haben.

Alle Missbrauchsfälle anzeigen

CDU-Generalsekretär Kai Wegner kritisierte, dass an der Charité jahrelang Missbrauchsfälle vertuscht wurden. Statt Anzeige zu erstatten, sei lediglich die hauseigene Rechtsabteilung eingeschaltet worden. Das sei ein falsches Signal an die Opfer, betonte er. Staatsanwaltschaft und Polizei müssten stets schnellstmöglich ihre Ermittlungen aufnehmen können. Nur so könnten Täter überführt und konsequent bestraft werden. Er forderte die Charité deshalb auf, dafür zu sorgen, "dass alle Missbrauchsfälle und eventuell auch andere Straftaten unverzüglich angezeigt werden".

Nach Ansicht der Grünen müsse offen darüber diskutiert werden, ob die Strukturen, mit denen Europas größte Universitätsklinik geführt wird, ausreichen, um ein gutes Krisenmanagement sicher zu stellen. Es gehe um ausreichende Sensibilität und eine transparente und klare Kommunikation mit der Öffentlichkeit, betonte der gesundheitspolitische Sprecher, Heiko Thomas. Zwar würden die Grünen auch personelle Konsequenzen nicht ausschließen, es gehe aber vor allem um bessere Managementstrukturen.

Klinikleitung räumt Versäumnisse ein

Die Klinikleitung hatte am Donnerstag weitere Versäumnisse einräumen müssen. Sowohl Vorstandschef Karl Max Einhäupl als auch der Ärztliche Direktor Ulrich Frei waren bereits zwei Tage nach dem Vorfall in der vergangenen Woche informiert - allerdings ohne Details zu kennen, erklärten beide Mediziner. Darüber hinaus soll der mutmaßliche Täter, der weiterer Übergriffe verdächtigt wird, bereits in der Charité und bei den Sicherheitsbehörden aktenkundig sein.

Der inzwischen suspendierte Mann soll die Jugendliche am Mittwoch vor einer Woche in der Rettungsstelle der Charité sexuell missbraucht haben. Zunächst hatte Einhäupl angegeben, er sei erst am Dienstag darüber informiert worden.

dapd



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