Mitarbeiter der FTD protestieren gegen Schliessung
Mitarbeiter der FTD protestieren gegen Schliessung
Foto: dapd/Philipp Guelland

Nachschlag bei der "FTD"

Epoch Times, Freitag, 7. Dezember 2012 18:03

Hamburg/Berlin – Mit einer kreativen und persönlich gestalteten Ausgabe hat sich die "Financial Times Deutschland" von ihren Lesern verabschiedet. Nach knapp 13 Jahren erschien die Wirtschaftszeitung am Freitag zum letzten Mal, nachdem das Verlagshaus Gruner + Jahr entschieden hatte, das defizitäre Blatt einzustellen.

Ironie des Schicksals: Der Ansturm der Leser war so groß, dass die letzte Ausgabe am Freitagmorgen weitgehend vergriffen war. Der Verlag kündigte am Nachmittag an, dass 30.000 Exemplare nachgedruckt werden.

Die Abschieds-"FTD" wird voraussichtlich erst am Samstag am Kiosk liegen, wie ein Sprecher des Verlages auf dapd-Anfrage sagte. Die Hälfte der nachgedruckten Zeitungen wird an Bahnhofsbuchläden der großen deutschen Städte geliefert, der andere Teil ist für Nachbestellungen vorgesehen. Zunächst waren wie sonst auch 110.000 Exemplare gedruckt worden.

Die Belegschaft machte am Freitag noch einmal ihrem Ärger Luft. Etwa 300 Mitarbeiter protestierten vor dem Verlagsgebäude von Gruner + Jahr am Hamburger Baumwall. Mit Schildern und einem meterlangen Plakat mit der Aufschrift "Wir haben zwölf Jahre geliefert. Jetzt ist G+J dran!" forderten sie vom Verlag eine gerechte Entschädigung. Jetzt sei Zahltag, sagt die "FTD"-Betriebsrätin Maike Rademaker.

An schwarzem Humor und Ironie sparten die Macher der Zeitung bei der letzten Ausgabe nicht: Statt der "Financial Times Deutschland" hielten die Leser die "Final Times Deutschland" in den Händen. Die übrigen Buchstaben hat die Redaktion einfach aus dem Schriftzug des Titelblatts purzeln lassen. Auch farblich bietet die sonst in lachsrosa erschienene Wirtschaftszeitung einen ungewohnten Anblick: "Endlich schwarz" titelte die Zeitung, die seit ihrer Gründung nicht aus den roten Zahlen herausgekommen war, auf schwarzem Untergrund. "Weil wir nach all den Jahren nicht einfach so aufhören können, zeigen wir Ihnen in dieser Ausgabe noch einmal, was wir alles so draufhatten und noch draufhätten", heißt es unter anderem im Editorial.

"Wir würden es jederzeit wieder genauso machen"

In ihrer Abschiedsausgabe bietet die "FTD" einen Rückblick auf ihre eigenen Angaben zufolge besten Geschichten, schönsten Illustrationen und größten Irrtümer. Zudem wird ein Einblick in die Arbeitsweise und das Seelenleben ihrer Redakteure gewährt. Auf einem Foto auf der letzten Seite verneigen sich die Mitarbeiter. Darunter heißt es: "Entschuldigung, liebe Leser, dass dies jetzt die letzten Zeilen der 'FTD' sind. Es tut uns leid. Wir entschuldigen uns vorbehaltlos. Aber: Wenn wir noch einmal von vorn anfangen dürften - wir würden es jederzeit wieder genauso machen."

Die Chefredaktion übt aber auch bissige Kritik und entschuldigt sich gleichfalls bei den Gesellschaftern, "dass wir so viele Millionen verbrannt haben" und bei den Anzeigenkunden, "dass wir so kritisch über Eure Unternehmen berichtet haben".

Mehr als 360 Mitarbeiter betroffen

Das Hamburger Verlagshaus hatte vor zwei Wochen das Aus der defizitären "FTD" offiziell bestätigt. Die Zeitung schrieb seit ihrer Gründung im Jahr 2000 Verluste. Betroffen sind nach Verlagsangaben 364 Mitarbeiter aus der Gemeinschaftsredaktion der Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien, für einige sollen andere Arbeitsplätze im Verlag gesucht werden. Wie viele das sein werden, ist noch offen.

Die Magazine "Capital" sowie "Business Punk" sollen dagegen erhalten und nach Berlin verlegt werden, wie seinerzeit mitgeteilt wurde. Für das Anlegermagazin "Börse Online" sowie das Monatsmagazin "Impulse" solle die Möglichkeit eines Verkaufs geprüft werden. Sollten die Verhandlungen nicht zu einem erfolgreichen Abschluss kommen, sei auch für diese Titel die Einstellung geplant, hieß es. Es gebe weiterhin Verhandlungen, die aber noch nicht zu einem Abschluss gekommen seien, sagte am Freitag ein G+J-Sprecher.

Die Internet-Domain ftd.de bleibt vorerst bestehen. Am Freitag sollten die letzten Inhalte aktualisiert werden, sagte der Sprecher. Die Seite solle dann auf jeden Fall noch bis Anfang des Jahres verfügbar sein.

Schon vor einigen Tagen war eine Online-Auktion gestartet. Die Andenken an die knapp 13-jährige Redaktionsgeschichte werden für einen guten Zweck versteigert.

dapd



Schlagworte

Medien, Zeitungen, FTD


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