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Nicht jeder Ankäufer ist im Gold-Hype fair – Ansturm auf Juweliere

von Berrit Gräber, Montag, 24. März 2008 17:54

Köln/Pforzheim – Zahngold, Münzen, Omas Trauring, Familien- Erbstücke, abgelegter oder kaputter Goldschmuck: Weil der Goldpreis so exorbitant hoch ist, kramen zurzeit viele Bürger ihr Altgold zusammen, um es zu versilbern. Denn der Goldpreis ist auf historischem Rekordstand.

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Eine schwere Kette, die 1970 beispielsweise 600 D-Mark gekostet hat, kann heute bis zu 600 Euro einbringen, sagt Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbands der Juweliere (BJV). Ein Goldring um die 50 Euro. Kann, muss aber nicht. Am Gold-Hype wollen alle verdienen, auch unseriöse Ankäufer. Wer nicht aufpasst, kriegt über zwei Drittel weniger gezahlt als aktuell möglich.

Wo lassen sich die Schätze also am besten zu Geld machen? Auf keinen Fall bei Ankäufern, die mit Werbezetteln auf sich aufmerksam machen wie derzeit bundesweit der Fall. „Leute sollen auch in Handy-Shops und Hinterzimmern von Boutiquen ihr Gold abgeben“, berichtet Falk Murko von „Stiftung Warentest“. Akzeptiert wird angeblich alles, sogar Dentalgold, an dem noch Zähne dranhängen, Tafelsilber oder Silberleuchter. Der Wert der Preziosen wird über den Daumen geschätzt. Das Geld gibt es gleich bar auf die Hand, häufig ohne Quittung.

Doch der Verbraucherschützer warnt: Finger weg, nicht auf unbekannte Händler einlassen. Ahnungslose Verkäufer werden mit einem Bruchteil des Bestpreises abgespeist. Das gelte häufig auch für Internet-Aufkäufer, mahnt Murko zur Vorsicht.

Juweliere werden mit Angeboten überhäuft

Beim Juwelier ist man da schon besser bedient. Derzeit würden die Fachgeschäfte bundesweit regelrecht überrollt von Kunden, die ihr Altgold bringen und zu Geld machen wollen, betont Fischel. „Es kommen mindestens 40 Prozent mehr Leute zu uns als noch im letzten Jahr.“ Ein Juwelier beurteilt die Stücke nach Karat und Gewicht. Der Stempel auf dem Schmuck gibt Aufschluss über die Metalllegierung. Im 333er Gold ist beispielsweise ein Goldanteil von 33,3 Prozent drin, im 585er Gold 58,5 Prozent.

Für eine 35 Gramm schwere Kette aus 585er Gelbgold (entspricht gut 20 Gramm Feingold) lassen sich derzeit über 350 Euro erzielen. Weil aber auch der Fachmann verdienen will, gibt es keine Garantie auf absolute Top-Preise, räumt Fischel ein.

Eine Frau aus dem Landkreis München machte jedenfalls im seriösen Juwelierladen ihres Vertrauens nicht das erhoffte Geschäft ihres Lebens: Sie trug ungefähr 120 Gramm Altgold hin und bekam dafür gerade mal 350 Euro in die Hand gedrückt, ohne Quittung. „Das grenzt an Betrug. Sie hätte in etwa 1.650 Euro erzielen können“, sagt Angelika Windpassinger von der Allgemeinen Gold- und Silberscheideanstalt in Pforzheim, einem der Marktführer in Europa, seit über 100 Jahren spezialisiert auf die Rückgewinnung von Edelmetallen.

Fairste Preise bei Scheideanstalten

Bei Scheideanstalten wie der Pforzheimer Firma landet letztendlich sämtliches Altmaterial. Weder die fliegenden Ankäufer, noch die Pfandhausbetreiber oder Juweliere sind in der Lage, die Preziosen einzuschmelzen und die unedlen von den edlen Metallen zu trennen. „Erst nach dem Einschmelzen gibt es Gewissheit darüber, wie hoch der Feingoldanteil tatsächlich war,“ betont Windpassinger. Oder: Was der Endkunde bestenfalls ohne Zwischenhändler gekriegt hätte.

Wer einen ordentlichen Batzen Altgold versilbern will, kann sich gleich direkt an eine Scheideanstalt wenden. Dort lassen sich oft die fairsten Marktpreise erzielen. Im Pforzheimer Unternehmen wird zwei Mal täglich für die Kundschaft der Goldpreis aktualisiert. Allerdings wird Material erst ab 50 bis 100 Gramm aufwärts akzeptiert, berichtet die Expertin. Größere Mengen Schmuck oder etwa schweres, mehrteiliges Silberbesteck werden häufig kostenfrei abgeholt. Andere Firmen lassen sich die Preziosen der Bürger auf dem Postweg zuschicken.

„Wegen eines Ringes oder ein paar Kettchen sollte man sich lieber an einen Ankäufer seines Vertrauens wenden“, rät Windpassinger. Ihr Tipp: Immer mindestens zwei bis drei Stellen abklappern und Vergleichsangebote einholen. Niemals schon im ersten Geschäft zuschlagen. Und auf keinen Fall fremdes Gold bei Internetauktionen ersteigern in der Hoffnung, es danach mit Gewinn zu Geld machen zu können. „Einen falschen Stempel kann jeder Feinmechaniker herstellen, ein Bild sagt gar nichts über Echtheit und Wert“, warnt die Expertin. (AP)



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