Die Dramaturgin Nike Wagner
Die Dramaturgin Nike Wagner
Foto: Timur Emek

Nike Wagner kritisiert "schiere Wagner-Vermarktung"

Epoch Times, Freitag, 7. Dezember 2012 07:54

Berlin – Die Dramaturgin und Urenkelin des Komponisten Richard Wagner, Nike Wagner, hat eine übertriebene Vermarktung Wagners kritisiert. Es gebe neue Ring-Inszenierungen in allen Formen und Farben und die Verlage veröffentlichten "tsunamiartig neue Publikationen über Wagner", sagte die 67-Jährige am Donnerstag bei der Eröffnung der Ausstellung "Wagner 2013. Künstlerpositionen" in der Akademie der Künste (Adk). "Die deutschen Opernhäuser spielen schon vor dem Wagner Jahr 2013 verrückt", fügte sie hinzu. Der Komponist selbst habe sich in seiner musikalischen Arbeit nie von Vermarktungsabsichten leiten lassen.

Sie halte es aber für sinnvoll, verschiedene Künstlerpositionen zu Wagner darzustellen, erklärte sie mit Blick auf die Adk-Ausstellung, die vorrangig Haltungen zeitgenössischer Künstler zu dem Komponisten zeigt. "Interpretieren statt repetieren", sagte Wagner. In Videobeiträgen und Installationen erklären in der Ausstellung, die bis zum 17. Februar läuft, mehr als 50 Kunstschaffende, darunter die Regisseure Hans Neuenfels und Achim Freyer oder der Komponist Helmut Oehring, wie sie zu Wagner, seinem Werk und seiner Person stehen.

Die Ausstellung sei keine Feier Wagners, es gehe vielmehr um die Frage, ob die antisemitischen Ansichten des ehemaligen Akademiemitglieds von seiner Person und seinem einflussreichen Werk zu trennen seien, hatte AdK-Vizepräsidentin Nele Hertling bereits am Mittwoch in Berlin gesagt.

Wagner müsse "nicht mehr und nirgendwo mehr durchgesetzt" werden, sagte seine Urenkelin. Er sei als "Komponist, über den ebenso viel geschrieben wurde, wie über Jesus Christus und Napoleon", weitläufig bekannt. Daher sei es unverständlich, dass anlässlich des bevorstehenden Wagner-Jahres 2013 eine Ring-Vorlesung und ein Ring-Symposium nach dem nächsten aus dem Boden sprieße. "Das 'Wagner Unser' klingt in allen Varianten auf allen Ebenen", sagte Wagner. Es sei fast so, als hätten Nietzsche, Thomas Mann und andere "umsonst gelebt".

Es gebe aber immer noch das Werk, die unbeschreibliche Musik Wagners, ergänzte sie. Bei Wagner seien Musik und Theater unzertrennlich. Beides zusammen mache die anziehende Wirkung auf das Publikum aus. Ein Film sei jedoch keine Theateraufführung, mahnte die Dramaturgin. Und Wagner stehe unter keinen Umständen für "herkömmliche Filmmusik", fügte sie mit Blick auf die zahlreichen Kinofilme hinzu, in denen Wagner-Opern als Hintergrundmusik dienen.

dapd



Schlagworte

Kultur, Ausstellungen, Wagner


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