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Nordamerikanische Bueffel im Kaefertaler Wald
Nordamerikanische Bueffel im Kaefertaler Wald
Foto: dapd/Michael Latz

Seit vier Jahrzehnten

Nordamerikanische Büffel im Käfertaler Wald

Epoch Times, Dienstag, 27. November 2012 08:22

Mannheim – Auch wenn die ursprünglich aus Nordamerika stammenden Bisons nur ruhig nebeneinander auf dem Waldboden stehen - der Respekt ihrer Besucher ist ihnen gewiss. Seit Jahrzehnten leben mehrere dieser mächtigen Tiere im Käfertaler Wald der Stadt Mannheim. Sie sind eine Attraktion für Spaziergänger und Schulklassen. Allerdings hat sich die einstmals stolze Herde von etwa 20 Tieren auf mittlerweile fünf Exemplare reduziert. Und um Nachwuchs nach Mannheim zu schaffen, wäre ein kompliziertes bürokratisches Unterfangen notwendig.

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Schon seit 1974 gibt es das Bison-Gehege in Mannheim. Woher die Herde ursprünglich stammt, weiß heute keiner mehr so genau. Revierförster Axel Dahlheimer ist sich sicher, dass die Tiere Mitte der 1970er Jahre aus der Stuttgarter Wilhelma gekommen sind. Andere behaupten, die Bisons seien der Stadt von einer US-amerikanischen Kasernen aus der Nachbarschaft geschenkt worden.

Beobachter sollten hastige Bewegungen vermeiden

Dem Förster jedenfalls können die Tiere keine Angst einflößen. Während sich die fünf mächtigen Büffel nur wenige Meter von ihm entfernt in Richtung Futterstelle bewegen, bleibt der 41 Jahre alte Mann mitten im Gehege stehen. "Solange sich die Tiere nicht angegriffen fühlen, besteht keine Gefahr", sagt Dahlheimer. Daher sollte man allerdings auch allzu hastige Bewegung vermeiden.

Tatsächlich blicken die Büffel, die schon teilweise das dichte Winterfell tragen, zwar neugierig in die Runde, lassen sich aber bereitwillig fotografieren. Sie schlendern ruhig in Richtung Futterkrippe. Die wurde soeben von den Förstern des Käfertaler Waldes mit Gemüse gefüllt, das beim Großmarkt liegen geblieben ist. Das Heu für die starken Tiere, die aber mit einem empfindsamen Magen ausgestattet sind, kommt von ausgewählten Landwirten der Region.

Büffel-Seniorin wurde 18 Jahre alt

Zwei Bullen und drei Kühe sind es, die heute noch hier leben. Das älteste Tier ist etwa neun Jahre alt. Erst vor wenigen Wochen haben die Mitarbeiter des Forstamtes den bis dahin ältesten Bison im Käfertaler Wald tot aufgefunden. "Das Tier war 18 Jahre alt und das ist schon ein staatliches Alter für einen Bison, der nicht in freier Wildbahn lebte", betont Dahlheimer. Der Kadaver der "alten Dame" habe Hinweise darauf geliefert, dass das Tier von der eigenen Herde getötet worden sei. "Obwohl die Tiere in Gefangenschaft leben, ist der Herdentrieb stark ausgeprägt bei den Bisons", sagt Dahlheimer. Die Tiere seien eben wild, weswegen sie auch keine Namen erhalten sollten.

So tötet die Herde nicht nur oftmals sterbende Artgenossen, die sie nicht alleine zurückgelassen will; sie scharrt sich beispielsweise auch um ein Tier, das etwa wegen einer ärztlichen Behandlung per Blasrohr narkotisiert wurde und wehrlos erscheint. "Während eines solchen Eingriffs stellen wir die Lastwagen auf eine Seite des Tieres, um einen Zwei-Fronten-Angriff auszuschließen", berichtet der 60-jährige Dieter Eberhardt, der sich als Forstwirt tagtäglich um die Büffel kümmert. Er und seine Kollegen stellen sich dann mit ihren Kehrbesen vor das Tier, das in diesen Minuten vom Arzt behandelt wird. "Das wird aber wirklich nur gemacht, wenn es sein muss. Normalerweise versuchen wir das zu vermeiden", sagt Eberhardt. Zu belastend sei etwa die Betäubung für die Tiere.

Dass die Herde dezimiert wurde, geht auf die Stürme Vivien und Wiebke zurück, die Anfang der 1990er Jahre über das Land fegten und die Zäune des Bison-Geheges zerstörten. Weil die Tiere problemlos frei kamen und wieder eingefangen werden mussten, wurden die gesetzlichen Auflagen verschärft, was wiederum eine Verkleinerung der Herde mit sich brachte. Dennoch ist das Interesse an den Tieren auch nach fast vier Jahrzehnten ungebrochen - viele Besucher reisen extra wegen der nordamerikanischen Indianerbüffel an.

Daher wolle man die Herde prinzipiell wieder auf eine Zahl von etwa zehn Tieren bringen, betont Dahlheimer. Dies sei allerdings schwierig, weil dazu ein großer bürokratischer Aufwand zu bewältigen sei. So müssten medizinische Nachweise erstellt und eingereicht werden. Auch der Transport sei nicht unproblematisch. "Die Tiere aus den USA einzufliegen ist unserer Ansicht nach aus Gründen des Tierschutzes überhaupt nicht machbar", sagt Dahlheimer.

dapd



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