(Saul Loeb/AFP/Getty Images)
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Krisenmanager

Obamas wichtigster Mann

von Ellen Simon, Dienstag, 25. November 2008 13:14

New York – Es ist der wohl schwierigste und wichtigste Job, den Barack Obama zu vergeben hat: Als Finanzminister soll Timothy Geithner dem künftigen Präsidenten helfen, die USA aus der schweren Wirtschaftskrise zu führen. Und dass er das Zeug dazu hat, traut ihm nicht nur Obama, sondern auch ein großer Teil der Finanzwelt zu. Zwischen Freitag, als Geithner erstmals für den Posten gehandelt wurde, und Montag, als seine Berufung offiziell wurde, stieg der Dow-Jones-Index um 892 Punkte. Es war der prozentual größte Anstieg binnen zwei Tagen seit dem Börsencrash von 1987.

Wer ist der Mann, der so große Hoffnungen weckt? Gerade einmal 47 Jahre alt arbeitete Geithner 13 Jahre lang, bis 2001, im US-Finanzministerium und sammelte dabei erste Erfahrungen als Krisenmanager in der Abwehr der asiatischen Währungskrise. Und auch in seinem letzten Amt hatte er hinreichend Gelegenheit, Erfahrung in der Krisenbewältigung zu sammeln.

Als Präsident der New Yorker Notenbank arbeitete er in den letzten Monaten eng mit JPMorgan Chase an der Übernahme der angeschlagenen Investmentbank Bear Stearns. Und als der Versicherungsriese AIG mit Staatsgeldern vor dem Untergang gerettet wurde, war er zusammen mit Finanzminister Henry Paulson maßgeblich an den Verhandlungen beteiligt.

Kein Ideologe

Skeptiker befürchten, dass Geithner weiter den als unstet kritisierten Kurs seines Vorgängers steuern wird. Doch eines gilt in der Finanzbranche als unbestritten: Geithner ist ein Pragmatiker und besitzt Erfahrung. „Er ist kein Ideologe“, erklärt Brian Gardner, Politikexperte beim Bankhaus Keefe, Bruyette & Woods. In welchem Sinn er den künftigen Präsidenten in anderen Themen als der Finanzkrise beraten wird, ist dagegen weniger sicher. „Er hat nicht viel Hintergrund in der Steuerpolitik und nicht viel dazu veröffentlicht“, sagt Gardner.

Freunde loben Geithners gelassene Herangehensweise an Probleme – ein Charakterzug, der ihn mit seinem künftigen Chef Obama verbindet. Kritiker bemängeln, Geithner neige dazu, Widerspruch als persönliche Herausforderung aufzufassen.

Spricht Chinesisch und hat Auslandserfahrung

Geithner verbrachte einen Großteil seiner Kindheit außerhalb der USA. Er lebte in Indien, Thailand und Simbabwe. Sein Vater, Peter Geithner, ist ein Asienexperte und arbeitet seit 28 Jahren für die Ford-Stiftung. Timothy Geithner studierte Chinesisch und verbrachte mindestens einen Sommer in China. Er machte seinen Abschluss in Internationaler Wirtschaftswissenschaft und Ostasiatischen Studien an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies.

Bevor er in die Dienste des Finanzministeriums trat, arbeitete er für die Stiftung des früheren US-Außenministers Henry Kissinger. In der Zeit zwischen seinem Ausscheiden aus dem Finanzministerium 2001 und seiner Berufung zum Präsidenten der New Yorker Fed 2003 war er Direktor für politische Entwicklung beim Internationalen Währungsfonds, IWF. (AP)

Neuer Finanzminister unter Barack Obama wird Timothy Geithner. (Saul Loeb/AFP/Getty Images)
Neuer Finanzminister unter Barack Obama wird Timothy Geithner. (Saul Loeb/AFP/Getty Images)


Schlagworte

Porträt, Finanzminister, USA
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