Ein tolles Team in der Familie: Großmutter und Enkelkind.
Ein tolles Team in der Familie: Großmutter und Enkelkind.
Foto: Albrecht E. Arnold/Pixelio

Soziales Bewusstsein und Familienbande

Oma und Opa bei Kinderbetreuung wichtiger denn je

von Holger Mehlig, Donnerstag, 28. Januar 2010 14:33

Berlin (apn) Großeltern sind für junge Familien bei der Kinderbetreuung unverzichtbar geworden. Dies ist das Ergebnis einer am Donnerstag in Berlin veröffentlichten Studie zum „Elterlichen Wohlbefinden“ der Stiftung Ravensburger Verlag. Demnach werden Oma und Opa als Betreuer sogar häufiger genannt als der Partner. Ein weiterer überraschender Befund der Analyse ist, dass junge Väter und Mütter vor allem Wert auf eine stärkere Förderung von Kindern aus benachteiligten Familien legen.

Die heutige Großelterngeneration sei einfach fitter und gesünder als die Generation davor, erklärte der mit der Umfrage beauftragte Mikrosoziologe Hans Bertram von der Humboldt-Universität Berlin. Annahmen, dass durch die oft geforderte Flexibilität von Arbeitnehmern die Großeltern in unerreichbarer Ferne wohnten, seien nicht richtig. Häufig sei es so, dass zumindest ein Großelternpaar relativ nahe wohne, sagte Bertram. Durch „die vorschnelle Gleichsetzung von Haushalt und Familie“ werde die große Bedeutung der Großeltern für die Entwicklung von Kindern nicht nur vernachlässigt, sondern weit unterschätzt.

Dass sich junge Väter und Mütter bei der Kinderbetreuung so stark auf ihre Eltern und soziale Netzwerke außerhalb des Haushalts verließen, sei eine Entwicklung, die erst seit etwa 20 Jahren in dieser Form zu beobachten sei, sagte Bertram. Großeltern würden aber nicht als Ersatz für fehlende öffentlich geförderte Betreuungseinrichtungen herangezogen. Der Besuch von Kitas habe sich nicht verringert.

Hohes soziales Bewusstsein

Die Befragten zeigten ein hohes soziales Bewusstsein: Fast 90 Prozent plädieren dafür, dass Kinder aus benachteiligten Elternhäusern stärker gefördert werden sollten. Dies ist im abgefragten Bereich „Infrastruktur“ zusammen mit dem Wunsch nach flexibleren Öffnungszeiten von Kitas der höchste Wert.

Daneben wurden Fragen zu den Bereichen „Zeit“ und Geld“ gestellt. In der Sparte „Zeit“ wünschen sich die Eltern von ihren Arbeitgebern eine flexiblere Handhabung von Arbeitszeit und -ort.

Im Bereich „Geld“ steht die stärkere steuerliche Berücksichtigung von Kinderbetreuungskosten an erster Stelle und wird von 95 Prozent als wichtig bewertet. Danach folgt die Staffelung des Kindergeldes nach Anzahl der Kinder, wohingegen das Betreuungsgeld mit insgesamt 60 Prozent gegenüber den anderen finanziellen Maßnahmen eher zurücktritt. Für die schwarz-gelbe Koalition ist die Einführung des Betreuungsgeldes ab 2013 eines der wichtigsten familienpolitischen Vorhaben dieser Legislaturperiode.

Zufriedene Väter

Junge Eltern wünschen sich ein dynamisches Modell für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Während des Aufwachsens der Kinder wollen sie Fürsorge für den Nachwuchs und Berufstätigkeit verbinden – und zwar relativ zum Alter der Kinder. Immerhin 40 Prozent der Eltern mit Kindern unter drei Jahren meinen, die Mutter solle nicht erwerbstätig sein. Eltern von Kindergartenkindern meinen das nur noch zu 9 Prozent.

Am zufriedensten sind Väter in Paarhaushalten. Auf einer Skala von 0 bis 10 liegt ihr Wert bei 7,64, der der Mütter bei 7,47, der von Alleinerziehenden bei 6,22.

Befragt wurden von TNS-Infratest-Sozialforschung im Frühjahr 2009 und 1.000 Väter und 1.000 Mütter mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren. Die Gesamt-Veröffentlichung der repräsentativen Studie ist für Ende 2010 geplant.

(AP)

http://www.stiftung.ravensburger.de/

 



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