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Foto: dapd

Online-Journalismus 2013: Multimedial, mobil und kostenlos

Epoch Times, Freitag, 21. Dezember 2012 12:00

Berlin – Noch mobiler, noch sozialer, aber weiterhin umsonst: Die führenden deutschen Nachrichtenportale im Internet wollen im kommenden Jahr auf möglichst vielen Geräten präsent sein. Dabei bleibt der Zugriff aber - abgesehen von einigen Premium-Leistungen - kostenlos, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dapd unter Redaktionsleitern und Chefredakteuren ergab. Mit besonderer Spannung blicken die Online-Journalisten auf den Herbst: Zur Bundestagswahl bereiten sie aufwendige Daten- oder multimediale Grafikprojekte vor. "Spiegel Online"-Chefredakteur Rüdiger Ditz glaubt: "Die Bundestagswahl 2013 wird sicherlich die erste richtige Internetwahl in Deutschland."

Schon vor dem Wahltermin schauen Journalisten gespannt auf soziale Netzwerke. Insbesondere der Kurznachrichtendienst Twitter steht im Fokus - und kein Onliner glaubt, dass dessen Bedeutung schrumpfen wird. "n-tv.de"-Chef Tilman Aretz sagt zwar: "Die Wahl 2013 wird nicht bei Facebook oder Twitter entschieden." Oliver Stock von "Handelsblatt Online" will mehr Personal einsetzen, um die Kanäle zu bedienen, auch wenn seiner Meinung nach "zu oft gequatscht und gezwitschert, anstatt diskutiert" wird.

Multimediales Feuerwerk zur Bundestagswahl

"Süddeutsche.de"-Chefredakteur Stefan Plöchinger sieht Twitter und Facebook auch als Mittel der Kundenbindung: "Wir kommen unseren Lesern dank der Netzwerke so nahe wie nie zuvor." Seine Kollegen bei "tagesschau.de" nutzen die sozialen Netzwerke als Frühwarnsystem. Für den Wahlabend plant Redaktionsleiter Andreas Hummelmeier, auf einer Seite die Livebilder der ARD, Stimmen aus den Netzwerken und Live-Grafiken zusammenzutragen. Auch "Spiegel Online" setzt auf Verknüpfung und will Daten visualisieren, bloggen und tickern, was das Zeug hält. Die Redaktion wolle "etliche multimediale Anwendungen anbieten, die auf allen neueren Endgeräten laufen werden", sagt Chefredakteur Ditz.

Damit verweist er auf einen weiteren Trend: Die Nachrichtenportale wollen sich auf möglichst vielen Geräten breitmachen - egal ob auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem internetfähigen Fernseher. "Wir wollen unsere Leser überall begleiten: bei der Arbeit, im Wartesaal, im Flugzeug, im Urlaub - von mir aus auch im Bett", sagt "Handelsblatt Online"-Chefredakteur Stock. Auch sein Kollege Frank Thomsen will "'Stern' auf allen Kanälen." Das digitale Schaufenster des Hamburger Magazins soll für Leser kostenlos bleiben, aber wie viele andere setzt auch Thomsen auf zahlungsfreudige Kundschaft, die etwas mehr will als nur die Grundversorgung.

Das beliebte "Spiegel Online" hat ebenfalls entsprechende Pläne in der Schublade. Auch wenn der Zugriff auf die Homepage kostenlos bleiben soll, wird es bald Inhalte geben, für die bezahlt werden muss. Der Geschäftsführer von Tomorrow Focus, Oliver Eckert, sieht für "Focus Online" Erlösquellen besonders dort, wo es an die Geldbörse der Leser geht: Besonders bei Berichten über die Themen Finanzen und Gesundheit könne es bereits bald mehr zahlungspflichtige Angebote geben.

Ohne Pause frische News

Beim Düsseldorfer "Handelsblatt" planen sie im Netz eine Art Seite hinter der Seite aufzubauen, ein Informationsportal für die Elite, wie es Chefredakteur Stock nennt. Intern trage es den Namen "KdW" - "Kaufhaus der Weltwirtschaft". Ohnehin bewegt sich in Düsseldorf recht viel: Ab Januar übernehmen etwa 15 Kollegen von New York aus das Kommando über die digitalen Angebote und bestücken sie mit frischen Informationen, während Deutschland schläft.

Die ganz große Bezahlschranke wird die Datenautobahn also weiter nicht versperren. Vor allem bei den mobilen Angeboten wittern die Medienmacher aber Profite. Denn insbesondere die Tablet-Computer seien ein Markt, bei dem "bestimmt noch viel Luft nach oben" sei, wie Aretz von "n-tv.de" meint.

(Nachrichtenfeature bis 1400, 60 Zeilen)

dapd

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