Arbeiter in der DSG-Fertigung - Rädervormontage bei Volkswagen. (AP Photo/Volkswagen)
Arbeiter in der DSG-Fertigung - Rädervormontage bei Volkswagen. (AP Photo/Volkswagen)

Arbeitsplatzergonomie

Optimierte Arbeitsplätze für Ältere zahlen sich aus

Epoch Times, Mittwoch, 13. August 2008 14:54

Kassel – Wenn Unternehmen ihre Arbeitsstrukturen mehr auf die Bedürfnisse ältere Arbeitnehmer abstimmen, zahlt sich dies langfristig für Arbeitgeber und Beschäftigte aus. Zu diesem Zwischenergebnis kommt ein Forschungsprojekt, das am Mittwoch an der Universität Kassel vorgestellt wurde. „Die Gruppe der 50- bis 64-Jährigen wird bald die der 35- bis 49-Jährigen als stärkste Gruppe der Erwerbsbevölkerung ablösen“, sagte Arbeitswissenschaftler Ekkehart Frieling. Für die Unternehmen wachse damit der Druck, die individuellen Leistungspotenziale und die Erfahrung der Älteren mehr auszuschöpfen.

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Die Wissenschaftler plädieren etwa dafür, Arbeitsplätze verstärkt unter ergonomischen Gesichtspunkten zu gestalten. Von einer guten Computer-Bildschirmgestaltung profitierten nicht nur die jüngeren, sondern vor allem auch die älteren Beschäftigten, sagte Christopher Schlick, Arbeitswissenschaftler an der Technischen Universität Aachen.

Viele Software-Hersteller machten den Fehler, dass sie auf altersbedingte Bedürfnisse nicht eingingen. So könne die Gedächtniskapazität viel besser genutzt werden, wenn Bildschirmtexte von links nach rechts gestaltet würden und nicht nur untereinander. Auch eine zu kleine Schriftgröße führe zu einer größeren Fehlerzahl insbesondere bei älteren Arbeitnehmern.

Zudem empfehlen die Wissenschaftler, Arbeiten abwechslungsreich zu gestalten. „Der Mensch lebt von Belastungswechseln“, sagte Schlick. Der Forscher empfiehlt, dass Unternehmen bereits bei jüngeren Beschäftigten regelmäßig die Aufgabengebiete wechseln sollten. Dies fördere Lernprozesse und mache die Arbeit interessanter. Damit bestehe die Möglichkeit, den Krankenstand zu senken.

VW-Werk Baunatal will Erkenntnisse umsetzen

Das Volkswagenwerk Baunatal mit seinen rund 13.000 Beschäftigten will die Erkenntnisse des Projektes nun verwerten. Dazu sollen die Mitarbeiter unter Beteiligung des Betriebsrates in regelmäßigen Abständen ihren Arbeitsplatz wechseln. „Wir sind gerade dabei, individuelle Pläne zu erstellen, was ein Mitarbeiter leisten kann“, sagte Reinhard Nöring, Leiter der Abteilung Gesundheitswesen im VW-Werk.

Auch ein kostenloser Gesundheitscheck soll eingeführt werden. Die Investitionen in der Arbeitsgestaltung werden sich voraussichtlich auf weniger als 50 Millionen Euro belaufen. Ohne eine Umgestaltung der Arbeit drohen demnach wegen häufigerer Krankmeldungen viermal so hohe Kosten. Ziel sei es, dass die Mitarbeiter mit ihrem Leistungsprofil optimal auf lange Sicht eingesetzt werden können.

Auch wenn große Unternehmen wie VW Erkenntnisse aus der Arbeitswissenschaft möglichst schnell umsetzen wollen, wird den Forschern zufolge bundesweit noch zu wenig Wert auf ergonomische Arbeitsplätze gelegt. „Es dauert oft 20 Jahre, bis ergonomische Erkenntnisse in der Gestaltung von Arbeitsplätzen flächendeckend Anwendung finden“, sagte Frieling. (AP)

 



Schlagworte

Arbeit, Demographie
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