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Gedicht des Tages
Die zur Wahrheit wandern, wandern allein, keiner kann dem andern Wegbruder sein. Eine Spanne gehn wir, scheint es, im Chor . . . bis zuletzt sich, sehn wir, jeder verlor. Selbst der Liebste ringet irgendwo fern; doch wer's ganz vollbringet, siegt sich zum Stern, schafft, sein selbst Durchchrister, Neugottesgrund - und ihn grüßt Geschwister...
06.05.2013
Gedicht des Tages
Heinrich von Kleist: Der höhere Frieden
Der höhere Frieden Wenn sich auf des Krieges DonnerwagenMenschen waffnen auf der Zwietracht Ruf, Menschen, die im Busen Herzen tragen, Herzen, die der Gott der Liebe schuf: Denk' ich, können sie mir doch nichts rauben, Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt, Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben, Der dem Hasse wie dem...
02.05.2013
Gedicht des Tages
Ich weiß nicht, was soll es bedeuten,Dass ich so traurig bin,Ein Märchen aus alten Zeiten,Das kommt mir nicht aus dem Sinn. Die Luft ist kühl, und es dunkelt,Und ruhig fließt der Rhein;Der Gipfel des Berges funkeltIm Abendsonnenschein. Die schönste Jungfrau sitzetDort oben, wunderdarIhr gold'nes Geschmeide blitzet,Sie kämmt ihr gold'nes...
28.04.2013
Gedicht des Tages
Eins - lernt man in dem Leben doch: entbehren,und ganz gewiß - ob früher oder spät -des jungen Herzens ungestümes Gähren vergeht. Dann sieht man tränenlos auf mancher Bahre,lernt mählich Teures missen - und versteht,daß auch der größte Schmerz im Lauf der Jahrevergeht. Frühes Gedicht, 1894 Rainer Maria...
17.04.2013
Gedicht des Tages
Der Erlkönig Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?Es ist der Vater mit seinem Kind;Er hat den Knaben wohl in dem Arm,Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm. Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht? -Siehst Vater, du den Erlkönig nicht?Den Erlenkönig mit Kron und Schweif? -Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif. - "Du liebes Kind, komm,...
08.04.2013
Gedicht des Tages
Sie war ein Blümlein hübsch und fein
Sie war ein Blümlein hübsch und fein,Hell aufgeblüht im Sonnenschein. Er war ein junger Schmetterling,Der selig an der Blume hing. Oft kam ein Bienlein mit GebrummUnd nascht und säuselt da herum. Oft kroch ein Käfer kribbelkrabAm hübschen Blümlein auf und ab. Ach Gott, wie das dem SchmetterlingSo schmerzlich durch die Seele ging. Doch...
30.03.2013
Gedicht des Tages
Abgesehen von der Profitlüge. Die kurzen Beine der Lüge sindAuch nur etwas Relatives.Ein Segler kreuzend gegen WindIst immer etwas Schiefes. Ob sie aus Anstand, aus Mitleid gibt,Sich hinter der Kunst will schützen,Wenn sie nicht innerst sich selber liebt,Wird Lüge niemandem nützen. Es gibt eine Lüge politisch und kühn,Und die ist auch...
26.03.2013
Gedicht des Tages
Verlange nichts von irgendwem, lass jedermann sein Wesen, du bist von irgendwelcher Fem zum Richter nicht erlesen. Tu still dein Werk und gib der Welt allein von deinem Frieden, und hab dein Sach auf nichts gestellt und niemanden hienieden. Christian Morgenstern Amazon.de...
25.03.2013
Gedicht des Tages
Morgenstern: Hymne - Lebten wir je nicht?
Wie in lauter Helligkeit fließen wir nach allen Seiten . . . Erdenbreiten, Erdenzeiten schwinden ewigkeitenweit . . . Wie ein Atmen ganz im Licht ist es, wie ein schimmernd Schweben. Himmels-Licht - in Deinem Leben lebten je wir, je wir - nicht? Konnten fern von Dir verziehen, flohen Dich, verbannt, verdammt? Doch in Deine Harmonien kehren...
20.03.2013
Lyrik ist Mangelware
Kein Wort, nirgends – Poesie an deutschen Universitäten
Kinder lieben Gedichte. Sie reimen gern, sie klatschen beim Sprechen rhythmisch im Takt, und die Gedichtform hilft ihnen dabei, sich bestimmte Inhalte zu merken. Aber offensichtlich gelingt es an den Schulen nicht, die Heranwachsenden vom Gereimten zum "Verdichteten" zu führen. Zu einer gehaltvollen Poesie. Denn wenn dieselben Menschen mit der...
19.03.2013
Gedicht des Tages
Der Schnee, der gestern noch in FlöckchenVom Himmel fiel Hängt nun geronnen heut als GlöckchenAm zarten Stiel. Schneeglöckchen läutet, was bedeutet'sIm stillen Hain? O komm geschwind! Im Haine läutet's Den Frühling ein. O kommt, ihr Blätter, Blüt' und Blume,Die ihr noch träumt, All zu des Frühlings Heiligtume!Kommt...
11.03.2013
Gedicht des Tages
Der Himmel wölbt sich rein und blau, der Reif stellt Blumen aus zur Schau Am Fenster prangt ein flimmernder Flor, ein Jüngling steht betrachtend davor. Und hinter den Blumen blühet noch gar, ein blaues, ein lächelndes Augenpaar. März-Veilchen, wie jener noch keine gesehn! Der Reif wird angehaucht zergehn. Eisblumen fangen zu...
01.03.2013
Gedicht des Tages
Und mein liebes Veilchen blüht. Wie's vor lauter Freude weinet! Freut sich, daß die Sonne scheinet! Schmetterlinge, fliegt herbei, Sagt ihm doch, wie schön es sei! Johann Wolfgang von Goethe Amazon.de...
28.02.2013
Gedicht des Tages
Es schreit der Hahn im Morgengraun, die Hennen noch ganz schläfrig schaun. Was will der alte Gockel schon? So früh schon raus, ist doch ein Hohn. Der Nebel hat alle eingehüllt, die Nässe schon durch die Ritzen quillt, die Sonne lässt sich gar nicht blicken, das Eier Legen kein Entzücken. Doch schaut man abends ins...
27.02.2013
Geschriebene Dichtung
Literaturwerkstatt Berlin will Zentrum für Poesie ins Leben rufen
Die Literaturwerkstatt Berlin startet am 9. März 2013, gemeinsam mit Dichterinnen und Dichtern eine Kampagne zur Gründung des Deutschen Zentrums für Poesie. „Die Kunst der Sprache, die Dichtung, ist Ausdruck feinster Sprachkultur", so Thomas Wohlfahrt, Leiter der Literaturwerkstatt Berlin. „Ihre Schöpfer, die Dichterinnen und Dichter aller...
23.02.2013
Gedicht des Tages
Versprechen? gar nichts. Aber einiges halten.
Versprechen? gar nichts. Aber einiges halten. So hab ich stets versucht zu leben. Versprechen schien mir meist Verbrechen. Zu wehe Lehr war mir zu oft gegeben vom eignen Selbst, dem schillernd vielgestalten. Wie hab ich immerdar mit ringender Seele den Kern und Stern gesucht in meinem Innern! Wie wollt ich wahr und ganz sein bis zum Letzten! Doch...
18.02.2013
Gedicht des Tages
Es war, als hätt der Himmel Es war, als hätt der Himmel die Erde still geküsst, dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst. Die Luft ging durch die Felder, die Ähren wogten sacht, es rauschten leis' die Wälder, so sternklar war die Nacht. Und meine Seele spannte weit ihre Flügel aus, flog durch die stillen...
01.02.2013
Gedicht des Tages
Buddha Als ob er horchte. Stille: eine Ferne...Wir halten ein und hören sie nicht mehr.Und er ist Stern. Und andre große Sterne,die wir nicht sehen, stehen um ihn her.O er ist alles. Wirklich, warten wir,dass er uns sähe? Sollte er bedürfen?Und wenn wir hier uns vor ihm niederwürfen,er bliebe tief und träge wie ein Tier.Dann das,...
22.01.2013
Gedicht des Tages
Christian Morgenstern: Die drei Spatzen
Die drei Spatzen In einem leeren Haselstrauch,da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch. Der Erich rechts und links der Franz und mittendrin der freche Hans. Sie haben die Augen zu, ganz zu,und obendrüber, da schneit es, hu! Sie rücken zusammen dicht an dicht,so warm wie Hans hat's niemand nicht. Sie hör'n alle drei ihrer Herzlein...
14.01.2013
Gedicht des Tages
Hoffmann von Fallersleben: Beim Regen
Beim Regen Liebe Sonne, scheine wieder,Schein' die düstern Wolken nieder!Komm mit deinem goldnen StrahlWieder über Berg und Tal! Trockne ab auf allen WegenÜberall den alten Regen!Liebe Sonne, lass dich sehn,Dass wir können spielen gehn! Hoffmann von...
08.01.2013
Gedicht des Tages
Rilke: Du mußt das Leben nicht verstehen
Du musst das Leben nicht verstehen,dann wird es werden wie ein Fest.Und lass dir jeden Tag geschehenso wie ein Kind im Weitergehenvon jedem Wehensich viele Blüten schenken lässt.Sie aufzusammeln und zu sparen,das kommt dem Kind nicht in den Sinn.Es löst sie leise aus den Haaren,drin sie so gern gefangen waren,und hält den lieben jungen...
03.01.2013
Gedicht des Tages
Johann Wolfgang von Goethe: Weihnachten
Weihnachten Bäume leuchtend, Bäume blendend, Überall das Süße spendend, In dem Glanze sich bewegend, Alt und junges Herz erregend - Solch ein Fest ist uns bescheret, Mancher Gaben Schmuck verehret; Staunend schaun wir auf und nieder, Hin und her und immer wieder. Aber, Fürst, wenn dir's begegnet Und ein Abend so dich segnet, Dass als...
17.12.2012
Gedicht des Tages
Theodor Fontane über das Weihnachtsfest
Noch einmal ein Weihnachtsfest, Immer kleiner wird der Rest, Aber nehm ich so die Summe, Alles Grade, alles Krumme, Alles Falsche, alles Rechte, Alles Gute, alles Schlechte - Rechnet sich aus all dem Braus Doch ein richtig Leben heraus. Und dies können ist das Beste Wohl bei diesem Weihnachtsfeste. Theodor...
13.12.2012
Gedicht des Tages
Rilke: Weißt du, ich will mich schleichen
Weißt du, ich will mich schleichen leise aus lautem Kreis, wenn ich erst die bleichen Sterne über den Eichen blühen weiß. Wege will ich erkiesen, die selten wer betritt in blassen Abendwiesen? und keinen Traum, als diesen: Du gehst mit. Aus: Advent, 1898Rainer Maria Rilke...
06.12.2012
Gedicht des Tages
Rilke: Es treibt der Wind im Winterwalde
Es treibt der Wind im WinterwaldeDie Flockenherde wie ein Hirt,Und manche Tanne ahnt, wie baldeSie fromm und lichterheilig wird,Und lauscht hinaus. Den weißen WegenStreckt sie die Zweige hin - bereit,Und wehrt dem Wind und wächst entgegenDer einen Nacht der Herrlichkeit. Aus: Advent Rainer Maria...
01.12.2012
Gedicht des Tages
Christian Morgenstern über Ziel, Hoffnung und Loslassen
O ihr kleinmütig Volk, die ihr vom Heute nicht loskommt, die ihr meint: so ist es, war es und wird es sein, solange Menschen leben- . O würdet ihr doch andrer Hoffnung Beute und lerntet wieder schauen Offenbares und Hirn und Herz zu höchstem Ziel erheben! Christian Morgenstern Amazon.de...
26.11.2012
Gedicht des Tages
Mitmenschen und die Unsterblichkeit
Mitmenschen Ein Mensch schaut in der Straßenbahn der Reihe nach die Leute an. Jäh ist er zum Verzicht bereit, auf jede Art Unsterblichkeit. Eugen Roth 1895-1976 Leseprobe aus: Eugen Roth für Zeitgenossen, rororo, Taschenbuch Rezension zu Eugen Roth Amazon.de...
19.11.2012
Gedicht des Tages
Furcht hat mir viel geholfen, bloße Furcht vor Folgen, die ich nicht ertragen hätte, die weiße Angst vor Aussatz und Gebrest. Und jene andre Furcht, die Furcht vor Furcht, die Angst vor Angst, die dich an keiner Stätte verweilen und nur - Mut als Ausweg lässt. Christian Morgenstern Amazon.de...
14.11.2012
Gedicht des Tages
Schiff Wir haben keinen günstigen Wind, Indem wir die Richtung verlieren. Wissen wir doch, wo wir sind. Aber wir frieren. Und die darüber erhaben sind, Die sollten nicht allzu viel lachen. Denn sie werden nicht lachen, wenn sie blind Eines Morgens erwachen. Das Schiff auf dem ich heute bin, Treibt jetzt in die uferlose, In...
10.11.2012
Gedicht des Tages
Die goldene Gabe der Selbsterkenntnis
Selbsterkenntnis, goldne Gabe, wunderbare, jungende Kraft! o solang ich dich nur habe, glüht mein Geist noch unerschlafft. Immer tiefer, immer wahrer machst du den, der dich besitzt; wirkst zugleich, dass immer klarer Welterkenntnis ihn durchblitzt. Christian Morgenstern Amazon.de...
05.11.2012
Gedicht des Tages
Fülle Genug ist nicht genug! Gepriesen werde Der Herbst! Kein Ast, der seiner Frucht entbehrte! Tief beugt sich mancher allzureich beschwerte, Der Apfel fällt mit dumpfem Laut zu Erde. Genug ist nicht genug! Es lacht im Laube! Die saftge Pfirsche winkt dem durstgen Munde! Die trunknen Wespen summen in die Runde: "Genug ist nicht genug!" um...
30.10.2012
Gedicht des Tages
Dein Wunsch, nicht mehr zu leiden
Dein Wunsch, nicht mehr zu leiden, ach, schafft nur neues Leid. So wirst du niemals scheiden von deinem Trauerkleid. Du musst es ganz abtragen, bis auf das letzte Haar, und einst nur dessen klagen: dass es nicht dichter war. Ganz nackend musst du werden zuletzt, weil es zerfallt in seinen Stoff aus Erden von deines Geists Gewalt. Ganz...
21.10.2012
Gedicht des Tages
Wahre Worte sind nicht schönSchöne Worte sind nicht wahrJene, die gut sind, streiten nichtJene, die streiten, sind nicht gut.Jene, die wissen, haben kein breites WissenJene, die breites Wissen haben, wissen nicht Weise häufen nicht anJe mehr sie anderen helfen, desto mehr haben sieJe mehr sie anderen geben, desto mehr erhalten sie Das Tao des...
24.09.2012
Gedicht des Tages
Wenn ein Gewitter einen Donner vergisst
Der vergessene Donner Ein Gewitter, im Vergehn, ließ einst einen Donner stehn. Schwarz in einer Felsenscharte stand der Donner da und harrte - scharrte dumpf mit Hals und Hufe, dass man ihn nach Hause rufe. Doch das dunkle Donnerfohlen - niemand kam's nach Haus zu holen. Sein Gewölk, im Arm des Windes, dachte nimmer seines Kindes - flog...
19.09.2012
Gedicht des Tages
Gott: Bin Spiegelbild von Deinem Sein
Gott Der Du nicht Stein bist, doch des Steines Kraft, Die Kern und Schale hält in enger Haft. Der Du nicht Rose bist, doch ihre Pracht, Ihr Duft, ihr Auge, das zur Sonne lacht. Der Du nicht Eiche bist, doch wohl ihr Mark, Der Stolz, der aus ihr athmet, lebensstark. Die Welt ist nichts als Form, in der Du prägst, Ist nichts als die...
05.09.2012
Gedicht des Tages
Ein kleines Lied Ein kleines Lied, wie geht's nur an, dass man so lieb es haben kann? Was liegt darin? Erzähle! Es liegt darin ein wenig Klang, ein wenig Wohllaut und Gesang und eine ganze Seele. Marie von...
18.08.2012
Gedicht des Tages
Ich will euch erzählen und will auch nicht lügen:ich sah zwei gebratene Ochsen fliegen,sie flogen gar ferne -sie hatten den Rücken gen Himmel gekehrt,die Füße wohl gegen die Sterne. Ein Amboss und ein Mühlsteindie schwammen bei Köln wohl über den Rhein,sie schwammen gar leise -ein Frosch verschlang alle beid’zu Pfingsten wohl auf...
06.08.2012
Gedicht des Tages
Und nun noch der Schnellzug nach Charleroi!In fünf Minuten schon ist er da! -Er trottet hinaus zum äußersten End',Die letzte Weiche zu stellen behänd.Im Schnee seine Schritte knarren,Die Nacht ist kalt zum Erstarren! Bald lädt bei traulichem LampenscheinDie warme Stube den Müden ein,Und ein Kuss vergilt ihm des Tages Qual,Ein liebendes...
23.07.2012
Gedicht des Tages
"Der Löw’ ist los! Der Löw ist frei! Die ehernen Bande riss er entzwei!- Zurück, dass ihr den vergeblichen Mut Nicht schrecklich büßet im eigenen Blut!" Und jeder suchet mit scheuer Eil’ In des Hauses Innern Schutz und Heil; Auf Markt und Straßen rund umher Ward’s plötzlich still und menschenleer. Ein Kindlein nur,...
18.07.2012
Gedicht des Tages
Mietegäste vier im Haus Hat die alte Buche. Tief im Keller wohnt die Maus, Nagt am Hungertuche. Stolz auf seinen roten Rock Und gesparten Samen sitzt ein Protz im ersten Stock; Eichhorn ist sein Namen. Weiter oben hat der Specht Seine Werkstatt liegen, Hackt und zimmert kunstgerecht, Daß die Späne fliegen. Auf...
13.07.2012
Gedicht des Tages
Das Glück, das glatt und schlüpfrig rollt, Tauscht in Sekunden seine Pfade, Ist heute mir, dir morgen hold Und treibt die Narrenrund im Rade. Lass fliehn, was sich nicht halten lässt; Den leichten Schmetterling lass schweben, Und halte nur dich selber fest: Du hältst das Schicksal und das Leben. Ernst Moritz Arndt...
03.07.2012
Gedicht des Tages
Sehnsucht nach der wilden Rose
Die wilde Rose Da droben auf einsamer Höhe Die wilde Rose blüht, Und wer sie von Ferne gesehen, In heißer Sehnsucht erglüht. Zu ihr über Felsen und Klüfte Ein kühner Jäger klimmt. Schon ist er in nächster Nähe - Das Auge in Thränen ihm schwimmt. Er will sie erfassen und pflücken. Da strauchelt jäh sein Fuß; Des Abgrunds...
28.06.2012
Gedicht des Tages
Die Tänzerin: Sie tanzt Gestirne
Die Tänzerin Denn tanzen muss sie. Dem tollen Rad verflochten Gliedert sie Chaos, Schwendet Quellen, Stampft zuckende Krater. Im Drang Des großen Taktes Tanzt sie Gestirne. Bess Brenck-Kalischer (1878-1933) / (Betty...
25.06.2012
Gedicht des Tages
Auf Bergeshöhen schneebedeckt, Auf grünen Hügeln weitgestreckt Erglänzt die Morgensonne; Die tauerfrischten Zweige hebt Der junge Buchenwald und bebt Und bebt in Daseinswonne. Es stürzt in ungestümer Lust Herab aus dunkler Felsenbrust Der Gießbach mit Getose, Und blühend Leben weckt sein Hauch Im stolzen Baum, im niedren Strauch, In...
21.06.2012
Gedicht des Tages
Auferstehung und Metamorphose O liebliche! wie schön bist Du erstanden!Die Rose in sich selbst so tief verglühetIst hoch in Dir, Du Lilie erblühetIn der sich Form und Inhalt schön verbanden. O zürne nicht, weil ich es Dir gestanden,Daß der, der um die Rose sich bemühetAus ihr Dich Lilie erstanden siehetO zürne nicht, hast Du es gleich...
17.06.2012
Gedicht des Tages
Ob ich dich liebe, weiß ich nicht.
Ob ich dich liebe, weiß ich nicht. Ob ich dich liebe, weiß ich nicht.Seh´ ich nur einmal dein Gesicht,Seh´ dir ins Auge nur einmal,Frei wird mein Herz von aller Qual.Gott weiß, wie mir so wohl geschieht!Ob ich dich liebe, weiß ich nicht. J. W. von Goethe (1749 -...
14.06.2012
Gedicht des Tages + Fotogalerie
Ich sahe mit betrachtendem Gemüte jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte, In kühler Nacht beim Mondenschein; Ich glaubt', es könne nichts von größerer Weiße sein. Es schien, ob wär ein Schnee gefallen. Ein jeder, auch der kleinste Ast Trug gleichsam eine rechte Last Von zierlich-weißen runden Ballen. Es ist kein Schwan so weiß, da...
11.06.2012
Gedicht des Tages
Im Frühling prangt die schöne Welt In einem fast smaragdnen Schein. Im Sommer glänzt das reife Feld, Und scheint dem Golde gleich zu seyn. Im Herbste sieht man als Opalen Der Bäume bunte Blätter strahlen. Im Winter schmückt ein Schein, wie Diamant Und reines Silber, Fluth und Land. Ja kurz, wenn wir die Welt aufmerksam sehn, Ist sie...
10.06.2012
Gedicht des Tages
Dein Lied erklang, ich habe es gehöret Wie durch die Rosen es zum Monde zog. Den Schmetterling, der bunt im Frühling flog Hast du zur frommen Biene bekehret. Zur Rose ist mein Drang Seit nur dein Lied erklang. Brentano, Clemens...
06.06.2012
Gedicht des Tages
Bestimmt nicht das Schweigen den Duft der Liebe und hält ihn fest?... Wenn die Liebe des Schweigens beraubt wäre, hätte sie keinen ewigen Geschmack und Duft. Wer von uns kennt nicht jene stummen Augenblicke, wo die Lippen sich trennen und die Seelen sich vereinen? Graf Maurice Polydore Marie Bernard Maeterlinck...
02.06.2012
Gedicht des Tages
Simpeldichter: Berliner Schnitzel 1-9
Berliner Schnitzel 1. Kein rückwärts schauender Prophet, Geblendet durch unfaßliche Idole, Modern sei der Poet, Modern vom Scheitel bis zur Sohle. 2. Verruchtes Epigonenthum, Egypter- und Teutonenthum, Daß dich der Teufel brate! Schon längst sind wir fascikelsatt, Grinst doch durch jedes Titelblatt Das Dante'sche...
31.05.2012
Gedicht des Tages
Frühling, Frühling soll es sein!
Sonst Laue Luft kommt blau geflossen, Frühling, Frühling soll es sein! Waldwärts Hörnerklang geschossen, Mut'ger Augen lichter Schein; Und das Wirren bunt und bunter Wird ein magisch wilder Fluß, In die schöne Welt hinunter Lockt dich dieses Stromes Gruß. Und ich mag mich nicht bewahren! Weit von euch treibt mich der Wind, Auf dem Strome...
22.05.2012
Gedicht des Tages
Lied vom Winde. Sausewind, Brausewind! Dort und hier! Deine Heimath sage mir! "Kindlein, wir fahrenSeit viel vielen Jahren Durch die weit weite Welt, Und möchten's erfragen, Die Antwort erjagen, Bei den Bergen, den Meeren,Bei des Himmels klingenden Heeren, Die wissen es nie. Bist du klüger als sie, Magst du es sagen. - Fort, wohlauf!Halt'...
20.05.2012
Gedicht des Tages
Süße Gottes-Trunkenheit Vorüber ist der Graus der Nacht, Gebrochen ist des Sturmes Macht. Wie weht die Morgenluft so lau! Wie glitzert licht die grüne Au! Ein jeder Bach, ein jeder Rain Lockt weiter in die Welt hinein. Ich bette mich in's weiche Moos, Ich träume in des Waldes Schoß. Rings duftet der Wachholderdorn, Vor...
18.05.2012
Gedicht des Tages
Das alte Lied Von Jugend, Frühling und Rosen
Im Frühling Soll ich Euch singen das alte Lied Von Jugend, Frühling und Rosen? Soll ich Euch schildern mit süßem Wort Das Sprießen, Knospen und Kosen? Ihr höret, sehet und fühlt es nicht, Wenn Dichter auch rührend leiern, Daß wieder einmal die Wiese grünt, Die Winterstürme nun feiern. Als Gottesfriede und Frühlingsluft Durch...
16.05.2012
Gedicht des Tages
Ein Herz laviert nicht Ich nenne keine Freundschaft heiß,Die niemals, wenn's ihr unbequem,Den Freund zu überraschen weißTrotzdem. Denn wenn sie Zeit und Mühe scheut,Ein Unverhofft zu bringen,Das einen Freund unendlich freut,Dann hat sie keine Schwingen. Den Umfang einer Wolke mißtKein Mensch. Weil sie nicht rastet,Noch ihre Freiheit je...
04.05.2012
Gedicht des Tages
Einsamer Spazierflug Nun ich wie gestorben binUnd wurde ein Engelein,Fliege ich über dein Wohnhaus hin.Häuschen klein. Die du als Witwe wieder umworbenSein magst,Da ich doch schon verstorbenBin -. Was du wohl sagst? Ob du gefaßt bist oder klagst?Oder ob dein Humor wieder steht,Du dessen eingedenk bist,Daß ein aufrichtiges GebetEin...
19.04.2012
Hier bin ich Mensch
Vom Eise befreit sind Strom und BächeDurch des Frühlings holden, belebenden Blick;Im Tale grünet Hoffnungsglück;Der alte Winter, in seiner Schwäche,Zog sich in rauhe Berge zurück.Von dorther sendet er, fliehend, nurOhnmächtige Schauer körnigen EisesIn Streifen über die grünende Flur;Aber die Sonne duldet kein Weißes,Überall regt...
08.04.2012
Gedicht des Tages
Was da in der Erde los ist im Frühling!
Im hohen Gras der Knabe schlief, Da hört' er´s unten singen, Es war, als ob die Liebste rief, Das Herz, wollt ihm zerspringen.Und über ihm ein Netze wirrt Der Blumen leises Schwanken, Durch das die Seele schmachtend irrt In lieblichen Gedanken.So süße Zauberei ist los, Und wunderbare Lieder Geh´n durch der Erde Frühlingsschoß, Die...
03.04.2012
Ostergrüße
Die linden Lüfte sind erwacht Die linden Lüfte sind erwacht,sie säuseln und weben Tag und Nacht,sie schaffen an allen Enden.O frischer Duft, o neuer Klang!Nun, armes Herz, sei nicht bang!Nun muss sich alles, alles wenden. Die Welt wird schöner mit jedem Tag,man weiß nicht, was noch werden mag,das Blühen will nicht enden.Es blüht das...
02.04.2012
Gedicht des Tages
Das Veilchen als Botin des Lenzes
Das erste Veilchen Als ich das erste Veilchen erblickt, Wie war ich von Farben und Duft entzückt! Die Botin des Lenzes drückt' ich voll Lust An meine schwellende, hoffende Brust. Der Lenz ist vorüber, das Veilchen ist todt; Rings steh'n viel Blumen blau und roth, Ich stehe inmitten, und sehe sie kaum, Das Veilchen erscheint mir im...
02.04.2012
Gedicht des Tages
Die Traubenhyazinthe Angenehmes Frühlingskindchen, Kleines Traubenhyazinthchen, Deiner Farb und Bildung Zier Zeiget mit Verwundrung mir Von der bildenden Natur Eine neue Schönheitsspur. An des Stengels blauer Spitzen Sieht man, wenn man billig sieht, Deiner sonderbaren Blüt Kleine blaue Kugeln sitzen, Dran, so lange sich ihr Blatt Noch nicht...
26.03.2012
Gedicht des Tages
Die ewige Sehnsucht der erdkranken Seele
Im wallenden AetherUmfließt mich DuftwogenDes wallenden Aethers,Gießt göttlichen Odem'sAnhauch und LebenIn's innerste Mark mir!Durchschau'rt jeden NervMit sonntrunkener Andacht!Laßt hinab mich tauchenIn himmlische Lichtsphär'!Umarme mich brünstigDu seliges SchweigenUnendlicher Liebe! ...Hinstirbt die Sehnsucht,Die ewige SehnsuchtDer...
23.03.2012
Gedicht des Tages
Frühlingslied Mit geheimnisvollen Düften Grüßt vom Hang der Wald mich schon, Über mir in hohen Lüften Schwebt der erste Lerchenton. In den süßen Laut versunken Wall' ich hin durchs Saatgefild, Das noch halb vom Schlummer trunken Sanft dem Licht entgegenschwillt. Welch ein Sehnen! welch ein Träumen! Ach, du möchtest vorm Verglühn Mit...
21.03.2012
Gedicht des Tages mit Fotogalerie
Der Frühling ist die schönste Zeit!
Der Frühling ist die schönste Zeit! Was kann wohl schöner sein? Da grünt und blüht es weit und breit Im goldnen Sonnenschein. Am Berghang schmilzt der letzte Schnee, Das Bächlein rauscht zu Tal, Es grünt die Saat, es blinkt der See Im Frühlingssonnenstrahl. Die Lerchen singen überall, Die Amsel schlägt im Wald! Nun kommt die liebe...
14.03.2012
Gedicht des Tages
S'ist Frühling: Herz, wage es auch du!
Frühling Nun ist er endlich kommen doch In grünem Knospenschuh; "Er kam, er kam ja immer noch" Die Bäume nicken sich's zu. Sie konnten ihn all erwarten kaum, Nun treiben sie Schuß auf Schuß; Im Garten der alte Apfelbaum, Er sträubt sich, aber er muß. Wohl zögert auch das alte Herz Und atmet noch nicht frei, Es bangt und sorgt; "Es ist...
12.03.2012
Gedicht des Tages
Was Mond, Sterne und Nachtigallen sagen ...
Frühlingsnacht Über'n Garten durch die Lüfte Hört' ich Wandervögel zieh'n, Was bedeutet Frühlingsdüfte, Unten fängt's schon an zu blüh'n.Jauchzen möcht' ich, möchte weinen, Ist mir's doch, als könnt's nicht sein! Alte Wunder wieder scheinen Mit dem Mondesglanz herein. Und der Mond, die Sterne sagen's Und in Träumen rauscht's der Hain...
08.03.2012
Gedicht des Tages + Fotogalerie
Primeln stolzieren so naseweis
Frühling über's JahrDas Beet schon lockert Sich's in die Höh' Da wanken Glöckchen So weiß wie Schnee; Safran entfaltet Gewaltg'e Glut, Smaragden keimt es und keimt wie Glut. Primeln stolzieren So naseweis, Schalkhafte Veilchen Versteckt mit Fleiß; Was auch noch alles Da regt und webt, Genug, der Frühling Er wirkt und lebt. Goethe, Johann...
05.03.2012
Gedicht des Tages
Frühling lässt sein blaues Band ...
Frühling lässt sein blaues Band Wieder flattern durch die Lüfte Süße, wohlbekannte Düfte Streifen ahnungsvoll das Land Veilchen träumen schon, Wollen balde kommen Horch, von fern ein leiser Harfenton! Frühling, ja du bist's! Dich hab ich vernommen! Eduard Mörike ...
03.03.2012
Gedicht des Tages
Die Himmelsleiter und der Schöpfung nie begriffne Herrlichkeit
Von Ewigkeit zu Ewigkeit Der Schöpfung nie begriffne Herrlichkeit Entfacht noch stündlich den Prometheusfunken, Und doch ist ihre goldne Blüthezeit Schon längst ins Grab der Ewigkeit gesunken. Denn jene Welt der Sagenpoesie Ist nicht nur Traum, ist Wirklichkeit gewesen, Und wem das Schicksal Seherkraft verlieh, Kann das noch...
01.03.2012
Gedicht des Tages
Hoffnung Wenn schon die Illusionen bei den Menschen eine so große Macht haben, dass sie das Leben in Gang halten können – wie groß ist dann erst die Macht, die eine begründete Hoffnung hat? Deshalb ist es keine Schande, zu hoffen, grenzenlos zu hoffen! Dietrich Bonhoeffer...
24.02.2012
Fragment des Tages
Stoische Moral über den Verlust
Der Weise verliert nichts. [25] XI. Sage nie von einem Ding: ich habe es verloren; sondern: ich habe es zurückgegeben. Dein Kind ist gestorben; - es ist zurückgegeben worden. Dein Weib ist gestorben; - es ist zurückgegeben worden. Dein Landgut wurde dir genommen. - Nun also auch dieses ist nur zurückgegeben worden. - »Aber der es dir...
22.02.2012
Gedicht des Tages
Karneval, Närrisches und Kokolores
Karneval Auch uns, in Ehren sei's gesagt,Hat einst der Karneval behagt,Besonders und zu allermeistIn einer Stadt, die München heißt.Wie reizend fand man dazumalEin menschenwarmes Festlokal,Wie fleißig wurde über NachtDas Glas gefüllt und leer gemacht, Und gingen wir im Schnee nach Haus,War grad die frühe Messe aus,Dann können gleich...
20.02.2012
Gedicht des Tages
Mahnung Genug gemeistert nun die Weltgeschichte!Die Sterne, die durch alle Zeiten tagen,ihr wolltet sie mit frecher Hand zerschlagenund jeder leuchten mit dem eigenen Lichte. Doch unaufhaltsam rucken die Gewichte,von selbst die Glocken von den Türmen schlagender alte Zeiger, ohne euch zu fragen,weist flammend auf die Stunde der Gerichte. O...
13.02.2012
Gedicht des Tages
Der Winter ist ein rechter Mann
Der Winter ist ein rechter Mann Der Winter ist ein rechter Mann,Kernfest und auf die Dauer;Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an,Und scheut nicht süß noch sauer. War je ein Mann gesund wie er?Er krankt un kränkelt nimmer,Er trotzt der Kälte wie ein Bärund schläft im kalten Zimmer. Er zieht sein Hemd im Freien anund läßt´s vorher...
05.02.2012
Gedicht des Tages
Ick bin in Tempelhof jeboren ...
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber Ick bin in Tempelhof jeboren ... Ick bin in Tempelhof jeboren Der Flieder wächst mich aus die Ohren. In meinem Maule grast die Kuh. Ick geh zuweilen sehr und schwanger Auf einem Blumen-i-o-anger Mein Vater, was sagst Du dazu? Wir gleichen sehr den Baletteusen, Pleureusen -...
30.01.2012
Gedicht des Tages
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber Bildgedicht von Ilse Dunkel, siehe...
22.01.2012
Gedicht des Tages
Hinaus Seh' ich die Vögel fliehn in die Nester, Ist eine Träne dem Auge erlaubt; Denn nur die Sorge ist meine Schwester, Nirgends bett' ich mein heimatlos Haupt. Drum denn hinaus ins Freie! ins Weite! Nichts nenn' ich mein, drum gehört mir das All; Jubelnd begrüßen mich, die Befreite, Wandernde Stürme mit Donnerschall. Hoch von der...
21.01.2012
Gedicht des Tages
Das Herz im Tempel der Waldeinsamkeit
Waldeinsamkeit O zaubergrüne Waldeinsamkeit, Wo alte, dunkle Fichten stehn und träumen, Wo klare Bächlein über Kiesel schäumen In tief geheimer Abgeschiedenheit. Nur Herdenglockenlaut von Zeit zu Zeit, Und leises Säuseln oben in den Bäumen, Dann wieder Schweigen wie in Tempelräumen, O zaubergrüne Waldeinsamkeit! - Hier sinkt des...
20.01.2012
Gedicht des Tages
Immer wieder der Gleiche ... !
Icke Ick sitze hier und esse Klops. Uff eenmal klopps. Ick kieke, staune, wundre mir, uff eenmal jeht se uff, de Tür. Nanu, denk ick, ick denk, nanu! jetzt is se uff, erst war se zu. Ick jehe raus und kieke, und wer steht draußen? - Icke! Anonymus - Viele verschiedene...
19.01.2012
Gedicht des Tages
Wo der Kreis sich wogend rundet
Das Schiff Das eilende Schiff, es kommt durch die WogenWie Sturmwind geflogen. Voll Jubel ertönt's vom Mast und vom Kiele:"Wir nahen dem Ziele." Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise:"Wir segeln im Kreise." Marie von...
17.01.2012
GEDICHT DES TAGES
Altersweisheit: Alles kommt von selbst
Von selbst Spare deine guten Lehren Für den eigenen Genuß.Kaum auch wirst du wen bekehren, Zeigst du, wie mans machen muß. Laß ihn im Galoppe tollen, Reite ruhig deinen Trab.Ein zu ungestümes Wollen Wirft von selbst den Reiter ab. aus: Wilhelm Busch: Schein und Sein - Kapitel...
15.01.2012
Gedicht des Tages
Der erste Morgenstrahl bei Sonnenaufgang
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber Der Morgen Fliegt der erste MorgenstrahlDurch das stille Nebeltal,Rauscht erwachend Wald und Hügel:Wer da fliegen kann, nimmt Flügel! Und sein Hütlein in die LuftWirft der Mensch vor Lust und ruft:Hat Gesang doch auch noch Schwingen,Nun, so will ich fröhlich...
14.01.2012
Gedicht des Tages
Wegweiser "Jetzt mußt du rechts dich schlagen,Schleich dort und lausche hier,Dann schnell drauflos im Jagen -So wird noch was aus dir." Dank! doch durchs Weltgewimmel,Sagt mir, ihr weisen Herrn,Wo geht der Weg zum Himmel?Das eine wüßt ich gern. Joseph von Eichendorff...
13.01.2012
Gedicht des Tages
Nie bist du ohne Nebendir Eine Wiese singt.Dein Ohr klingt.Eine Telefonstange rauscht.Ob du im Bettchen liegstOder über Frankfurt fliegst,Du bist überall gesehen und belauscht. Gonokokken kieken,Kleine Morcheln horcheln.Poren sind nur Ohren.Alle Bläschen blicken. Was du verschweigst,Was du den andern nicht zeigst,Was dein Mund sprichtUnd...
06.01.2012
Gedicht des Tages
Der Musensohn Durch Feld und Wald zu schweifen,Mein Liedchen wegzupfeifen,So gehts von Ort zu Ort!Und nach dem Takte reget,Und nach dem Maß bewegetSich alles an mir fort. Ich kann sie kaum erwarten,Die erste Blum im Garten,Die erste Blüt am Baum.Sie grüßen meine Lieder,Und kommt der Winter wieder,Sing ich noch jenen Traum. Ich sing ihn in...
01.01.2012
Gedicht des Tages
Palmström Palmström steht an einem Teicheund entfaltet groß ein rotes Taschentuch:Auf dem Tuch ist eine Eichedargestellt sowie ein Mensch mit einem Buch. Palmström wagt nicht, sich hineinzuschneuzen.Er gehört zu jenen Käuzen,die oft unvermittelt-nacktEhrfurcht vor dem Schönen packt. Zärtlich faltet er zusammen,was er eben erst...
26.12.2011
Gedicht des Tages
Du bist mein Mond Du bist mein Mond und ich bin deine Erde, du sagst, du drehest dich um mich. Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich werde in meinen Nächten hell durch dich. Du bist mein Mond und ich bin deine Erde. Sie sagen, du veränderst dich, allein du änderst nur die Lichtgebärde und liebst mich unveränderlich. Du bist...
12.12.2011
GEDICHT DES TAGES
Naivität + Vertrauen sind Nachbarskinder
Die Nachbarskinder Wer andern gar zu wenig traut, Hat Angst an allen Ecken;Wer gar zu viel auf andre baut, Erwacht mit Schrecken. Es trennt sie nur ein leichter Zaun, Die beiden Sorgengründer;Zu wenig und zu viel Vertraun Sind Nachbarskinder. aus: Wilhelm Busch: Schein und Sein - Kapitel...
11.12.2011
Gedicht des Tages
Auf die Thränen Du treuer Augensafft! wann ich schier gar verschmachtein Ohnmacht sink dahin / so spritzstu ins Gesicht.Du bist bey mir / wann ich bin bey mir selber nicht.Sonst alle Labnuß ich / nur deine nicht / verachte.Du Brunn der wahren Lieb'! in dir / ich Gott betrachteja neben mir erblick' in seinem gnaden-Liecht.Ich senk / ertränk in...
08.12.2011
Gedicht des Tages
Alles in Dir In Dir, o Mensch, ist alles:In Dir ist der Schlaf und das Wache:In Dir ist die Zeit.Und ohne Dich ist keine Zeit.In Dir ist die ZeitUnd die Fülle der Zeit:Der qualmende Dampfer,Die rollende Bahn,Der eiserne LärmUnd das Schweigen des Domes.Der Stein und der Mörtel:Das Haus und die Stadt.In Dir ist die FülleDes zeitlichen...
07.12.2011
Gedicht des Tages
Endlich, endlich das rechte Ufer gefunden
Das andere Ufer Einmal wird ein Endealler Irrfahrt sein.Müdgewordne Händeziehn die Segel ein. Leise ruft der Ruferallen Sturm zur Ruhr.Einem andern Ufertreibt der Nachen zu. Und die vor mir gingenschauen nach mir aus,um mich heimzubringenin mein Vaterhaus. Wortlos knie ich niederin den Silbersand:nimm mich, nimm mich wieder,seliges...
05.12.2011
Gedicht des Tages
Die geheime Auferstehung Durch Hoffart / Fleisches lust / und durch begiehr der Welt /Hat Geist / Leib / Seel der Feind gestürtzet und gefällt /Durch Demutt und Casteyn / und durch Allmosen geben /Steht auf Geist / Leib und Seel zu einem neuen Leben. Angelus Silesius (1624 -...
03.12.2011
Gedicht des Tages
Die Bürgschaft Zu Dionys, dem Tyrannen, schlichDamon, den Dolch im Gewande;Ihn schlugen die Häscher in Bande."Was wolltest du mit dem Dolche, sprich!"Entgegnet ihm finster der Wüterich."Die Stadt vom Tyrannen befreien!""Das sollst du am Kreuze bereuen." "Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereitUnd bitte nicht um mein Leben,Doch willst du...
02.12.2011
Gedicht des Tages
Ein herbstlich Lied für zweie Auch diesem Stieglitz da im BlätterfallTickt wunderbar in seinem FederballEin schüchtern-schluchzend Herz, ein kleines,Ein Herz wie meins und deines. Der Vogel singt, weil ihn sein Herz bezwingtUnd große Sonnenluft ihn frisch umschwingt -Er muß von seinem Herzen zehren. Und jedes Flüsterbäumchen, uns...
30.11.2011
Gedicht des Tages
Die Sommerrosen blühenUnd duften um mich her;Ich seh' sie all' verglühen,Will keine Blumen mehr. Der Bruder mein that ziehenMit Königs stolzem Heer,Läßt einsam mich verblühen,Will keine Blumen mehr. Die blanken Waffen sprühenWeit Funken um ihn her;Das Herz thut ihm erglühen,Will keine Blumen mehr. Und Silbersterne blühenUm Helm und...
28.11.2011
Gedicht des Tages
Es gibt so wunderweiße Nächte Es gibt so wunderweiße Nächte, drin alle Dinge Silber sind. Da schimmert mancher Stern so lind, als ob er fromme Hirten brächte zu einem neuen Jesuskind. Weit wie mit dichtem Diamantstaube bestreut, erscheinen Flur und Flut, und in die Herzen, traumgemut, steigt ein kapellenloser Glaube, der...
27.11.2011
Gedicht des Tages
Menschenbeifall Ist nicht heilig mein Herz, schöneren Lebens voll,Seit ich liebe? Warum achtetet ihr mich mehr,Da ich stolzer und wilder,Wortereicher und leerer war? Ach! Der Menge gefällt, was auf dem Marktplatz taugt,Und es ehret der Knecht nur den Gewaltsamen;An das Göttliche glaubenDie allein, die es selber sind. Friedrich Hölderlin...
26.11.2011
Gedicht des Tages
Lebenszweck Hilflos in die Welt gebannt,Selbst ein Rätsel mir,In dem schalen Unbestand, Ach, was soll ich hier? - Leiden, armes Menschenkind,Jede Erdennot,Ringen, armes Menschenkind, Ringen um den Tod. Marie von...
23.11.2011
Gedicht des Tages
Rainer Maria Rilke - Der König
Rainer Maria Rilke - Der König Der König ist sechzehn Jahre alt.Sechzehn Jahre und schon der Staat.Er schaut, wie aus einem Hinterhalt,vorbei an den Greisen vom Rat in den Saal hinein und irgendwohinund fühlt vielleicht nur dies:an dem schmalen langen harten Kinndie kalte Kette vom Vlies. Das Todesurteil vor ihm bleibtlang ohne Namenszug.Und...
21.11.2011
Gedicht des Tages
Herbstabend im Gebirge Im stillen Bergtal hat es frisch geregnet.Die Abendluft ist herbstlich kühl und rein.Der lichte Mond scheint durch die Kiefernzweige.Der klare Quell fließt über das Gestein. Der Bambus raschelt unter Mädchentritten.Der Lotos schwankt von einem Fischerkahn.Im Augenblick ist Frühlingsduft zu Ende.Nun fängt für dich...
20.11.2011
Gedicht des Tages
Schweigen über Lasterfreuden in den großen Städten
... Schweigen will ich von Lokalen, Wo der Böse nächtlich praßt, Wo im Kreis der Liberalen Man den Heilgen Vater haßt. –Schweigen will ich von Konzerten, Wo der Kenner hoch entzückt Mit dem seelenvoll-verklärten Opernglase um sich blickt;Wo mit weichem Wogebusen Man schön warm beisammen sitzt, Wo der hehre Chor der Musen, Wo Apollo...
19.11.2011
GEDICHT DES TAGES
Zauberspruch für die Reise ins Weite
Meister Lü Dsu sprach: Yü Tsing hat einen Zauberspruch für die Reise ins Weite hinterlassen: "Vier Worte kristallisieren den Geist im Raum der Kraft. Im sechsten Monat sieht man plötzlich weißen Schnee fliegen. Zur dritten Wache sieht man die Sonnenscheibe blendend strahlen. Im Wasser bläst der Wind des Sanften. Am Himmel wandelnd ißt...
17.11.2011
Gedicht des Tages
O trübe diese Tage nicht O trübe diese Tage nicht,Sie sind der letzte Sonnenschein,Wie lange, und es lischt das LichtUnd unser Winter bricht herein. Dies ist die Zeit, wo jeder TagViel Tage gilt in seinem Wert,Weil man's nicht mehr erhoffen mag,Dass so die Stunde wiederkehrt. Die Flut des Lebens ist dahin,Es ebbt in seinem Stolz und Reiz,Und...
14.11.2011
Gedicht des Tages
An die Zeit Flieh neidsche Zeit, bis du dein Ziel erreichet,Beschleunige der Stunden schweren Gang,Des Eile nur dem Schritt des Senkbleis gleichet,Es sättige dich was dein Rachen schlang,Das Eitle, Falsche, denn nur das wird dein,Nur Erdentand und Staub;So wenig ist dein Raub,Und der Verlust so klein.Wirst endlich alles Böse du...
13.11.2011
GEDICHT DES TAGES
Die Selbstkritik hat viel für sich Die Selbstkritik hat viel für sich.Gesetzt den Fall, ich tadle mich:So hab ich erstens den Gewinn,Daß ich so hübsch bescheiden bin;Zum zweiten denken sich die Leut,Der Mann ist lauter Redlichkeit;Auch schnapp ich drittens diesen BissenVorweg den andern Kritiküssen;Und viertens hoff ich außerdemAuf...
13.11.2011
Gedicht des Tages
Um Mitternacht Gelassen stieg die Nacht ans Land,Lehnt träumend an der Berge Wand,Ihr Auge sieht die goldne Waage nunDer Zeit in gleichen Schalen stille ruhn;Und kecker rauschen die Quellen hervor,Sie singen der Mutter, der Nacht, ins OhrVom Tage,Vom heute gewesenen Tage. Das uralt alte Schlummerlied,Sie achtet's nicht, sie ist es müd;Ihr...
11.11.2011
Gedicht des Tages
Der Knabe im Moor Oh schaurig ist's übers Moor zu gehn,Wenn es wimmelt vom Heiderauche,Sich wie Phantome die Dünste drehnUnd die Ranke häkelt am Strauche,Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,Wenn aus der Spalte es zischt und singt,O schaurig ist‘s übers Moor zu gehn,Wenn das Röhricht knistert im Hauche! Fest hält die Fibel das...
09.11.2011
Gedicht des Tages
Besen, Besen, seid's gewesen ...
Der Zauberlehrling Hat der alte HexenmeisterSich doch einmal wegbegeben!Und nun sollen seine GeisterAuch nach meinem Willen leben.Seine Wort und WerkeMerkt ich und den Brauch,Und mit GeistesstärkeTu ich Wunder auch.Walle! Walle!Manche Strecke,Daß, zum Zwecke,Wasser fließeUnd mit reichem, vollem SchwalleZu dem Bade sich ergieße.Und nun komm,...
08.11.2011
Gedicht des Tages
Der volle Sack Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,Der ihn zur Mühle tragen wollte,Um auszuruhn mal hingestelltDicht an ein reifes Ährenfeld, -Legt sich in würdevolle FaltenUnd fängt ′ne Rede an zu halten. Ich, sprach er, bin der volle Sack.Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.Ich bin′s, der Euch auf dieser WeltIn Einigkeit zusammenhält.Ich...
06.11.2011
Gedicht des Tages
Das Geben und Nehmen: Der römische Brunnen
Verschiedene Fassungen des Gedichtes "Römischer Brunnen" zeigen die innige Verbindung von Conrad Ferdinand Meyer zu der inneren Symbolik dieses Brunnens. Das Geben und Nehmen, die Ruhe und das Strömen, sind in allen fünf Fassungen deutlich und erleben in den 22 Jahren bis zur letztlichen Fassung Wachstum und Reife, die das Herz weitet...
06.11.2011
Gedicht des Tages
Herbstbild Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah! Die Luft ist still, als atmete man kaum, Und dennoch fallen raschelnd, fern und nah, Die schönsten Früchte ab von jedem Baum. O stört sie nicht, die Feier der Natur! Dies ist die Lese, die sie selber hält, Denn heute löst sich von den Zweigen nur, Was vor dem milden Strahl der...
05.11.2011
Gedicht des Tages
Nis Randers Krachen und Heulen und berstende Nacht, Dunkel und Flammen in rasender Jagd – Ein Schrei durch die Brandung! Und brennt der Himmel, so sieht man's gut. Ein Wrack auf der Sandbank! Noch wiegt es die Flut; Gleich holt sich's der Abgrund. Nis Randers lugt – und ohne Hast Spricht er: "Da hängt noch ein Mann im Mast; Wir müssen ihn...
04.11.2011
GEDICHT DES TAGES
Himmel in uns "So blau, du lieber Himmel, müsstest du den Sommer über sein!" sagten die Hortensien und - machten es ihm...
19.07.2009
Gedicht des Tages
Und nichts zu suchen, das war mein Sinn
GefundenIch ging im WaldeSo für mich hin,Und nichts zu suchen,Das war mein Sinn.Im Schatten sah ichEin Blümchen stehn,Wie Sterne leuchtend,Wie Äuglein schön.Ich wollt es brechen,Da sagt es fein:Soll ich zum WelkenGebrochen sein?Ich grub's mit allenDen Würzlein aus,Zum Garten trug ich'sAm hübschen Haus.Und pflanzt es wiederAm stillen Ort;Nun...
04.05.2006
GEDICHT DES TAGES
Wer Schmetterlinge lachen hört
Liedtext der Rockgruppe Novalis in Reminiszenz an Friedrich Freiherr von Hardenberg alias Novalis, (1772-1801) als Interpretation seines Gedichts "Es färbte sich die Wiese grün" Wer Schmetterlinge lachen hört,der weiß, wie Wolken schmecken,der wird im Mondscheinungestört von Furcht,die Nacht entdecken. Der wird zur Pflanze, wenn er will,zum...
25.03.2006
Gedicht des Tages
Was haben wir gemein mit der Rosenknospe, welche zittert, weil ihr ein Tropfen Tau auf dem Leibe liegt? aus: Friedrich Nietzsche, Die Reden...
24.03.2006