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(AP Photo/Matthias Rietschel)
(AP Photo/Matthias Rietschel)

Großeinsatz der Polizei

Prozess um Mord an Ägypterin im Gerichtssaal beginnt in Dresden

von Lars Rischke, Sonntag, 25. Oktober 2009 17:23

Dresden – Unter ungewöhnlich starken Sicherheitsvorkehrungen beginnt am (morgigen) Montagvormittag vor dem Landgericht Dresden der Prozess um die tödliche Messerattacke auf die Ägypterin Marwa El-Sherbini. Der 29-jährige Russlanddeutsche Alex W. ist wegen Mordes angeklagt. Er hatte am 1. Juli als Angeklagter im Dresdner Gerichtssaal mit einem Küchenmesser über 30 Mal auf die Zeugin und deren Mann eingestochen. Das Motiv sieht die Staatsanwaltschaft in einem „ausgeprägter Hass auf Nichteuropäer und Moslems“. Das Verbrechen löste heftige Proteste in der islamischen Welt aus.

Alex W. musste sich im Juli wegen Beleidigung der Ägypterin verantworten. Er hatte die 31-Jährige Mitte 2008 auf einem Spielplatz als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ beleidigt. Die Muslimin erstattete Anzeige. Das Dresdner Amtsgericht verurteilte ihn im November 2008 zu einer Geldstrafe von knapp 800 Euro.

In dem Berufungsprozess vor dem Landgericht sagte die Ägypterin als Zeugin aus. Beim Verlassen des Gerichtssaals stach der Angeklagte ohne jede Vorwarnung mindestens 16 Mal auf sie ein; sie starb am Tatort. Auch auf ihren Ehemann, der ihr zu Hilfe kam, stach er laut Anklage 16 Mal ein und verletzte ihn lebensgefährlich. Das Opfer war im dritten Monat schwanger und hatte einen dreijährigen Sohn, der sich zur Tatzeit mit im Gerichtssaal befand.

Die Anklage wirft Alex W. Mord, versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung vor. Der 29-Jährige schwieg nach seiner Festnahme. Er stammt aus dem russischen Perm, wo er eine Lehre als Lagerarbeiter absolvierte. 2003 kam er nach Deutschland; er hat die deutsche Staatsbürgerschaft. In Dresden lebte der arbeitslose Mann zuletzt von staatlicher Unterstützung.

Die Staatsanwaltschaft sieht derzeit mit Verweis auf das vorläufige psychiatrische Gutachten keine Hinweise für eine Schuldunfähigkeit des Angeklagten. In Medienberichten hieß es dagegen, der Beschuldigte sei 1999 in Russland wohl wegen einer psychischen Erkrankung vom Wehrdienst befreit worden und womöglich schuldunfähig.

200 Polizisten bewachen das Gericht

Aus Sorge vor Attacken bereiten sich Polizei und Justiz auf einen Großeinsatz vor. Sicherheitskräfte gehen von einer „recht hohen Gefährdung“ insbesondere des Angeklagten aus. Nicht auszuschließen seien Racheakte von Islamisten, hieß es. Laut „Spiegel“ tauchte im Sommer eine einstündige akustische Drohbotschaft eines Scheichs im Internet auf, in der er Muslimen nahelegt, den Mörder zu töten.

An den Sitzungstagen sollen jeweils rund 200 Polizisten das Gerichtsgebäude sichern. In den Verhandlungssaal wurde eine 2,50 Meter hohe Sicherheitsglasscheibe zwischen den Plätzen der Prozessbeteiligten und denen der Zuschauer eingebaut.

Auch international ist das Interesse an dem Prozess groß. So reiste der Präsident der ägyptischen Anwaltsvereinigung, Hamdi Ahmed Chalifa, am Sonntag nach Deutschland, um den Prozess zu beobachten und den Anwälten der Opferfamilie Beistand zu leisten.

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer (CDU), hat Kontakt mit dem ägyptischen Botschafter Elsayed Ramzy Ezzeldin Ramzy aufgenommen, wie die „Mitteldeutsche Zeitung“ (Montagausgabe) berichtet. Beide wollten mäßigend einwirken, hieß es. Böhmer betonte: „Die schreckliche Tat hat mich entsetzt und betroffen gemacht. Sie hat unfassbares Leid über den Ehemann von Marwa El-Sherbini und den kleinen Sohn gebracht.“ Die CDU-Politikerin hält Kontakt zu den Angehörigen der Toten und will diese auch weiter begleiten.

Für den Prozess sind elf Verhandlungstage angesetzt. Dabei sollen rund 30 Zeugen vernommen werden. Das Urteil wird nach bisherigen Plänen am 11. November gesprochen. (AP)

Der arabische Text auf dem Banner lautet: "Warum wurde sie getötet?" Der mutmaßliche Mörder der schwangeren Marwa El-Sherbini muss sich am (morgigen) Montag, 26. Oktober 2009 vor dem dortigen Schwurgericht verantworten.
Der arabische Text auf dem Banner lautet: "Warum wurde sie getötet?" Der mutmaßliche Mörder der schwangeren Marwa El-Sherbini muss sich am (morgigen) Montag, 26. Oktober 2009 vor dem dortigen Schwurgericht verantworten.
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