Refugium. Englischer Pavillon im Park von Schloß Pillnitz.
Refugium. Englischer Pavillon im Park von Schloß Pillnitz.
Foto: Cekora / Pixelio

Kolumne: Ropers neue Welt der Etymosophie

REFUGIUM – Ort der Inneren Harmonie

von Roland R. Ropers / Gastautor, Montag, 11. Februar 2013 07:00

 

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Die Etymosophie-Kolumne von Roland R. Ropers erscheint wöchentlich exklusiv in der EPOCH TIMES Deutschland.

Das lat. Wort „refugium“ bedeutet wörtlich „Rückflucht“, das heißt genau genommen die Flucht zu sich selbst. In den östlichen Weisheitslehren findet man oft das Gelübde: „I take refuge in the Buddha“: Damit ist gemeint, dass man zu seiner ursprünglichen Wesensnatur findet und zurückkehrt.

Wer nach Portugal reist und dort nach einem „stillen Örtchen“ sucht, muss sich in eine „retrete“ (engl: „retreat“; wörtlich: Rückzug) begeben. Der Begriff Toilette leitet sich vom französischen toile, toilette ab, dem Tuch bzw. kleinem Tuch, mit dem man sich für seine Notdurft von der Umgebung abschirmte. Tatsächlich ist es nötig, sich in der Stille immer wieder dessen zu entledigen, was man - in diesem Fall der Körper - nicht braucht. Andere Bezeichnungen für diesen (kleinen) Raum sind der Lokus (von lat.: locus necessitatis = Ort der Notdurft), die Latrine, das Privet (franz. = vertraulich/privat), die Retirade (lat.-ital.-franz. = Ort des Rückzugs), oder stilles Örtchen. In China wird der Toilettenraum gerne „Halle der Inneren Harmonie“ genannt. Hinweisschilder an Toiletten tragen oft die Aufschrift „00“ oder „0“. Das ergab sich, weil in Hotels im 19. Jahrhundert diese Räume in einer Etage, und zwar üblicherweise in der Nähe des Aufzugs oder des Treppenhauses lagen. Da dort ebenfalls die Nummerierung der Zimmer begann, trugen die Toilettenräume die Zimmernummer 0 bzw. 00.

Es wird so viel vom Höheren Selbst (engl.: higher self) gesprochen, aber nirgendwo wird der Ursprung dieses Wortes reflektiert. Selbst (lat.: ipse) hat mit Identität, mit Wesenseinheit zu tun.

Erkenne Dich selbst!“ (griech.: gnothi seautón), die berühmte Inschrift des Apollotempels in Delphi, beinhaltet die Aufforderung, das Unsterbliche im eigenen Wesen zu erkunden.

Von Jesus Christus sagt man, er sei eines Wesens mit dem Vater, d.h. identisch (lat.: idem) mit dem Urgrund, der Urquelle, dem Ursprung alles Seins.

Nach hinduistischem Verständnis ist Atman das wirkliche, unsterbliche Selbst des Menschen, der unbeteiligte Zuschauer jenseits von Körper und Denken und als absolutes Bewusstsein identisch mit Brahman. Von Geburt an bleiben wir stets dieselben, aber niemals die Gleichen. Das Gleiche (lat.: aequalitas) ist nicht dasselbe (lat.: idem) (schwierige deutsche Grammatik!). In der englischen Sprache verwenden wir für beide Begriffe das Wort „same“.

Äußere Dinge mögen sich verändern und sichtbar werden, der Wesenskern, das Selbst bleibt davon unberührt.

Selbst-Verwirklichung (engl.: self-realization) hat nichts mit einem Ego-Trip zu tun, sondern bedeutet das Aufspüren des innewohnenden Geistes, den Atem Gottes aus dem innersten Wesensgrund.

Die Trennung von dieser ewigen Lebensquelle liegt in unserer Ich-Verhaftung begründet. Der Engländer betont das Ich ganz besonders, weil er das „I“ stets mit einem Großbuchstaben schreibt. Wir brauchen kein Ich-Vertrauen, sondern Selbst-Vertrauen. Das Ich steht dem Urgrund und letztlich auch der Inspiration im Wege. Es geht stets um den Ruf des Kosmos, mit der in uns befindlichen Ur-Quelle, dem Ur-Grund in Kontakt zu kommen, um uns von der Trennung vom stets verfügbaren Paradies zu befreien.

Zu mir selbst kommen heißt, zu mir nach Hause kommen. Dort, wo ich bin, ist mein Zuhause, mein Refugium, meine Zuflucht. Es geht nicht um Herkunft oder Zukunft, sondern um ständige Ankunft. Damit wachsen das Selbst-Bewusstsein und die Selbst-Sicherheit.

Im 23. Kapitel des „Tao Te King“ von Lao Tse lesen wir:

„Nicht viele Worte machen, heißt natürlich sein.
Ein Wirbelsturm dauert nicht den ganzen Morgen
und ein Regenschauer nicht den ganzen Tag.
Wer macht sie?
Himmel und Erde.
Wenn schon Himmel und Erde nichts auf Dauer machen,
wieviel weniger vermag es dann der Mensch?
Deshalb folgt man dem Weg.
Wer tugendhaft ist, wird eins mit der Tugend.
Wer sie verliert, wird eins mit dem Verlust.
Wenn du eins bist mit dem Weg,
wirst du vom Weg mit Freuden aufgenommen.
Wenn du eins bist mit der Tugend,
wirst du von der Tugend mit Freuden aufgenommen.
Wenn du eins bist mit dem Verlust,
wirst du vom Verlust mit Freuden aufgenommen,
Wer nicht genug Vertrauen hat,
dem wird man auch nicht vertrauen."

Roland R. Ropers
Roland R. Ropers
Foto: The Epoch Times

Der Religionsphilosoph Roland R. Ropers ist Autor und Herausgeber etlicher Bücher:

Was unsere Welt im Innersten zusammenhält: Hans-Peter Dürr im Gespräch mit bedeutenden Vordenkern, Philosophen und Wissenschaftlern von Roland R. Ropers und Thomas Arzt; 2012 im Scorpio Verlag

Eine Welt - Eine Menschheit - Eine Religion von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Gott, Mensch und Welt. Die Drei-Einheit der Wirklichkeit von Raimon Panikkar und Roland R. Ropers

Die Hochzeit von Ost und West: Hoffnung für die Menschheit von Bede Griffiths und Roland R. Ropers

Geburtsstunde des neuen Menschen. Hugo Makibi Enomiya-Lassalle zum 100. Geburtstag von Roland R. Ropers

 

 



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