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Foto: © AP 2012 Eckehard Schulz/AP/DAPD

"Rundschau"-Redakteuren geht die Hoffnung aus

Epoch Times, Dienstag, 13. November 2012 22:31

Frankfurt/Main – Im Newsroom der "Frankfurter Rundschau" sitzen am Dienstagnachmittag nur zwei Redakteure vor den rund 50 Computern. Am Morgen hat die Geschäftsführung der renommierten Zeitung beim Amtsgericht einen Insolvenzantrag gestellt, für 15.00 Uhr wurde die Belegschaft zu einer Betriebsversammlung eingeladen.

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Seit Jahren kriselt es bei der "FR", aber so ernst war es noch nie. "Ich gebe uns noch drei Monate", sagt ein Redakteur auf dem Weg zur Mitarbeiterversammlung.

Zurückgehende Anzeigenaufträge und die ständig schrumpfenden Auflagezahlen bereiten der Rundschau seit längerem größte Schwierigkeiten. Selbst die bei dem linksliberalen Blatt ungeliebte Landesregierung unter Ministerpräsident Roland Koch (CDU) musste 2003 für einen Bankkredit der Zeitung bürgen. Heute entsteht der überregionale Mantel der "FR" hauptsächlich in Berlin, in einer Redaktionsgemeinschaft mit der "Berliner Zeitung". Beide Blätter gehören mehrheitlich zur Kölner Verlagsgruppe M. DuMont Schauberg.

"Die wollen nicht mehr"

Andreas Arnold hat seine Kameraausrüstung abgelegt und eilt ins Rundschau-Gebäude am Frankfurter Südbahnhof. "Glücklicherweise habe ich noch andere Auftraggeber", sagt der 46-jährige freie Fotograf auf dem Weg zur Betriebsversammlung. "Aber ohne die 'FR' müsste ich auf rund 3.000 Euro monatlich verzichten." Er mache die ständigen Krisen jetzt seit zehn Jahren mit. "Die haben in der Vergangenheit reihenweise festangestellte Redakteure und Fotografen entlassen, das waren Kahlschläge", sagt Arnold.

Aber die "FR" schrieb weiter rote Zahlen. "Die Hiobsbotschaften kommen immer pünktlich zur Weihnachtszeit", berichtet ein Redakteur im Newsroom. Der Reporter ist seit fast 20 Jahren bei der Zeitung. "Wir haben jetzt keine Hoffnung mehr. Null Optimismus", sagt er. Eine Stunde später haben sich für den Redakteur die Aussichten nicht verbessert. Bei der Betriebsversammlung habe Geschäftsführer Karlheinz Kroke wenig mitzuteilen gehabt. "Die Besitzer wollen einfach keine Miesen mehr machen, hieß es", sagt der 45-Jährige.

Keine jungen Käufer am Kiosk

Zu den Besitzern der "FR" gehören neben dem DuMont-Verlag - mit deutlich kleineren Anteilen - eine Medienholding der SPD und die Karl-Gerold-Stiftung. "Die wollen uns loswerden", urteilen einige Redakteure nach ihrem Treffen mit Kroke. Das Verlagshaus mit knapp 500 Mitarbeitern werde bestenfalls zerschlagen, immerhin arbeite die Druckerei in Neu-Isenburg im Süden Frankfurts profitabel, mutmaßen die Kollegen. "Vor einem Jahr habe ich eine angebotene sechsstellige Abfindung ausgeschlagen", sagt der 45-jährige Redakteur. "Das war wohl ein Fehler."

Am Kiosk gegenüber des Rundschau-Gebäudes wundert sich der Besitzer nicht über die aktuelle Entwicklung. "Unter 30-Jährige legen mir hier praktisch nie Geld für eine Zeitung auf die Theke", sagt der 44-Jährige. Junge Käufer einer Tageszeitung oder eines politischen Wochenmagazins seien an seinem Kiosk "die große Ausnahme". "Der Nachwuchs", sagt der Mann, "informiert sich nur noch im Internet."

dapd



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