Die Weide ist für Rinder auch ein guter Ort zum Sterben.
Die Weide ist für Rinder auch ein guter Ort zum Sterben.
Foto: siepmannH / Pixelio

Statt Schlachthof Kopfschuss

Schöner sterben für Rinder

Epoch Times, Mittwoch, 6. Februar 2013 15:04

Wenn es Zeit ist zu sterben, dann bitte frei von Schmerzen und Angst. Zartfühlende Menschen wünschen nicht nur sich selbst ein schnelles und stressfreies Ende, sondern auch den Tieren, die auf unseren Tellern landen. Rinder zum Beispiel. Rund 3,7 Millionen Rinder werden in Deutschland jährlich geschlachtet, der ganz überwiegende Teil der Tiere stirbt in Schlachthöfen

Im Schlachthof sind alle Rinder gleich

Selbst wenn die Rinder artgerecht von einem Biobauern aufgezogen wurden und nach unserer Meinung vor ihrem Tod ein glückliches Leben hatten, ist das Sterben der meisten auch dieser Rinder ein Gang durch die Hölle: Stress und Angst beim Transport in den Schlachthof und beim Anstehen für den Bolzenschuss, der sie betäuben soll. Wie das, was Rinder im Schlachthof hören, sehen und riechen müssen, auf die Rinder wirkt, mag man sich nicht vorstellen. Zudem wird geschätzt, dass in manchen Betrieben um die fünf Prozent der Rinder vom Bolzenschuss nur unzureichend betäubt werden.

Dr. Stefanie Retz.
Dr. Stefanie Retz.
Foto: Uni Kassel

Wäre es nicht besser, die auf der Weide glücklich lebenden Rinder auch auf der Weide glücklich sterben zu lassen? - Schnell, sowie frei Angst und Schmerzen durch eine Kugel in den Kopf?

Kopfschuss unter den Augen der Wissenschaft

„Nach unseren bisherigen Erkenntnissen ist diese Methode für die Rinder schmerzfrei", berichtet Dr. Stefanie Retz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Agrartechnik der Universität. Agrarwissenschaftlerinnen an der Universität Kassel untersuchen die so genannte Kugelschuss-Methode, bei der das Rind auf der Weide durch Kopfschuss getötet wird. „Wir wollen mit unseren Untersuchungen dazu beitragen, Kriterien aufzustellen, nach denen die Kugelschuss-Methode angewandt werden sollte, und dadurch eine Basis für eine einheitliche Genehmigungspraxis schaffen", sagt Retz. Stefanie Retz und ihre Kollegin Katrin Schiffer arbeiten für ihre Untersuchungen mit einem Tierarzt und einem Bio-Hof in Schleswig-Holstein zusammen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) fördert das im April 2012 gestartete Projekt mit rund 250.000 Euro.

In gewohnter Umgebung sterben

Bei der untersuchten Methode bleiben die Weide-Rinder in gewohnter Umgebung. Der speziell geschulte Schütze verwendet ein Jagdgewehr. Das getötete Tier wird noch auf dem Hof entblutet und dann abtransportiert. Sofort nach dem Schuss werden die Vitalfunktionen des Rindes geprüft. „Wir haben bisher stets festgestellt, dass das Rind sofort betäubt war und unmittelbar nach dem Schuss gestorben ist", sagt Stefanie Retz.

Den Weg zur gängigen Alternative bereiten

Die Kugelschuss-Methode ist unter bestimmten Bedingungen bereits erlaubt. Bisher würden jedoch eine einheitliche Genehmigungspraxis und wissenschaftliche Daten fehlen. Die Kugelschuss-Methode werde die Tötung im Schlachthof nie in vollem Umfang ersetzen, meint Stefanie Retz. „Wir wollen aber die Akzeptanz vor allem unter Bio-Landwirten und den für die Überwachung zuständigen Behörden erhöhen. Vielen Bio-Landwirten ist es ein Anliegen, dass ihre Tiere einen würdevollen Tod finden. Zudem bekommen sie so ein zusätzliches Vermarktungsargument." Letztlich wollten die Wissenschaftlerinnen eine Art Führerschein für die Landwirte ausarbeiten: „Wie müssen sie geschult werden, was müssen sie dafür wissen und können? Das wollen wir klären", sagt Stefanie Retz.

Ohne Angst schmeckt besser

Ein zweites Forschungsergebnis soll der Einfluss der Methode auf die Fleischqualität sein. Bei Stress, wie er im Schlachthof besonders bei Weide-Rindern aufkommt, stößt der Körper bestimmte Stoffe aus. Diese führen zu einer Übersäuerung der Muskeln, verhindern die Reifung des Fleisches und vermindern seine Qualität. „Unsere Hypothese ist, dass sich die Qualität durch die Kugelschuss-Methode verbessert", sagt Stefanie Retz. „Hier haben unsere Untersuchungen aber gerade erst begonnen." (sol/idw)

 

 

 



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