Sondermodelle sind eine sichere Methode Preisvergleich zu verhindern.
Sondermodelle sind eine sichere Methode Preisvergleich zu verhindern.
Foto: Wolfgang Pfensig/Pixelio

Drivate? Derivativgeräte?

Sondermodelle Kampf gegen die Preisvergleiche

Epoch Times, Samstag, 2. Februar 2013 15:44

In den letzten Jahrzehnten haben sich nicht nur Handel und Marketing weiter entwickelt, auch der Verbraucher ist kritischer geworden. Mündige Verbraucher nutzen längst alle sich bietenden Informations- und Vergleichsmöglichkeiten. Konnte der Händler früher mit markigen Sprüchen und geschickter Verkaufspsychologie Kunden zum Kauf verleiten, sind es heute vor allem die Preise die entscheiden. Eine Mentalität übrigens, die Händler und Marketingfachleute mit "Geiz ist Geil" Kampagnen zusätzlich gefördert haben.

Das Gesetz des Bumerangs

Inzwischen kommt die "Geiz ist Geil" Mentalität als Bumerang zu den Händlern zurück. Immer mehr Verbraucher nutzen die Möglichkeiten, die das Web 2.0 mit seinen Informations- und Vergleichsmöglichkeiten bietet, um den günstigsten Preis eines bestimmten Produkts zu ermitteln wie beispielsweise das Preisvergleichsportal Preistrend.de. Werden die Händler mit dem Ergebnis eines solchen Preisvergleichs konfrontiert, sind sie in der Regel bereit, dem Kunden entgegenzukommen. Dass die Händler mit dieser Entwicklung alles andere als glücklich sind, liegt natürlich auf der Hand. Zumindest die großen Handelsketten haben jetzt im Bereich der Unterhaltungselektronik einen lukrativen Ausweg gefunden.

Mit Sondermodellen gegen den Preisvergleich

Marken-Hersteller, die für die Behauptung oder Ausweitung von Marktanteilen ja so einiges zu tun bereit sind, haben sich inzwischen mit den großen Handelsketten verbrüdert. Damit der Kunde nicht mehr mit einem Preisvergleich daherkommen kann, produzieren die Hersteller sogenannte "Sondermodelle", die mit händlerspezifischen Modellbezeichnungen ausgeliefert werden. Faktisch handelt es sich bei diesen "Sondermodellen" jedoch meist um optisch leicht veränderte Serienmodelle. Da diese "Sondermodelle" nur von jeweils einer Handelskette vertrieben werden, laufen Preisrecherchen im Internet meist ins Leere. In der Regel fehlen dem Verbraucher die notwendigen Fachkenntnisse, um ein Sondermodells einem bestimmten Serienmodell zuordnen zu können, so dass auch ein indirekter Vergleich schwierig ist.

Eine Schelm, der Böses denkt.

Den Vorwurf, dass mit solchen "Sondermodellen" Preisvergleiche erschwert oder gar unmöglich gemacht werden sollen, weisen die Hersteller vehement von sich. Schließlich gäbe es durchaus objektive Gründe die branchenintern auch als Derivativgerät bezeichneten "Sondermodelle" einer bestimmten Handelskette zur Verfügung zu stellen. Beispielsweise als eine Art Belohnung für das Erreichen bestimmter Umsatzzahlen. Und auch die Handelsketten sehen in den "Sondermodellen" lediglich ein Mittel, das eigene Angebot unverwechselbar zu machen. Den Begriff "Derivativgerät" verwenden übrigens Händler und Hersteller ausschließlich intern. Vielleicht weil "Derivat" nicht unbedingt nach Extras klingt, sondern eher an gierige Investmentbanker und die Finanzkrise erinnert?

Der MDR nennt Namen.

Der Mitteldeutsche Rundfunk hat sich das Geschäft mit den Derivativgeräten etwas genauer angesehen und Erstaunliches zutage gefördert: Bei der Elektrohandelskette Medimax wird unter der Bezeichnung "KDL-46 HX 757" ein Fernseher aus dem Hause Sony vertrieben. Zum Zeitpunkt der Recherche lag der Preis bei rund 1.400 Euro. Nach Auskunft von Sony wird das Gerät speziell für Medimax hergestellt. Entsprechend ergebnislos verlaufen Preisrecherchen in den einschlägigen Preisvergleichsportalen. Tatsächlich hat direkte Vergleich durch die Fachleute beim MDR ergeben, dass es sich bei dem Medimax-Gerät um das Serienmodell "KDL-46 HX 755" handelt, dass lediglich optisch leicht verändert wurde. Preisvergleichsportale wie etwa Preistrend.de ermittelten für das Serienmodell den günstigsten Preis bei 1.000 Euro. In der Tat: Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! (sfr/sq)





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