Der neue Vorstandschef des Baukonzerns Hochtief AG, der Spanier Marcelino Fernández Verdes
Der neue Vorstandschef des Baukonzerns Hochtief AG, der Spanier Marcelino Fernández Verdes
Foto: dapd/Tim Schulz

Spanier steht an der Spitze von Deutschlands größtem Baukonzern

Epoch Times, Dienstag, 20. November 2012 18:34

Essen – Der spanische Mehrheitsaktionär ACS verschafft sich mehr Einfluss bei Deutschlands größtem Baukonzern Hochtief. Der Aufsichtsrat des Essener Traditionsunternehmens berief am Dienstag den Spanier Marcelino Fernández Verdes zum neuen Chef des Baukonzerns. Verdes gilt als enger Vertrauter von ACS-Chef Florentino Pérez. Der Manager kündigte an, sein vorrangiges Ziel für die kommenden Jahre sei es, die Profitabilität von Hochtief zu erhöhen.

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Gleichzeitig versuchte Hochtief, Ängste vor einer drohenden Zerschlagung des Konzerns zu zerstreuen. Zwar werde der Vorstand innerhalb der nächsten drei bis vier Monate die Strategie für das gesamte Unternehmen und seine Sparten überarbeiten. Doch stehe bereits jetzt fest, "dass eine Zerschlagung oder Filetierung von Hochtief kein Element der Strategie ist und sein wird", erklärte das Unternehmen.

Auch ACS beteuerte, die Veränderungen in der Hochtief-Führung hätten keinen Einfluss auf die Art der Zusammenarbeit mit dem Essener Tochterunternehmen. Der spanische Baukonzern hatte sich vor eineinhalb Jahren durch eine feindliche Übernahme die Mehrheit an Hochtief gesichert. Durch die Übernahme wollte sich das Unternehmen weniger abhängig vom krisengeschüttelten spanischen Markt machen.

Doch hat der Essener Konzern bisher die Renditeerwartungen der Spanier enttäuscht. Die Hochtief-Aktien sind heute deutlich weniger Wert als beim Einstieg von ACS. Dies schmerzt die Spanier umso mehr, da sie ohnehin auf einem Schuldenberg von mehr als neun Milliarden Euro sitzen.

Hochtief-Aktie im Plus

Schon die Ankündigung des Führungswechsels hatte deshalb alte Befürchtungen wiederbelebt, ACS könne versuchen, durch einen Verkauf der weitgehend unabhängig geführten Hochtief-Töchter Leighton in Australien oder Turner in den USA die eigene Schuldenlast deutlich zu senken.

Diese Befürchtungen wurden allerdings auch durch die Beteuerungen der Hochtief-Spitze nicht völlig ausgeräumt. Der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler, bewertete die Versicherungen der Konzernspitze im dapd-Gespräch unverhohlen als "Beruhigungspille", die nicht zuletzt für die Arbeitnehmer bestimmt sei.

Man dürfe derartige Äußerungen nicht überbewerten. Schließlich seien sie vor Gericht nicht einklagbar, sagte der Aktionärsschützer. Es stelle sich die Frage, warum der große Führungswechsel bei Hochtief nötig sei, wenn alles weitergehen solle wie bisher.

Verdes löst den erst seit eineinhalb Jahren amtierenden Hochtief-Chef Frank Stieler ab, der mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktrat. Auch Aufsichtsratschef Manfred Wennemer wird sein Amt zum Jahresende "aus persönlichen Gründen" niederlegen und aus dem Aufsichtsrat ausscheiden, wie der Konzern mitteilte. Als Nachfolger wurde Thomas Eichelmann bestellt. Der 47-jährige gehört dem Aufsichtsrat seit Mai 2011 an und war früher unter anderem als Finanzvorstand der Deutschen Börse tätig.

An der Börse gewann die Hochtief-Aktie am Dienstag mehr als zwei Prozent an Wert.

dapd



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Unternehmen, Hochtief
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