Augsburgs Torwart Simon Jentzsch am 10. Spieltag, FC Augsburg - SV Werder Bremen. Das Spiel endete 1:1.
Augsburgs Torwart Simon Jentzsch am 10. Spieltag, FC Augsburg - SV Werder Bremen. Das Spiel endete 1:1.
Foto: Lukas Barth/dapd

Optimist

Sportliche Talfahrt des FC Augsburg für Präsident Seinsch "nicht dramatisch"

von Hanna Schmalenbach, Dienstag, 22. November 2011 15:45

Augsburg – Ingrid Seinsch hat wieder Ruhe in der Küche. "Als ich zu Hause war, habe ich ihr vorgeschrieben, was in den Kochtopf muss. Der FC Augsburg hat meine Ehe gerettet", sagt Präsident Walther Seinsch mit Blick auf seine Anfänge beim Bundesliga-Neuling und lacht. Damals war die ganze Familie froh um die neue Aufgabe, die den 70-Jährigen heute, elf Jahre später, wieder voll erfüllt. Die Depressionen, die Seinsch zwischenzeitlich lähmten, hat er überwunden – und mit dem kriselnden FC Augsburg hat er jetzt viel zu tun.

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"Es waren eigene Versäumnisse des Hauses, dass es jetzt so aussieht, wie es aussieht", sagt Seinsch ganz direkt. Die Transferpolitik war "zu zögerlich", für die Verantwortlichen des Bundesliga-Schlusslicht wird die Winterpause daher die wichtigste Phase der Saison. Seinsch, Manager Andreas Rettig und Trainer Jos Luhukay müssen handeln: "Wir brauchen zwei, drei gute Spieler, vor allem im offensiven Mittelfeld", sagt Seinsch. Nur dann kann es noch klappen mit dem Klassenerhalt.

"Ich war schon vor der Saison absoluter Realist"

Für Seinsch ist der FCA inzwischen eine Herzensangelegenheit. "Augsburg ist meine zweite Heimat", sagt er, immerhin ist er in seinem Leben 17 Mal umgezogen. Nach seiner Auszeit hat der ehemalige Unternehmer aus der Eifel auch wieder einen Wohnsitz im bayerischen Schwaben, ist in der ersten Bundesliga-Saison voll involviert ins operative Geschäft des Klubs. Überrascht von der sportlichen Talfahrt ist Seinsch daher nicht. "Ich war vor der Saison absoluter Realist. Ein paar Pünktchen mehr wären aber trotzdem schön", sagt er.

Genau acht Punkte sind es bis jetzt. Ein Sieg steht für die Mannschaft von Luhukay zu Buche, dazu fünf Unentschieden. Das vom Verletzungspech geplagte Team kämpft gegen jeden Gegner bis zur letzten Sekunde – dass es selten Punkte gibt, stört Seinsch deshalb überhaupt nicht. "Ich kann jedes Spiel genießen, wo wir das Beste aus uns heraus holen. Dann bin ich zu 100 Prozent zufrieden", sagt er wohlwollend. Vor der Winterpause stehen noch Spiele gegen Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach an: "Ich fürchte, dass der Abstand zum Rest der Liga sich bis zur Winterpause noch vergrößert". Aber um sich zu ärgern, sei die Zeit in der Bundesliga zu schön.

Luhukay bleibt bis 2013

Harmonie soll bis zum Saisonende der Schlüssel der Schwaben bleiben, und genau deshalb hat auch Luhukay trotz zuletzt drei Niederlagen in Serie nichts zu befürchten. "Den lassen wir nicht gehen. Er kann bis zum Sommer alles verlieren. An ihm gibt es nichts zu rütteln", betont Seinsch. Klappt es in diesem Jahr nicht im Oberhaus, heißt es "neuer Versuch", da ist Seinsch realistisch. Augsburg befindet sich erst am Anfang der Phase, in der es in fünf Jahren zu den besten 12 Fußball-Klubs Deutschlands gehören will. "Kilometerweit entfernt sind wir davon nicht", sagt Seinsch.

Von Luhukay erwartet Seinsch trotz der miserablen Ausbeute, "dass er so weiter macht wie bisher. Er leidet wie ein Tier, aber er ist ein toller Trainer", sagt er. Als Chance für eine Neuausrichtung sieht Seinsch auch, dass zu Saisonende rund 20 Spielerverträge auslaufen. "Das ist positiv, und ich bin zuversichtlich, dass wir die Spieler, die wir haben wollen, halten können", sagt er.

Die Zukunft des FCA ist bisher ungewiss – zumindest bei zwei Sachen ist Seinsch sich aber jetzt schon sicher: "Der BVB wird deutscher Meister und Augsburg spielt den schönsten Fußball", sagt er, und fügt leise hinzu: "Gut Ding will Weil haben."

(dapd)



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