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Staatsoper Unter den Linden in Berlin wird deutlich teurer
Staatsoper Unter den Linden in Berlin wird deutlich teurer
Foto: dapd/Paul Zinken

Staatsoper Unter den Linden in Berlin wird deutlich teurer

Epoch Times, Dienstag, 11. Dezember 2012 16:54

Berlin – Die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden in Berlin wird deutlich teurer. Inklusive einer neuen Risikovorsorge sollen sich die Gesamtkosten auf 287,9 Millionen Euro belaufen, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Dienstag in Berlin. Ursprünglich waren 242 Millionen Euro geplant.

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Als Preistreiber erwiesen sich baubedingte Mehrkosten, erklärte Lüscher. Vor allem die Abdichtungen gegen Grundwasser am Altbau hätten sich als enorm schwierig erwiesen. Die existierenden Betonfundamente seien in einem schlechteren Zustand als erwartet, was auch für den Bauzustand des Bühnenturms gelte. Im Mauerwerk des Hauses seien immer wieder marode Stellen entdeckt worden.

Einige der in alten Plänen eingezeichneten Mauern hätten gar nicht existiert. Mehrkosten fielen auch für eine "Anpassung und Nachrüstung" der Ausstattung an. "Das Haus hat eine 250-jährige Geschichte von Zerstörungen und Wiederaufbauten hinter sich. Seit der letzten Inbetriebnahme 1955 gab es keine Sanierung mehr", warb Lüscher um Verständnis.

Ursprünglich sollte das Stammgebäude am 3. Oktober 2013 wieder eröffnet werden. Unter anderem wegen eines problematischen Baugrunds musste der Termin bereits zweimal auf nunmehr 2015 verschoben werden. Bis dahin residiert die Staatsoper im ehemaligen Schillertheater. Dazu führte Lüscher aus: "Wir streben den 3. Oktober 2015 weiter an. Die Terminsituation ist aber kritisch."

Mehrkosten seit Sommer bekannt

Erste Informationen über Verteuerungen hatte die Bauverwaltung des Senats laut Lüscher im Sommer vom damaligen Projektsteuerer erhalten. Die Prognosen seien allerdings davon ausgegangen, dass die Mehrkosten aus eingeplanten Rücklagen beglichen werden können. Das sei aber eine "Fehleinschätzung der Situation gewesen", sagte Lüscher. Die Verwaltung hatte sich auch deshalb von dem Projektsteuerer getrennt.

Auch ab 2015 werden Extrakosten erwartet. Dazu zählen jährlich eine Million Euro mehr für zusätzliche Betriebskosten durch neue Technik. Wegen dann wieder einsetzender Tarifsteigerungen sollen die Personalkosten ab diesem Zeitpunkt um mehrere Millionen Euro ansteigen.

Die bisherigen Sanierungskosten von 242,3 Millionen Euro schlüsselten sich laut Bauverwaltung in 140,4 Millionen Euro für den Bau, 83,8 Millionen Euro für die Betriebsverbesserung im Opernbetrieb und 45,6 Millionen Euro für das neu geschaffene Probenzentrum. Weitere Kosten fallen für einen unterirdischen Tunnel an. Die aktuelle Aufschlüsselung soll am Mittwoch im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses dargelegt werden.

Saniert werden neben dem alten Opernhaus seit 2010 auch das benachbarte Magazingebäude mit Probenbühnenzentrum und das ebenfalls daneben liegende Intendantenhaus. Neu ist der unterirdische Tunnel zwischen Oper und Magazin. Für ihn sind bislang 16,4 Millionen Euro verbaut, sagte Lüscher.

Die Gesamtkosten für diese Maßnahmen an der Oper waren bereits Mitte der 2000er Jahre mit mehr als 250 Millionen Euro kalkuliert worden (277 Millionen Euro). Über zahlreiche Änderungen, unter anderem beim unterirdischen Tunnel, wurden 242 Millionen Euro erreicht.

Mehrkosten muss Land tragen

Bislang war geplant, dass davon der Bund 200 Millionen Euro übernimmt, den Rest muss das Land tragen. Drei Millionen Euro für die Restaurierung des Apollosaals kommen von einem Förderverein der Oper. Nach bisherigem Stand bleiben die Zusatzkosten am Land hängen.

Kritik kam am Dienstag von den Grünen. Kulturexpertin Sabine Bangert sagte an die Adresse des rot-schwarzen Senats: "Das Projekt war von Anfang an nicht seriös durchgeplant." Es sei immer klar gewesen, dass der Baugrund schwierig sei. Doch statt die Sanierung funktional zu betreiben, müsse es in Berlin stets "schöner, größer und besser" werden. Sie schlug vor, die Bauplanung für das Untergeschoss noch einmal zu überdenken.

dapd



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