Unterdessen wurde bekannt, dass es sich bei der Tat nicht um ein Sexualdelikt handelt. Das habe die Obduktion ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner.
Unterdessen wurde bekannt, dass es sich bei der Tat nicht um ein Sexualdelikt handelt. Das habe die Obduktion ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner.
Foto: Stefan Simonsen/dapd Photo

Kein Sexualdelikt

Tatverdächtiger im Doppelmordfall Bodenfelde gefasst

von Ekkehard Beisker und Julia Spurzem, Dienstag, 23. November 2010 13:27

Northeim – Nach dem Doppelmord von Bodenfelde in Niedersachsen hat die Polizei einen Tatverdächtigen gefasst. Die Ermittler hätten "jemanden im Fokus", sagte Polizeisprecher Uwe Falkenhain am Dienstag in Northeim. Derzeit laufe die Vernehmung auf der Polizeiwache in Northeim. "Die Ereignisse überschlagen sich, wir arbeiten mit Hochdruck", sagte Falkenhain. Unterdessen wurde bekannt, dass es sich bei der Tat nicht um ein Sexualdelikt handelt.

Das habe die Obduktion ergeben, sagte Oberstaatsanwalt Hans Hugo Heimgärtner am Dienstag auf dapd-Anfrage. Indizien hatten zunächst auf ein Sexualdelikt hingedeutet. Unter anderem waren die Leichen der Jugendlichen nicht vollständig bekleidet gewesen.

Mit der Bekanntgabe von Teilen des Obduktionsergebnisses wolle er die möglicherweise besorgte Bevölkerung beruhigen. "Für viele war es einfach beunruhigend davon auszugehen, dass dort ein Sexualstraftäter durchs Dorf rennt", sagte der Oberstaatsanwalt. Weitere Ergebnisse der Obduktion sollten aber zunächst nicht bekannt gemacht werden, da es sich um Täterwissen handle.

Zwtl.: Alibi wird überprüft

Unterdessen bestätigte die Polizei, dass der Tatverdächtige am Bahnhof in Bodenfelde gefasst worden sei. Weitere Angaben zu seiner Person machte Falkenhain aber nicht. Medien hatten berichtet, dass der Tatverdächtige sich an der Hand verletzt haben soll. Auch darüber, dass er Insasse einer Drogentherapieeinrichtung in der Nähe von Bodenfelde war, wird spekuliert.

Laut Falkenhain geht es bei der Vernehmung des Tatverdächtigen derzeit vor allem um die Überprüfung des Alibis. Es müssten be- und entlastende Momente mit Blick auf den Tatverdächtigen gefunden werden, sagte Polizeisprecher Falkenhain. "Es könnte auch sein, dass wir dann ein Alibi finden und die Person wieder laufen lassen müssen." Der Polizeisprecher dementierte, dass noch am Dienstag neue Erkenntnisse bekannt gegeben werden sollten. "Heute werden wir vor allem mit den Ermittlungen beschäftigt sein", sagte er. Diese würden sich noch bis in die Abendstunden hinziehen. Der Tatverdächtige müsste dann auch noch dem Haftrichter vorgeführt werden, sollten sich die Hinweise auf eine Täterschaft verdichten.

Zwtl.: Staatsanwaltschaft will erst am Mittwoch weitere Einzelheiten nennen

Die Staatsanwaltschaft erklärte am Dienstag lediglich, dass es neue Tatsachen in dem Fall gebe, denen man nachgehe. Die neuen Ergebnisse sollen auf einer Pressekonferenz am Mittwoch um 11.00 Uhr bekannt gegeben werden. Alles andere würde die Ermittlungsergebnisse gefährden, sagte Heimgärtner.

Die Leichen der beiden Jugendlichen waren am Sonntag in einem Waldstück in Bodenfelde gefunden worden. Am Dienstagabend sollte eine Trauerfeier für Nina und Tobias in dem Ort stattfinden.

Spekulationen über Verbindung zum Fall Mirco

Unterdessen gibt es Spekulationen über eine mögliche Verbindung zum Fall des vermissten Mirco aus dem nordrhein-westfälischen Grefrath. Die Polizei hatte am Montag berichtet, dass Zeugen einen dunklen Pkw in der Nähe des Fundorts der Leichen in Bodenfelde beobachtet hatten. Im Fall Mirco gehen die Ermittler einer Spur zu einem dunklen VW Passat nach. Ein Sprecher der Polizei in Mönchengladbach bestätigte am Dienstag auf dapd-Anfrage, dass die Ermittler im Fall Mirco im Kontakt mit der Mordkommission in Northeim stehen. Zu möglichen Zusammenhängen zwischen beiden Fällen wollte er sich aber nicht äußern

dapd/jsp/ko (dapd)



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