(AP Photo/Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Toni Yli-Suvanto, HO)
(AP Photo/Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Toni Yli-Suvanto, HO)

Tempel auf Sockel mit Kolonnaden

von Holger Mehlig, Mittwoch, 27. Juni 2007 16:03

Berlin – Das Geheimnis ist gelüftet: Das Eingangsgebäude auf der Museumsinsel in Berlin wird wie ein Tempel auf einem hohen Sockel anmuten. Es wird ein moderner Bau aus Glas und Beton sein, der aber klassische Elemente wie die für die Insel charakteristischen Kolonnaden aufnimmt. Am Mittwoch präsentierte der britische Stararchitekt David Chipperfield seinen mit Spannung erwarteten Entwurf für die so genannte James-Simon-Galerie, die ab 2012 Informationen und Orientierung für die Besucher bieten soll.

Dass die Museumsinsel dringend ein zentrales Empfangsgebäude benötigt, ist angesichts des erwarteten Andrangs klar. Spätestens ab 2015, wenn der so genannte Masterplan umgesetzt ist und alle fünf Museen auf der zum Weltkulturerbe zählenden Insel restauriert sind, sollen jedes Jahr vier Millionen Besucher kommen. Ihnen muss ein Überblick gegeben werden, was wo präsentiert wird. Vom zentralen Empfangsgebäude mit der großen, weithin sichtbaren Freitreppe Richtung Lustgarten aus sollen sie zu vier der fünf Museen kommen können – über die so genannte archäologische Promenade.

Das über 4.600 Quadratmeter große Eingangsgebäude soll auch Wechselausstellungen Platz bieten. Hier soll es Vorträge geben und ein Medienzentrum entstehen. Geplant ist aber auch, dass ganz profane Gelüste befriedigt werden können. Momentan noch ist die Museumsinsel, was die Gastronomie betrifft, eher eine Wüste. In dem neuen Haus sollen Cafés und Restaurants entstehen – und die Besucher sollen in Geschäften Bücher und Souvenirs kaufen können. Zudem gibt es hier Toiletten und Garderoben.

Das neue Haus verdankt seinen Namen einem großen Mäzen: James Simon war ein Förderer der Berliner Museen. Mit dem Bau würden die historischen Gebäude der Museumsinsel vor Verschleiß geschützt, erklärt der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann.

Die Politik scheint das ähnlich zu sehen. Bereits vor rund acht Monaten gab die Bundesregierung für das neue Eingangsgebäude, das ab 2009 gebaut werden soll, vorzeitig 73 Millionen Euro frei.

Die Gegner der Galerie

Trotzdem gibt es seit Jahren erbitterte Gegner des Neubaus. Bereits 2001 hatte Chipperfield einen ersten Entwurf präsentiert. Hier würde eine moderne Ruine aus Glas und Stahl entstehen, die den seit 1999 geltenden Status der Museumsinsel als UNESCO-Weltkulturerbe gefährde, protestierte eine Bürgerinitiative mit Günther Jauch an der Spitze und versuchte das Vorhaben zu stoppen.

Dass Chipperfield seinen alten Entwurf überarbeitete, lag allerdings weniger an diesen Kritikern. Vielmehr waren dafür veränderte Vorgaben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verantwortlich, die unter anderem ein kleineres Gebäude „zur verbesserten organischen Eingliederung in das architektonische Umfeld“ verlangte.

Lehmann jedenfalls ist überzeugt, dass das neue Gebäude nun auch Denkmalschützern gefallen muss. Sowohl Berliner Landesdenkmalamt als auch Landesdenkmalrat und der Internationale Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) – zuständig für die Berichterstattung an die UNESCO – hätten positive Zustimmung signalisiert. Darüber hinaus sei das Welterbe-Zentrum in Paris informiert worden. Wie und ob dieses Gremium bereits reagiert hat, sagte Lehmann freilich nicht.

Dass es schwer, wenn nicht unmöglich ist, es bei der Gestaltung der Museumsinsel allen Besuchern, Kunstliebhabern und Flaneuren recht zu machen, weiß Lehmann. Aber diejenigen, die das brach liegende Gelände zwischen Pergamonmuseum und Neuem Museum – das bis 2009 ebenfalls von Chipperfield restauriert wird – unbebaut lassen wollten, handelten ahistorisch. Schließlich habe an dieser Stelle das Packhofgebäude von Schinkel gestanden, das 1939 abgerissen worden sei, argumentiert Lehmann.

Diejenigen schließlich, die einen historisierenden Bau forderten, zerstörten die Philosophie der Insel. „Hier hat jeder Architekt zu seiner Zeit seine Spuren hinterlassen – vom Wilhelminismus bis zu den kräftigen Bauten der 30er Jahre“, sagte Lehmann. Und das neue Gebäude füge sich nun perfekt ein. „Es ist eine Vollendung der Museumsinsel und hat seine eigene Sprache gefunden.“ Chipperfield sei ein spektakulärer Entwurf gelungen, weil er die Stülersche Vision eines arkadischen Museumsensembles in zeitgemäßer Form fortentwickelt und den Zauber einer Tempelstadt der Künste zur Vollendung gebracht habe.

Der so gepriesene Chipperfield war ebenfalls glücklich. Das neue Gebäude sei multifunktional. „Der Neubau ist ein Schaufenster für die gesamte Museumsinsel.“ Es sei der Ort, an dem die Insel sich selbst präsentiere, sagte der 54-Jährige. Und selbstbewusst hatte er bereits vor Veröffentlichung des Entwurfs getönt: Kritik an dem Entwurf werde es nicht geben, das verspreche er.

Auf der Museumsinsel sind neben Pergamonmuseum und Neuem Museum (Eröffnung: 2009) noch das im letzten Jahr wiedereröffnete Bode Museum, das Alte Museum (Baubeginn 2012) und die Alte Nationalgalerie (2001 wiedereröffnet) beheimatet.

http://www.davidchipperfield.com/

http://www.museumsinsel-berlin.de/ (AP)



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