Tiefe Einblicke ins menschliche Gehirn

Epoch Times, Mittwoch, 21. Februar 2007 15:22

München – Tiefe Einblicke ins menschliche Gehirn: Erstmals haben Wissenschaftler allein aus der Hirnaktivität die Absichten für Handlungen bereits vor deren Ausführung entschlüsselt. Noch ehe die Versuchspersonen in den Experimenten Zahlen zu sehen bekamen und zu rechnen begannen, konnte das Forscherteam aus Deutschland, England und Japan mit 70-prozentiger Genauigkeit die Absichten aus der Aktivität des so genannten präfrontalen Kortex erkennen, wie John-Dylan Haynes vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften berichtet

Die Probanden durften zwischen zwei möglichen Entscheidungen frei wählen. Sie sollten sich vornehmen, bei einer Rechenaufgabe zwei Zahlen entweder zu addieren oder zu subtrahieren. Dabei trafen sie ihre Wahl verdeckt und wussten zunächst nicht, welche zwei Zahlen sie addieren oder subtrahieren sollten. Andere neuronale Aktivitäten fanden laut Haynes während der Messungen nicht statt. Erst einige Sekunden später erschienen die Zahlen auf dem Bildschirm und die Probanden konnten die gewählte Rechenaufgabe ausführen.

„Die Experimente zeigen, dass Intentionen nicht in einzelnen Nervenzellen gespeichert werden, sondern in einem räumlich verteilten Muster neuronaler Aktivität“, betont Haynes. Darüber hinaus zeigten sich regionale Unterschiede in der genauen Funktion des präfrontalen Kortex. Weiter vorne gelegene Bereiche codierten die Absicht bis zur Ausführung, weiter hinten gelegene Bereiche seien aktiv geworden, sobald die Probanden zu rechnen begannen. Handlungen, die in einem Bereich des Gehirns als Absicht gespeichert würden, müssten also in einen anderen Bereich des Gehirns kopiert werden, um ausgeführt zu werden, erklärt der Wissenschaftler.

Das Forscherteam nutzte den Angaben zufolge die Magnetresonanz-Tomographie und hoch entwickelte Analysemethoden. Anders als bei herkömmlichen Methoden kombinierte es die Messungen aus verschiedenen Gehirnbereichen, um die Absichten ihrer Versuchspersonen zu entschlüsseln.

Die Ergebnisse lassen laut Haynes auf eine Verbesserung klinischer und technischer Anwendungen hoffen. Schon heute gebe es erste Ansätze, mit computergestützten Prothesen schwerstgelähmten Patienten das Leben zu erleichtern. Sie konzentrierten sich darauf, Bewegungen zu entschlüsseln, die das Gehirn des Patienten plane, der Patient aber nicht mehr ausführen könne. Allein durch die Kraft ihrer Gedanken könnten Patienten so künstliche Gliedmaßen oder einen Computercursor auf dem Bildschirm bewegen. Die neuen Forschungen eröffneten nun die Perspektive, künftig auch abstraktere Absichten der Patienten mit einzubeziehen.

(AP)



Schlagworte

Gehirn, Gesundheit
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