Traditionelle Fasnacht in Villingen

von Elke Backert, Sonntag, 27. Januar 2013 12:12

Villingen - Am Abend des Fastnacht-Samstag ist was los. In den Wirtshäusern rücken alle zusammen, auf dass jeder noch ein Plätzchen erwischt. Eine Musikgruppe nach der anderen kommt herein, trommelt, flötet, trompetet und posaunt, was das Zeug hält. Guggenmusik heißt die echt schräge Musik, die in Basel ihren Ursprung hat. Sie stimmt den Zuhörer ein auf den ersten Umzug am „Sunntig", wenn um 14 Uhr farbenprächtige Fußgruppen von Maskenträgern mit Namen Hansel, Hölzlekönig, Schantle, Moosmulle, Mooshex, überhaupt vornehmlich Hexen aller Couleur, Musikkapellen und Wagen durch die Nachbarstadt Schwenningen toben. Da laufen Rettiche in Menschengestalt, die Spättlehansel tragen Kostüme aus Stoffresten, die Salzhansel welche aus aneinander genähten Säckchen, die zu jener Zeit mit Salz gefüllt waren, als man in Bad Dürrheim noch das „weiße Gold" gewann. Aus Elzach sind die „Schuttig" mit von der Partie. Nur die Narros von Villingen sind nicht dabei. Sie verlassen nie ihre Stadt. Wenn aber am Sonntag Abend der Oberbürgermeister von Villingen den Schlüssel an die Narrenzunft übergeben und die Glonki-Gilde am Bickentor die Fasnet gesucht und gefunden hat, dann...

... ja, dann begrüßen sich die Villinger mit „glückselige Fasnet". Geweckt werden sie am nächsten Morgen ab sechs Uhr durch die Katzenmusik, laut und schräg wie die Guggenmusik. Jeder will auf den Beinen sein, wenn die Vermummten der Narrenzunft von Villingen beim historischen Umzug den am Straßenrand stehenden Zuschauern ihr „Narri" zurufen. „Narro" schallt es aus allen Kehlen zurück. So geht das am Fasnetsmendig, dem Rosenmontag, von Punkt neun Uhr an zwei Stunden lang. Rund 2500 Hästräger, das sind die Kostümierten, ziehen durch die mittelalterliche Stadt. Allen voran Narro. Eine aus Lindenholz geschnitzte Glattmaske, in Villingen Scheme (gesprochen mit Doppel-M) genannt, mit süffisant-eitlem Lächeln, Schönheitspflästerchen und einem Haarkranz aus Rosshaar, Relikt einer Allongeperücke, verfremdet den Menschen darunter, zumal kein Stückchen Haut zu sehen ist. Ein überdimensionaler plissierter weißer Leinenkragen, Masche (= Schleife), Foulard (= Tuch), beides aus reiner Seide, pelziger Fuchsschwanz, an der Kappe befestigt, Narro-Säbel und Narro-Rollen ergänzen das Häs. Die Rollen, jeweils elf Schellen aus Bronze an einem Ledergurt um den Oberkörper, wiegen 30 bis 50 Pfund. Durch Hüpfen bringt Narro sie zum Klingen. Und alles hat seine Bedeutung.

 

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