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Dieses undatierte Foto der U.S. Air Force zeigt die X-37B Spacecraft.
Dieses undatierte Foto der U.S. Air Force zeigt die X-37B Spacecraft.
Foto: AP Photo/U.S. Air Force

Flug ins Weltall

US-Luftwaffe testet geheimen Prototyp eines Raumgleiters

von John Antczak, Montag, 5. April 2010 15:03

Los Angeles (apn) Der Testflug eines unbemannten Raumgleiters der US-Luftwaffe lädt derzeit zu Spekulationen ein. Fast alles an dem Projekt ist geheim. Militärexperten und Technikfans auf der ganzen Welt würden zu gern wissen, was die amerikanischen Streitkräfte mit dem Prototyp namens X-37B vorhaben. Ohne genauere Angaben zu machen, gaben die Entwickler einen ersten Flug des Raumschiffs bekannt, es soll am 19. April starten.

Über X-37B ist wenig mehr bekannt als Größe und Gewicht. Das Raumschiff wiegt rund fünf Tonnen. Es ist knapp neun Meter lang, rund drei Meter hoch und hat eine Spannweite von weniger als 4,50 Metern. Damit ist der unbemannte Flugkörper deutlich kleiner als ein Kampfjet. Auf dem von der Air Force verbreiteten Foto sieht es etwa so aus wie die Miniaturversion eines Spaceshuttles.

Hergestellt wird der mysteriöse Militärflieger von Phantom Works, einer Tochter des US-Flugzeugbauers Boeing, die sich Hochtechnologie für militärische Zwecke spezialisiert hat. X-37B soll wie ein Satellit mit einer Trägerrakete in den Weltraum geschossen werden und nach dem Einsatz wie ein Spaceshuttle landen.

Entwicklung dauert mehr als zehn Jahre

Die Bedeutung des neuen Fluggeräts für die US-Streitkräfte ist schwer einzuschätzen, auch weil die Entwicklung sich über ein Jahrzehnt hinzog und ursprünglich in der Verantwortung der NASA lag. Im Jahr 1999 begann die US-Raumfahrtbehörde die Entwicklung des experimentellen Raumgleiters X-37 (damals noch ohne B) gemeinsam mit Boeing. Die Kosten wurden geteilt. Die Luftwaffe war nur mit einem kleinen Anteil dabei.

X-37 war zunächst eine größere Version des X-40A, mit dem die Luftwaffe kleinere Militärsatelliten ins Weltall bringen wollte. Über die Testphase kam X-40A jedoch nie hinaus. Im Jahr 2002 bekam Boeing dann einen Auftrag über 301 Millionen Dollar (223 Millionen Euro), um bis 2006 eine Version des X-37 zu bauen, die für den Raumflug tauglich sein sollte.

Im Jahr 2004 gab die NASA das Projekt an eine Entwicklungsabteilung des Verteidigungsministeriums ab. 2006 startete X-37 zu einem Testflug. Dazu wurde es von dem Trägerflugzeug White Knight in die Luft gebracht. Mit dem selben Flieger also, mit dem auch der erste private Raumgleiter SpaceShipOne auf 15 Kilometer Höhe transportiert worden war, von wo er zu seinem Raumflug aufbrach.

Kurz nach dem ersten Test übernahm die US-Luftwaffe das Projekt und ließ den X-37B entwickeln. Das Projekt ist seitdem in einer Abteilung angesiedelt, die für die schnelle Entwicklung von Kampfunterstützungs- und Waffensystemen zuständig ist. 2008 hieß es, der Raumgleiter sei für verschiedene, nicht näher bezeichnete Versuche im Weltraum vorgesehen.

Eine Luftwaffensprecherin kündigte zwar an, außer einigen technischen Daten, dem Starttermin und dem Landeort würden bald mehr Informationen veröffentlicht. Doch von da an schwieg die Luftwaffe auch auf Nachfrage. Die genauen Kosten und vor allen der Zweck des Raumgleiters sind also weiter ein Rätsel.

Kofferraumgröße eines Sportwagens

Während sich ein Spaceshuttle mit einem Lastwagen vergleichen lässt, der viel Nutzlast ins All befördern kann, ähnelt der X-37B eher einem Sportwagen, dessen Kofferraumkapazität beschränkt ist. Was genau der Nutzen einer so geringen Traglast sein kann, ist unklar. Peter Wilson von der Denkfabrik Rand Corp. in Washington bezweifelt, dass das System einen großen Nutzen für kleine Militärsatelliten hätte. „Es ist rätselhaft, ob der Testflug eher der Anfang oder das Ende eines Entwicklungsprogramms ist.“

Die Luftwaffe spricht davon, eine breit angelegte Entwicklung fortzusetzen. X-37B kann bis zu 270 Tage im Weltraum bleiben, auf einem Luftwaffenstützpunkt nordwestlich von Los Angeles soll der Prototyp nach dem Testflug irgendwann landen. Alle weiteren Informationen sind – natürlich – geheim. (AP)

 

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Schlagworte

Testflug, Raumfahrt, Luftwaffe, USA
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