szmtag
Vettel-Fans verfolgen das Rennen
Vettel-Fans verfolgen das Rennen
Foto: dapd/Thomas Lohnes

Vettel vom letzten Platz zum Titelgewinn

Epoch Times, Sonntag, 25. November 2012 21:20

Sao Paulo/Düsseldorf – Erst der Schock, dann ein Hitchcock-Krimi mit Happy End: Sebastian Vettel hat nach einer schier unglaublichen Aufholjagd vom letzten Platz beim Regen-Roulette von Sao Paulo zum dritten Mal in Folge die Formel-1-Weltmeisterschaft gewonnen. Dem 25-Jährigen reichte beim Sieg des Briten Jenson Button im chaotischen Saisonfinale ein sechster Platz zum Titel-Hattrick. Das hatten in der 62-jährigen WM-Geschichte bislang nur der legendäre Juan Manuel Fangio und Rekordweltmeister Michael Schumacher geschafft, der in seinem Abschiedsrennen als Siebter seine letzten WM-Punkte sammelte.

Anzeige

"Mir fällt echt ein Stein vom Herzen. Wir haben von Anfang an daran geglaubt. Ich habe nie aufgegeben, auch wenn ich mit dem Auto heute mal verkehrt rum gestanden habe", sagte Vettel und herzte Freundin Hannah. Dann schickte Vettel noch einen Gruß in die Heimat, denn ganz Heppenheim war im Vettel-Fieber. Der entschuldigte sich noch für die Spannung: "Es tut mir leid, wenn der eine oder andere von der Couch gefallen ist."

Kuss von Freundin Hannah, Umarmung von Ecclestone

Sogar Formel-1-Boss Bernie Ecclestone ließ es sich nicht nehmen und kam persönlich in die Red-Bull-Garage, um Vettel zu gratulieren und in den Arm zu nehmen. Auch ihm selbst sei zwischendurch der Atem weggeblieben, sagte Vettel: "Ich wusste nicht, ob es am Ende reicht. Mehr Steine hätte man uns nicht in den Weg legen können." Doch Vettels Kämpferherz gab mal wieder den Ausschlag: "Wir haben es immer weiter versucht, wie das ganze Jahr. Wir sind unseren Weg gegangen und haben uns nicht beirren lassen."

Vettels großer WM-Rivale Fernando Alonso, der sich zwischenzeitlich für einige Minuten als Weltmeister fühlen durfte, belegte nach 71 aufregenden Runden den zweiten Platz. Das war letztlich zu wenig, um Vettel die WM-Krone noch zu entreißen. Nach 20 Rennen und einer Reise um die ganze Welt fehlten dem Spanier am Ende drei Punkte zu seinem dritten Titelgewinn nach 2005 und 2006.

"Ich bin sehr stolz darauf, was wir geleistet haben. Wir haben den Titel nicht hier und heute verloren", sagte Alonso und schickte gleich eine Kampfansage an Vettel hinterher: "Ich versuche es nächstes Jahr wieder, da greifen wir wieder an."

Schumacher dreht emotionale Ehrenrunde

Michael Schumacher blieb im letzten Rennen seiner Formel-1-Karriere ein Erfolgserlebnis verwehrt. Den besten Auftritt hatte er noch vor dem Rennen. Wenige Minuten vor dem Start drehte Schumacher im Mercedes eine emotionale Ehrenrunde im Autodromo von Sao Paulo. Dabei hielt der 43-Jährige im Silberpfeil ein Fahne mit der Aufschrift "Thank you" ("Danke") nach oben.

"Seb ist ein absoluter Nummer-eins-Fahrer. Gratulation, er hat trotz der Rückschläge nie den Kopf hängen lassen", sagte Schumacher und schwärmte von seinem Nachfolger: "Drei Titel in Folge - einfach super. Da bin auch ich ein bisschen stolz darauf."

Schumacher hatte seine einzigartige Karriere 2006 schon einmal auf dem Kurs in Brasilien beendet. Nach drei Jahren Pause war der siebenmalige Weltmeister 2010 noch einmal zurückgekehrt. An die Erfolge aus früheren Tagen konnte er auf seiner Comeback-Tour allerdings nie anknüpfen. Ein dritter Platz beim Rennen in Valencia in diesem Jahr war das beste Ergebnis des mit 91 Grand-Prix-Siegen erfolgreichsten Rennfahrers der Formel-1-Geschichte. "Danke für all die schönen Momente und Zeiten", sagte Schumacher nach seiner emotionalen Abschiedsrunde bei RTL.

Schlechter als Schumacher erging es Teamkollege Nico Rosberg, der nach einem Reifenschaden nicht über Rang 15 hinauskam. Damit war er aber nicht das deutsche Schlusslicht, das war auch in Sao Paulo Timo Glock, der im Marussia auf dem 16. Platz landete. Bester Deutscher war Nico Hülkenberg, der nach zwischenzeitlicher Führung in seinem letzten Rennen für Force India Fünfter wurde.

Das Rennen war gerade erst ein paar Sekunden alt, da gab es auch schon den Schock für Red Bull und alle Vettel-Fans. Der 25-Jährige wurde unverschuldet bei einer Kollision von dem Brasilianer Bruno Senna umgedreht. Vettel musste warten, bis ihn alle Fahrer passiert hatten. Erst dann konnte er als Letzter dem Feld hinterherjagen.

Hülkenberg schmeißt möglichen Sieg weg

Auch ganz vorne hielt ein junger Deutscher die Fans daheim vor den Fernsehgeräten in Atem. Hülkenberg überholte in der 20. Runde den McLaren von Button und übernahm überraschend die Führung. Doch in der 49. Runde leistete sich der Force-India-Pilot, der 2013 für das Sauber-Team fährt, einen folgenschweren Ausrutscher. Das nutzte Hamilton aus und überholte Hülkenberg. Als Hülkenberg danach die Führung zurückerobern wollte, kollidierte er mit Hamilton. Der Brite schied aus, Hülkenberg konnte weiterfahren. Als Unfallversursacher wurde er aber mit einer Durchfahrtsstrafe belegt und fiel zurück. Dadurch war Button plötzlich neuer Spitzenreiter und brachte den Sieg hinter dem Safety Car sicher ins Ziel.

dapd



Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige