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Ein Bayer und eine Italienerin mit Liebe zu Berlin: Ludwig Maximilian Stoffel und Giovanna Stefanel-Stoffel auf der Terasse ihrer gemeinsamen Firma Stofanel vor dem Brandenburger Tor.
Ein Bayer und eine Italienerin mit Liebe zu Berlin: Ludwig Maximilian Stoffel und Giovanna Stefanel-Stoffel auf der Terasse ihrer gemeinsamen Firma Stofanel vor dem Brandenburger Tor.
Foto: Stofanel Investment AG

Stoffel und Stefanel gibt Stofanel

Wenn sich Yin und Yang perfekt ergänzen

von Florian Godovits, Sonntag, 5. Dezember 2010 11:00

Manchmal, ja, manchmal ist das Ganze noch mehr als die Summe der einzelnen Teile. Bei Ludwig Maximilian Stoffel und seiner Ehefrau Giovanna Stefanel-Stoffel hat man dieses Gefühl. Er als bayerischer Immobilienentwickler der Mann der Wirtschaft, sie als Tochter des bekannten Begründers des italienischen Modehauses Stefanel die Kreative. Beide für sich höchst erfolgreiche und interessante Menschen, die nicht nur ihr Privatleben gemeinsam verbringen, sondern auch im Beruf Tür an Tür in ihrer Firma Stofanel zusammenarbeiten. Eine perfekte Ergänzung von Yin und Yang. Wir sprachen mit den beiden Asienfans, die in Nepal 30 Kinder adoptiert haben, darüber, was Schönheit für sie bedeutet, über ihr aktuelles Villenprojekt Tilia Living Resort am Griebnitzsee in Berlin und wie man es schafft, trotz hohem Arbeitspensum ruhig und gelassen zu bleiben.

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Epoch Times: Sie beide arbeiten als Ehepaar auch beruflich eng zusammen. Wie klappt das? Viele könnten sich das nicht vorstellen.

Ludwig Maximilian Stoffel: Ein Freund von mir, der bereits 20 Jahre mit seiner Frau verheiratet ist, wurde einmal gefragt: Was reizt dich eigentlich an deiner Frau? Er antwortete: Jedes Wort (lacht). Wir haben unser Büro Tür an Tür, uns wird nie langweilig.

Epoch Times: Was ist für Sie eigentlich Schönheit?

Giovanna Stefanel-Stoffel: Ich denke, Schönheit kann man nicht von Wohlgefühl trennen. Schönheit hat für mich nicht nur mit Ästhetik zu tun, sondern auch viel mit Empfindungen. Und mit Zufriedenheit. Kein Mensch, der nicht zufrieden ist, kann wirklich schön sein. Obwohl eine hundertprozentige Zufriedenheit vielleicht sogar langweilig wäre. Aber eine gewisse Basis sollte schon vorhanden sein.

Herr Stoffel: Schönheit kann unglaublich viele Dinge bedeuten. Etwa, ich sitze einfach nur da und tue gar nichts. Es gibt das Genießen und es gibt das Tun. Schönheit in der Architektur ist genau das, wie es meine Frau ausgedrückt hat: Wo man sich wohl fühlt. Schönheit ist nicht zu trennen vom Wohlfühlen. Da ist es egal, ob das ein Bild oder ein Schmetterling, ein Buch oder eine schöne Frau ist. Alles kann schön sein. Ich glaube aber, dass etwas für die meisten Menschen dann schön ist, wenn sie sich wohlfühlen. Das können drei Stunden sein, die ich alleine auf der Couch liege. Wenn ich aber den zweiten Tag auch noch einmal auf der Couch liegen müsste, dann wäre das wohl nicht mehr schön.

Epoch Times: Früher wurden Gebäude mit dem Anspruch erschaffen, schön sein zu müssen. Gleichzeitig waren sie nützlich. Ab den 1960er Jahren wurde der Nutzen in den Vordergrund gestellt – heute sind diese Gebäude oft nicht einmal mehr nützlich, geschweige denn schön.

Herr Stoffel: Warum geht man durch Paris oder Venedig und findet das schön? Nicht, weil es sauber ist, oder weil alles wunderbar gepflegt ist – sondern weil es Ihnen Wohlbefinden bringt. Das Auge fühlt sich wohl, wenn Sie hinschauen. Ich habe einmal mitten in einer schönen Landschaft gewohnt. Schräg gegenüber hat jemand einen weißen Wohnwagen aufgestellt.

Ich habe versucht, meine Pflanzen so zu setzen, dass man diesen Wohnwagen nicht sieht, aber das ist mir nicht ganz gelungen. Der Wohnwagen für sich mag für manche vielleicht schön gewesen sein, aber er war mit der Umgebung nicht harmonisch. Um aber Schönheit und Wohlbefinden zu erschaffen, müssen Sie ein hohes Maß an Harmonie erzeugen.

Gemeinsame Stärke: Nicht nur privat teilen die beiden ihr Leben, sondern auch in ihrer Arbeit.
Gemeinsame Stärke: Nicht nur privat teilen die beiden ihr Leben, sondern auch in ihrer Arbeit.
Foto: Stofanel Investment AG

Epoch Times: Wie ist Ihre Herangehensweise bei Ihrem aktuellen Villenprojekt Tilia am Griebnitzsee in Berlin?

Herr Stoffel: Auch bei Tilia stellt sich die Frage: Warum macht man so ein Projekt überhaupt? Tilia ist eigentlich die Erfüllung eines tiefen Wunsches von mir. Ich würde gerne gut und schön singen oder schöne Skulpturen gestalten können. Ich wäre gerne Künstler, habe diese Talente aber nicht. Aber ich habe das einmalige Glück, dass ich Dinge bauen lassen kann. Ich kann an ausgesuchten Plätzen, die ich für gut empfinde, wie ein Künstler etwas platzieren.

Die Skulptur eines Bildhauers kann man wegtragen. Wenn ich eine Stadt oder einen Ort mitprägen kann, dann ist das ein unglaubliches Glück. Ich besitze aber nicht diese Kreativität, denn ich bin Wirtschaftler. Dieser kreative Part ist die Rolle meiner Frau. Ich kann mir zwar im Kopf etwas zurecht legen, bräuchte aber wiederum jemanden, um es zur künstlerischen Schönheit zu bringen. Da habe ich das Glück, dass das meine Frau macht. Wir ergänzen uns hier perfekt. Ich kann mit ihr ein Schönheitsideal, das ich mit mir herumtrage, durch sie verwirklichen. Sie sagt dem Architekten: So ja, so nein.

Frau Stefanel-Stoffel: Ohne das Raster, das er mir durch seine Ratio gibt, wäre ich im Umkehrschluss auch verloren. Ich brauche das Schema und mache dann das Kleid, das zu diesem Schema passt. Ich halte meinen Mann aber auch für sehr kreativ – er hat vielleicht nur noch nicht so viel Vertrauen darin. Denn er hat mich in die Firma geholt, er hat die Nase dafür und die Intuition und auch einen starken ästhetischen Sinn. Als Deutscher – ich bin ja gebürtige Italienerin – hat man vielleicht nicht so das unbedingte Vertrauen in die eigene Kreativität. Aber ohne diese pragmatische Art geht es auch nicht. Diese Ergänzung ist wirklich stark vorhanden. Ich habe Angst, wenn er nicht dabei ist. Ich brauche ihn an meiner Seite, denn ich weiß, dass man nicht nur kreativ sein kann. Früher gaben mir mein Vater und mein Bruder diese Basis, dieses Fundament. Und dieses Fundament zu geben, ist oft das Schwierigste. Wir haben ein starkes gegenseitiges Vertrauen und können auch Kompromisse schließen.

Herr Stoffel: Der Kompromiss besteht darin, dass wir zwei Stunden diskutieren und uns anschließend auf ihre Meinung einigen (beide lachen).

Epoch Times: Was ist das Besondere an Tilia?

Frau Stefanel-Stoffel: Als ich das Grundstück für das Tilia-Projekt in Berlin zum ersten Mal gesehen habe, war das wie ein Juwel. Wir versuchen dort, eine sehr starke Verbindung zwischen Mensch und Natur zu kreieren. Große Fenster, Baumhäuser, Terrassen, die sorgsam um Bäume herum angelegt werden – diese Elemente sind essenziell für diese Verbindung. Ich denke, die Natur ist das größte Geschenk, das der Mensch bekommen hat.

Epoch Times: Dass dort gebaut wird, ist aber auch ein Eingriff in die Natur.

Herr Stoffel: Wenn gebaut wird, wird in die Natur eingegriffen. Sie können in der Regel kaum ein gutes Stück Land finden, auf dem nicht schon etwas steht. Außer sie finden einen Acker zum Kauf. Bei all unseren Unternehmungen nehmen wir die größte Rücksicht, die überhaupt möglich ist. Es gibt ein Statement vom BUND Naturschutz. Darin bestätigt auch er, dass wir viel mehr tun für den Schutz der Natur als erforderlich gewesen wäre. Sie begleiten das Projekt permanent. Von dem Grundstück, das insgesamt 90.000 Quadratmeter groß ist, sind rund 67.000 Quadratmeter als Naturschutzgebiet ausgewiesen und bleiben somit völlig unangetastet. Auf den restlichen rund 33.000 Quadratmetern wird um jeden erhaltenswerten Baum herumgebaut.

Epoch Times: Welche Rolle spielt die Architektur in diesem Projekt für Sie?

Frau Stefanel-Stoffel: Die Architektur sollte dabei nie zu sehr im Vordergrund stehen. Die Natur ist unsere Perle. Sie sollte auch von der Architektur respektiert werden. In dieser Architektur verwenden wir sehr viel Glas, um die Natur ins Haus zu bringen. Entlang der großen Fenster gibt es auch viele Liege- und Sitzbänke. Unsere Kunden sollen in der Nacht die Sterne anschauen und am Tag den Wechsel der Jahreszeiten beobachten können. Die Natur ist die Nummer eins und die Architektur die Nummer zwei.

Epoch Times: Sie haben nicht nur durch ihre 30 Adoptivkinder in Nepal einen großen Bezug zu Asien. Wie sehr ist Feng Shui für Sie ein Thema?

Gemeinsame Freude an der Natur, am Lachen und am Feiern.
Gemeinsame Freude an der Natur, am Lachen und am Feiern.
Foto: Stofanel Investment AG

Herr Stoffel: Wir haben einen eigenen Feng-Shui-Berater…

Frau Stefanel-Stoffel: Auch privat (lächelt). Ich habe immer daran geglaubt, und mein Mann ist dieser Philosophie auch näher gekommen. Wir lassen jedes Projekt nach Feng Shui überprüfen. Für mich gilt das Gleiche wie im Buch „Der kleine Prinz“: Nur das Herz sieht wirklich gut. Ich möchte, dass jedes unserer Projekte ein Herz hat.

Epoch Times: Sie wirken sehr ruhig und ausgeglichen trotz vieler Arbeit. Wie geht das?

Frau Stefanel-Stoffel: Die viele Arbeit hat auch viel mit Ruhe zu tun. In meiner Arbeit steckt auch viel Soziales und Menschliches. Das ernährt mich auch auf eine gewisse Weise. Und: Ich liebe das Leben. Ich versuche immer, die Augen auf das Schöne zu richten. Wenn es einmal stressig ist – und wir arbeiten wirklich sehr viel –, besinne ich mich darauf. Und ich gebe mein Wissen gerne weiter und freue mich daran, wenn meine Mitarbeiter wachsen, sich entwickeln und Resultate bringen. Daraus kann man auch Kraft und Befriedigung schöpfen.

Arbeit ist für mich auch nicht negativ. Ich arbeite gerne. Arbeit ist schön, vielleicht kostet sie mich deshalb wenig Kraft.

Epoch Times: Wie führen Sie Ihre Mitarbeiter?

Frau Stefanel-Stoffel: Sehr emotional. Ich liebe meine Mitarbeiter. Die menschliche Ebene habe ich immer sehr berücksichtigt. Ich weiß, keiner ist perfekt. Ich bin ja auch nicht perfekt. Ich spüre viel, und Unehrlichkeit kann ich nicht ertragen. Aber wenn jemand zu mir kommt und ehrlich sagt, dass er einen Fehler gemacht hat, dann ist das kein Problem.

Als ich nicht mehr bei unserem Familienunternehmen Stefanel gearbeitet habe, hat man mich gefragt: Fehlt dir das nicht, deine Rolle? Und ich habe geantwortet: Mir fehlen meine Leute. Wenn ich meine Mutter besuchen fahre, dann freue ich mich, wieder die Menschen zu treffen, mit denen ich viele Jahre zusammengearbeitet habe.

Das Interview führte Florian Godovits



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