Rainer Brüderle (FDP)
Rainer Brüderle (FDP)
Foto: dapd/Norman Rembarz

Zeitungskrise erreicht Politik

Epoch Times, Sonntag, 25. November 2012 17:41

Berlin – Die Zeitungskrise hat in der Politik eine Debatte über die Zukunft der Printmedien ausgelöst. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) brach am Wochenende eine Lanze für die gedruckten Produkte und unterstrich ihre Bedeutung. Bundespräsident Joachim Gauck erklärte, die Medienlandschaft stehe vor Veränderungen. FDP-Chef Philipp Rösler forderte die Verlage auf, sich dem veränderten Rezeptionsverhalten der Leser anzupassen. SPD- und Grünen-Politiker reagierten auf die jüngsten Hiobsbotschaften bestürzt.

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Von der Krise sind Hunderte Journalisten betroffen. Erst am Freitag hatte der Verlag Gruner + Jahr das Aus für seine Wirtschaftszeitung "Financial Times Deutschland" bekannt gegeben. Die letzte Ausgabe soll am 7. Dezember erscheinen. Zuvor hatten die "Frankfurter Rundschau" und die Nachrichtenagentur dapd Insolvenzanträge gestellt. Die Nürnberger "Abendzeitung" erschien am 29. September zum letzten Mal und auch die Druckausgabe des Stadtmagazins "Prinz" wird eingestellt.

Merkel hält Printmedien für wichtig

Merkel sagte in ihrem wöchentlichen Video-Podcast: "Ich halte die Printmedien für sehr wichtig. Deshalb wünsche sie sich, dass neben der guten Entwicklung aller neuen Medien "auch die uns allen bekannte Zeitung, die Printmedien, die Zeitschriften, eine gute Zukunft haben". Die neuen technischen Möglichkeiten sollten als Chance gesehen werden. Dennoch sei Zeitunglesen "etwas anderes, als im Internet zu sein", betonte Merkel.

Gauck sagte auf dem Bundespresseball in Berlin, Zeitungen werde es immer geben, man wisse derzeit nur nicht, wie viele. Es stünden Veränderungen in der Medienlandschaft an. Ähnlich äußerte sich Vizekanzler Philipp Rösler: "Die Zeitungslandschaft ändert sich, die Lesegewohnheiten ändern sich. Darauf müssen sich die Verlage einstellen", sagte der FDP-Vorsitzende.

Brüderle strikt gegen Subventionen

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) erklärte, Zeitungen müssten eben innovativ sein. Es würden neue Formen der Kommunikation entstehen, alte fielen weg. Krisen wie die aktuelle gebe es auch in anderen Branchen. Sein Kollege aus dem Verkehrsressort, Peter Ramsauer (CSU), erklärte, es gebe keine Wirtschaftsbranche, die immer gleich bleibe. Seine vier Töchter hätten ein völlig anderes Medienverhalten als er. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle sagte, es sei traurig, wenn es weniger Zeitungen gebe. Er hoffe, dass es bei einem Mix aus verschiedenen Zeitungen bleibe. Subventionen dafür könne es aber nicht geben.

Betroffen von den jüngsten Entwicklungen auf dem Zeitungsmarkt zeigte sich SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann. Man müsse sehen, wie ein hochwertiger Printjournalismus erhalten werden könne. In 20 bis 30 Jahren werde die gedruckte Zeitung wohl ein Nischenprodukt sein, sagte er. Grünen-Chefin Claudia Roth meinte, sie sei traurig über diese Nachrichten, es müsse etwas passieren.

Jäkel verteidigt das Aus für "FTD"

Derweil rechtfertigte Gruner + Jahr- Vorstandsmitglied Julia Jäkel den Beschluss ihres Verlags zur Einstellung der "Financial Times Deutschland". "Wir haben immerhin zwölf Jahre lang an einem hoch ambitionierten Objekt festgehalten und darum mit großem Durchhaltevermögen gekämpft", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt" (Samstagausgabe). Im Verlagsvorstand sei abgewogen worden, "ob wir echte Chancen für die nächsten Jahre sehen. Und diese Frage haben wir am Ende mit Nein beantwortet", sagte Jäkel. Mit Blick auf die derzeitige Krise betonte sie ihre Zuversicht: "Ich bin mir ganz sicher, dass gut gemachter Journalismus gerade jetzt eine Zukunft hat."

Der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, warnte davor, das Heil alleine im Internet zu suchen: "Wo gibt es das Blogger-, Startup-, Nachrichten- oder Kommunikationsmodell, das auch nur ansatzweise funktioniert? Was ist wirklich geschehen mit der 'Demokratisierung von Information'?" fragte er in der Sonntagausgabe der Zeitung. Aus der "schönen neuen Informationsökonomie" seien bisher vor allem große Unternehmen wie Facebook, Amazon, Apple oder Google hervorgegangen.

(Merkels Video-Podcast: http://url.dapd.de/Snge46 )

dapd



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Medien, Zeitungen
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