Bericht von Human Rights Watch

Zivilisten in Syrien als Schutzschilde missbraucht

von Bassem Mroue / AP, Sonntag, 25. März 2012 17:48

Beirut – Syrische Regierungssoldaten haben nach Erkenntnissen von Human Rights Watch Zivilisten als Schutzschilde missbraucht. In einem Bericht der Menschenrechtsorganisation hieß es am Sonntag, die Truppen und regierungsnahe Milizionäre hätten Bewohner der Provinz Idlib gezwungen, vor ihnen zu gehen, als sie auf Rebellen-Hochburgen der Region vorgerückt seien.

Augenzeugen zufolge war das Ziel der Anweisung, die Soldaten vor Angriffen zu schützen. "Die syrischen Streitkräfte müssen diese abscheuliche Methode umgehend stoppen", sagte Ole Solvang von Human Rights Watch.

Syrische Regierungstruppen nahmen am Samstag laut Aktivisten mehrere Rebellen-Hochburgen im Zentrum und Norden des Landes unter schweren Beschuss. Dabei sei ihnen heftiger Widerstand von Deserteuren entgegengeschlagen, hieß es. Schauplatz der meisten Kämpfe war die Ortschaft Sarakeb im Nordosten, in die Regierungstruppen mit Panzern vom Norden aus einrückten, wie das Syrische Observatorium für Menschenrechte und die Örtlichen Koordinationskomitees erklärten. Bei den Kämpfen wurden demzufolge neun Soldaten und zwei Rebellen-Kämpfer getötet. "Viele Bewohner flüchten aus der Stadt", sagte der Leiter des Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman.

Beide Aktivistengruppen erklärten, die Soldaten würden von regierungsnahen Milizionären, den sogenannten Schabiha, begleitet. Die Truppen durchsuchten Häuser und nahmen Menschen fest. Das in der Provinz Idlib gelegene Sarakeb steht seit Monaten unter Kontrolle von Deserteuren.

Stadtteil in Homs unter Granatenbeschuss

Am Samstag beschossen syrische Truppen außerdem erneut die Rebellen-Hochburg Homs und die nahegelegene Stadt Al-Kusair. Das Observatorium teilte mit, seit dem frühem Morgen seien in Homs Granaten auf den dicht besiedelten Stadtteil Chaldije gefallen, der noch von Regierungsgegnern kontrolliert wird. Die Aktivisten veröffentlichten Online-Videos, die Explosionen in Wohngebieten und riesige Rauchwolken zeigten. Truppen hätten auch die in der Provinz Hama gelegene Stadt Kalaat unter schweren Beschuss genommen, teilte das Observatorium mit.

Nach Angaben des Observatoriums für Menschenrechte wurden am Samstag in Homs 14 Todesopfer gezählt. Die Koordinationskomitees meldeten 24 Tote. Die Zahl der Todesopfer im ganzen Land bezifferten beide Gruppen auf mehr als 40.

Seit Beginn der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar Assad vor einem Jahr sind nach UN-Schätzungen mehr als 8.000 Menschen ums Leben gekommen. (dapd)



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