Kultur und Sport

Zum König-Ludwig-Lauf nach Oberammergau am 6. und 7. Februar 2010

von Elke Backert / Gastautorin, Dienstag, 26. Januar 2010 13:19
Tausende Langläufer beim König-Ludwig-Lauf.
Tausende Langläufer beim König-Ludwig-Lauf.
Foto: Elke Backert

Eiskunst vor dem Passionstheater.
Eiskunst vor dem Passionstheater.
Foto: Elke Backert

Seit 1634 finden alle zehn Jahre die weltberühmten „Passionsspiele“ statt. Dieses Jahr ist es wieder soweit, und zwar vom 15. Mai bis 3. Oktober. Doch zuvor richtet das 5300-Seelen-Dorf den König-Ludwig-Lauf aus, einen internationalen Wettbewerb über 23 und 50 Kilometer Langlauf, zu dem sich am 6. und 7. Februar Sportler aus der ganzen Welt treffen. In diesem Jahr zum 38. Male. Sportlich und landschaftlich zählt der „Luggi“-Lauf zu den Highlights in der Langlauf-Szene und führt durch des Königs geliebtes wildromantisches Graswangtal im Naturschutzgebiet Ammergebirge, in dem das imposante Ludwigschloss Linderhof thront. Tausende Zuschauer feuern die Läufer mit „Hopp-hopp“-Rufen, Kuhglockengebimmel und Fahnen-Schwenken an. Es geht hoch her. Den ganzen Winter über gilt der Prunkbau von Märchenkönig Ludwig II. als begehrtes Ziel für Loipen-Touren.

Dem „Märchenkönig“ huldigt man eben immer noch. Als einziges Schloss wurde es zu seinen Lebzeiten (1876) fertig gestellt und lässt Besucher staunen. Nein, soviel Prunk darf es nicht geben. Klein in den Ausmaßen - gerade ausreichend für einen zurückgezogen lebenden Menschen! - erzeugen zwei sich gegenüber hängende Spiegel die Illusion eines nie enden wollenden Ganges. Kein Fleckchen Wand oder Decke ist frei von Stuckornamenten, goldbestickten Seidentapeten, kostbarsten Vasen, alles zur Dekoration. Fünf Kilogramm Gold wurden verarbeitet. Der Tisch im Speisezimmer ist versenkbar, so dass die Dienerschaft ihn in der Küche decken konnte, ohne dass sie dem Gottgleichen unter die Augen kam. Der Sonnenkönig Ludwig XIV. und Versailles waren Vorbild für Linderhof. Sein Standbild schmückt die Eingangshalle, über ihm eine goldene Sonne und der Spruch „Nec pluribus impar“ (in etwa: Ich bin allen überlegen). Allein zur Reinigung eines Kronleuchters mit Hunderten von Kristallelementen benötigen heute fünf Mitarbeiter zwei Tage.

Eine halbe Million Neugierige kommen jedes Jahr, um den Traum aus Spiegeln und Gold zu sehen. Im Winter sind die Besuchergruppen überschaubar, und alles lässt sich leicht inspizieren. Die Statuen des großzügig angelegten Gartens sind dann allerdings verpackt, die Venusgrotte geschlossen.

Dank der Höhenlage beschenkt der Winter den Gast mit Traumlandschaften, ausgedehnten, gut gespurten Langlaufloipen, Wanderwegen, im Tiefschnee mit Schneeschuhen zu begehen, gemütlichen Skiabfahrten, aber auch schwarzen Alpin-Pisten, Freeriderpiste am Laber, urigen Almhütten mit ebenso urigen „Originalen“.

Lüftmalerei in Oberammergau -hier Rotkäppchen.
Lüftmalerei in Oberammergau -hier Rotkäppchen.
Foto: Elke Backert

Was ist das bloß für eine Gegend, von der schon Maler und Poeten früherer Jahrhunderte schwärmten. „Bayern ist schöner als ein Traum“, urteilte der englische Schriftsteller D. H. Lawrence (1885-1930) während seines Aufenthaltes in Oberbayern. Ludwig Ganghofer potenzierte alle positiven Eindrücke mit dem Ausspruch: „Wen Gott lieb hat, den lässt er fallen in dies gelobte Land.“ Auch Ludwig Thoma „fiel“ in dies „gelobte Land“, wo laut eines Tagebucheintrags Richard Wagners „alles über alle Beschreibung schön“ ist. Wie eine Gedenktafel anzeigt, schenkte „in diesem Hause am 21. Januar 1867 die Schwaben Wirtstochter Katharina Thoma dem Bayrischen Heimatland und dem Deutschen Volke den Dichter Ludwig Thoma“.

Am 24. August, am Vorabend seines Geburtstags, huldigt man dem auch im Musical verehrten „Kini“ mit dem „König-Ludwig-Feuer“. Auf den Bergen rings um Oberammergau tauchen lodernde Holzhaufen, auch ein Kreuz und eine Krone werden verbrannt, die Landschaft in goldenes Licht.

Ein Märchen in Gold für den König, gemalte Märchen für die Bürger. Die für Bayern und den Alpenraum berühmte Lüftlmalerei ist in Oberammergau beinahe an jeder Fassade zu bewundern. Ein Haus ist reicher bemalt als das andere, mal ornamental, mal figürlich, oft mit religiösen Motiven, aber auch das Märchen vom Rotkäppchen wird in Bildern erzählt. Das „Pilatushaus“ hinterließ der Lüftlmaler eindrucksvoll mit Balkonen und Säulen, einer Scheinarchitektur. In dieser lebenden Werkstatt kann man Holzschnitzern über die Schulter gucken.

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul in reinem bayerischen Rokoko (1736-42) gibt sich gegenüber den reichen Klosterkirchen oder der Wallfahrtskirche zur Wies bescheiden. Die „Marmor“-Säulen sind aus Holz. Und was golden glänzt, ist nur Farbe.

Ganz Oberammergau scheint eine einzige Ausstellung, betrachtet man die Auslagen in den Schaufenstern: Schnitzwerk vom lustigen „Sauhaufen“ bis zu aufwendigen Weihnachtskrippen und Pietàs. Man möchte meinen, jeder Bewohner sei ein Schnitzler. In der Tat gibt es eine Schnitzschule, wo das Handwerk erlernt werden kann. Großen Wert legen die Künstler auf den Unterschied zwischen „handgeschnitzt“ und „holzgeschnitzt“, was in der Regel fertig gefräst bedeutet. Um Nachwuchs brauchen sich die Holzbildhauer nicht zu sorgen, die Jugend ist genauso enthusiastisch dabei wie die Alten. Im Frühjahr 2010 beginnen wieder Gästekurse.

„Unser Christus ist sehr sportlich. Er läuft in 19 Minuten auf den Kofel hinauf.“ Und der ist 1342 Meter hoch. Maria führt mit Begeisterung durch das 4720 Sitzplätze bietende überdachte Passionstheater. Bis zur neuen Spielzeit darf jeder Gast eine Werkstatt-Führung mitmachen und einen Blick hinter die Kulissen tun, in die Garderoben von Hirten, Römern, dem Hofstaat des Herodes, den zwölf Aposteln und in die Jesusgarderobe mit Latschen und Dornenkrone, und er darf erfahren, wie Christus ans Kreuz genagelt wird, damit es echt aussieht, wie das Blut auf die Leiber spritzt, wie und woher die Esel auf die Bühne geführt werden und was einen noch interessieren könnte. Eine kurzweilige Geschichte. Zu den Passionsspielen kann man ja wiederkommen.



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