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Vor 200 Jahren erschienen erstmals die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm
Vor 200 Jahren erschienen erstmals die "Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm
Foto: dapd/Swen Pfoertner

Jacob und Wilhelm Grimm

Zwei unzertrennliche Brüder

Epoch Times, Donnerstag, 13. Dezember 2012 14:00

Berlin – Sie waren Sprachforscher und Schriftsteller, Rechtsgelehrte und Bibliothekare, Universitätsprofessoren und zeitweise Politiker - und sie zählen zu den Begründern der Germanistik. Weltberühmt sind die vielseitigen Brüder Jacob und Wilhelm Grimm jedoch bis heute vor allem für ihre Sammlung der "Kinder- und Hausmärchen". Vor 200 Jahren, am 20. Dezember 1812, erschien die Sammlung der Brüder Grimm erstmals. Heute gehören die Märchen zu den bekanntesten Werken der deutschen Literatur.

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Jacob, geboren 1785, und Wilhelm, geboren 1786, waren die ältesten von sechs Kindern des Hanauer Juristen Philipp Wilhelm Grimm. Der Vater starb 1796. Die Mutter Dorothea musste sich und ihre Familiebis zu ihrem Tod 1808 ohne Ernährer durchbringen. Unterstützung fand sie in ihrer älteren Schwester, einer Hofdame in Kassel. Diese sicherte nicht nur den Lebensunterhalt der Familie, sondern sorgte auch für die Ausbildung ihrer Neffen, die nach dem Schulbesuch in Kassel beide ein Studium der Rechte in Marburg aufnahmen.

Stilistische Bearbeitung des "volkstümlichen" Märchens

In diese Zeit fiel die Weichenstellung für ihre spätere Tätigkeit als Sprachforscher und Geschichtensammler. Sie lernten die Romantiker Clemens Brentano und Achim von Arnim kennen, entdeckten ihr Interesse für Volkspoesie und begannen, Märchen zu sammeln. Einen Vorläufer hatte die Grimm'sche Sammlung bereits in von Arnims 1805 erschienener Volksliedersammlung "Des Knaben Wunderhorn", einem typischen Phänomen der Romantik, die die Erzählungen des einfachen Volkes als ursprünglichste Form der Dichtung verehrte.

Einfache Leute waren die rund 50 Zuträger Jacobs und Wilhelm Grimms jedoch keineswegs. Die meisten der "Märchenerzähler" kamen aus gebildeten Schichten, wie etwa die aus einer hugenottischen Familie stammende Dorothea Viehmann, die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff sowie die Apothekertochter Dorothea Wild, die Wilhelm Grimm 1825 heiratete. Auch von einer exakten Aufzeichnung ursprünglicher Überlieferungen konnte keine Rede sein. Stattdessen bearbeiteten die Brüder die Texte stilistisch und passten sie ihrer Idealvorstellung einer Volkspoesie an.

Politisches Wirken auf kulturellem Gebiet

In der Folge veröffentlichten die Brüder neben weiteren Ausgaben der Märchensammlung Aufsätze und Bücher über Minnesang, Balladen, Sagen und Märchen. In diese Zeit fiel auch Jacobs Arbeit an der "Deutschen Grammatik", einem umfangreichen Werk, das sämtliche germanische Sprachen, ihre inneren Zusammenhänge und ihre geschichtliche Entwicklung erfasste. Ihren Lebensunterhalt verdienen sich die Brüder in verschiedenen Anstellungen, unter anderem als Bibliothekare. Jacob wurde zwischenzeitlich kurhessischer Legationssekretär und nahm am Wiener Kongress teil.

Ihre Motivation und ihr Wirken, sei es in der Sammlung von überlieferten Geschichten oder in ihrer Bestandsaufnahme des deutschen Wortschatzes, waren immer auch politisch. Den Hintergrund bildeten die Jahre der französischen Fremdherrschaft und der Zerfall des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation in zahlreiche Kleinstaaten. Die Grimms stellten dem die sprachlich-kulturelle und als Konsequenz hieraus die zu erstrebende nationale Einheit gegenüber.

Die Brüder waren zeitlebens unzertrennlich. Jahrelang teilten sie ihre Wohnung gemeinsam mit ihrer Schwester Charlotte, die ihnen bis zu ihrer Eheschließung 1822 den Haushalt führte. Auch nachdem Wilhelm geheiratet und gemeinsam mit Dorothea Kinder bekommen hatte, lebte Jacob weiterhin im brüderlichen Haushalt.

Die "Göttinger Sieben"

Gemeinsam erhielten Jacob und Wilhelm 1929 schließlich einen Ruf an die Universität Göttingen. Die Hochschullaufbahn endete 1837, nachdem sich die Grimms an dem Protest der "Göttinger Sieben" - einer Gruppe Professoren - gegen den Bruch der für die damalige Zeit liberalen Verfassung durch den neuen König Ernst August I. von Hannover beteiligten. Die Grimms wurden aus dem Staatsdienst entlassen, kehrten zurück nach Kassel und begannen mit der Arbeit am "Deutschen Wörterbuch".

Erst 1840 erhielten die Brüder wieder eine Anstellung, als der neue preußische König Friedrich Wilhelm IV. sie nach Berlin an die Akademie der Wissenschaften rief. Fortan lehrten die Grimms an der Universität zu Berlin. Politisch waren die Brüder weiterhin im Sinne eines liberalen deutschen Nationalstaats aktiv. Jacob wurde 1848 Abgeordneter der Frankfurter Nationalversammlung.

Die sichere Anstellung in Berlin ermöglichte auch die weitere Arbeit am "Deutschen Wörterbuch". Dafür hatten die Brüder zehn Jahre veranschlagt. Ein Irrtum - zu ihren Lebzeiten schafften die Grimms nur die Lexikonartikel "A" bis "Fruchtfliege". Erst 1961, 123 Jahre nach Beginn der Arbeit und rund 100 Jahre nach dem Tod der Brüder, erschien der letzte Band des Wörterbuchs. Wilhelm Grimm starb 1859, sein älterer Bruder Jacob 1863. Die unzertrennlichen Brüder sind auch im Tod zusammen. Gemeinsam sind auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin beigesetzt.

dapd



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