Aktuelle Nachrichten – Wirtschaft
10.03.2009
München – Die Abwrackprämie hat dem deutschen Kfz-Gewerbe trotz Krise in der Autobranche ein unerwartet kräftiges Nachfrageplus beschert. Bisher gebe es rund 410.000 Kaufverträge mit Umweltprämie, sagte der Präsident des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes, Robert Rademacher, am Dienstag in München. Die Prämie sei ein mittelstands- und umweltpolitischer Volltreffer. Der Verband korrigierte seine ursprüngliche Prognose für Pkw-Neuzulassungen im laufenden Jahr von 2,8 Millionen auf rund drei Millionen.
Trotz guter Zahlen warnte Rademacher vor Euphorie. Die Mehrheit der Autohäuser habe rote Zahlen geschrieben, 6.100 Arbeitsplätze fielen weg und 650 Betriebe mussten schließen. Spätestens 2010 müsse die Branche auch wieder ohne Prämie Autos verkaufen, sagte Rademacher. Noch sei auch nicht abzusehen, wie viele vorgezogene Käufe es durch die Umweltprämie gegeben habe. Es sei ein „mehr oder weniger großes Loch“ zu befürchten.
Die zeitlich befristete Umweltprämie könne den Strukturwandel für die rund 39.000 Kfz-Gewerbe-Unternehmen zwar nicht aufhalten, die Deckelung für den Prämientopf solle aber aufgehoben werden, forderte der Verband. „Trotz des positiven Einflusses durch die Umweltprämie kann es keine Entwarnung für das Autogeschäft 2009 geben“, betonte Rademacher.
Bereits jetzt habe sich das gewerbliche Geschäft deutlich abgekühlt. Bei Transportern und Nutzfahrzeugen habe es Ende 2008 einen regelrechten Nachfrageeinbruch gegeben. Der Gesamtumsatz sei im vergangenen Jahr mit 129,5 Milliarden Euro nahezu stabil geblieben, erklärte Rademacher. Der Verband verzeichnete 9,2 Millionen Käufe neuer und gebrauchter Autos und damit etwa 200.000 weniger als 2007.
Die Serviceaufträge legten 2008 dagegen um etwa eine Million auf 72,5 Millionen Euro zu. Dabei lag der Durchschnittspreis von 66,54 Euro für eine Werkstattstunde leicht über dem Vorjahreswert von 65,04 Euro.
Der durchschnittliche Preis für einen Neuwagen sei um 1,2 Prozent auf 25.660 Euro gesunken, erklärte Rademacher. Vor allem „kleine, grüne Autos“ seien bei den Kunden gefragt, hier gebe es ein Plus von 8 Prozent. Dagegen ging die Nachfrage nach Oberklasse-Wagen um 17,4 Prozent zurück, Geländewagen verloren sogar 23,5 Prozent. Auch bei Dieselfahrzeugen sei die Nachfrage drastisch eingebrochen, sagte Rademacher. Allein im Neuwagenmarkt habe es hier im vergangenen Jahr ein Minus von 140.000 Fahrzeugen gegeben.
Zugleich kritisierte der Verbandspräsident die Autohersteller. Für die Händler würden die oft weit überhöhten Restwerte der zurückkommenden Leasing-Fahrzeuge zum Existenzproblem. Die Hersteller müssten sich hier an den Verlusten beteiligen, da sie auch Restwerte vorgegeben hätten. Es brauche ein neues Geschäftsmodell mit den Autoherstellern, um die Lasten- und Risikoverteilung ausgewogener zu machen, forderte Rademacher. (AP)
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