Caracas – Nach einer friedlichen Demonstration gegen die geplante Verfassungsänderung in Venezuela sind Studenten von Heckenschützen beschossen worden. Mindestens acht Menschen wurden verletzt, wie die Zivilschutzbehörde mitteilte. An der Demonstration gegen die Regierung von Präsident Hugo Chávez nahmen am Mittwoch in Caracas rund 80.000 Menschen teil.
Als Studenten auf das Gelände der Zentraluniversität zurückkehrten, wurden sie von bewaffneten Männern beschossen. Unter den Studenten brach eine Panik aus. Von den Verletzten wurde einer von einer Kugel getroffen. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein, da ihnen die Verfassung einen Zutritt zur Universität untersagt. Schließlich griffen aufgebrachte Studenten das Gebäude an, in dem sich die Heckenschützen versteckt hielten.
Fotografen der Nachrichtenagentur AP berichteten, dass mindestens vier vermummte Bewaffnete auf die Menge feuerten. Auf einem Video des Fernsehsenders Globovision war zu sehen, wie Bewaffnete auf Motorrädern auf dem Universitätsgelände eintreffen und das Gebäude betreten, in dem sich die Heckenschützen aufhielten.
Justizminister Pedro Carreño machte Studenten, die Opposition, die Universitätsleitung und die Medien für die Gewalt verantwortlich. Zu teilweise gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Studenten und der Polizei kam es in Mérida, Maracaibo, Puerto La Cruz, San Cristóbal und Barquisimeto.
Die Demonstranten forderten eine Aussetzung des Verfassungsreferendums am 2. Dezember. Sie sehen in den geplanten Änderungen eine Einschränkung von Grundrechten und kritisieren die erweiterten Machtbefugnisse des Präsidenten. Chávez will mit der neuen Verfassung seinen Kurs in Richtung eines „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ vorantreiben. (AP)