Rafah – Ägypten hat am Sonntag die Grenze zum Gazastreifen wieder geschlossen. Soldaten erlaubten Palästinensern und Ägyptern, auf ihre Seite der Grenze zurückzukehren, andere Grenzübertritte wurden nicht gestattet, wie Augenzeugen erklärten. Die im Gazastreifen herrschende Hamas-Bewegung widersetzte sich der Schließung nicht und hoffte auf eine neue Vereinbarung zur Regelung des Grenzverkehrs, die den Palästinensern mehr Bewegungsfreiheit verschaffen soll.
Die ägyptischen Truppen setzten riesige Schiffscontainer und Metallblöcke ein, um Öffnungen in der Grenze zu schließen. Ein Bulldozer verstärkte die Befestigungen mit Sand. Zahlreiche Grenzpolizisten, bewaffnet mit Pistolen und Schlagstöcken, wurden entlang der Grenze stationiert, während Scharfschützen auf den umliegenden Gebäuden Position bezogen. Am wichtigsten Grenzübergang bildeten 100 Polizisten einen Ring. Dutzende Fahrzeuge und Personen standen auf beiden Seiten der Grenze Schlange. Viele hatten sich vor der angekündigten Schließung der Grenze noch in Ägypten mit Lebensmitteln eingedeckt.
Die 65 Jahre alte Ägypterin Aischa Abu Dschasar wartete auf der palästinensischen Seite der Grenze. Vor der gewaltsamen Grenzöffnung hatte sie ihren Sohn und ihre Tochter im Gazastreifen zuletzt vor fünf Jahren gesehen. Ihre Enkelkinder kannte sie nicht. „Ich bin so glücklich, weil ich meine Kinder gesehen habe“, sagte sie. „Ich bin eine kranke Frau und das war einer meiner größten Wünsche.“ Abu Dschasar leidet an Leukämie.
Bewaffnete Palästinenser hatten vor eineinhalb Wochen mehrere Breschen in die Sperranlagen gesprengt und so mehreren hunderttausend Menschen den freien Grenzübertritt ermöglicht. Die unter einer massiven Versorgungskrise leidenden Palästinenser deckten sich im Nachbarland mit Nahrungsmitteln und Benzin ein oder besuchten Verwandte. Israel und die USA drängten Ägypten, die Grenze wieder zu schließen, um Waffenlieferungen an die radikalislamische Hamas zu verhindern.
Ein führendes Hamas-Mitglied, Mahmud Sahar, erklärte am Samstag, die Hamas werde nicht versuchen, die Schließung der Grenze zu verhindern. Im Gegenzug habe Ägypten zugestimmt, tausenden Palästinensern, die sich derzeit im Land aufhalten, die Weiterreise in Drittländer zu erlauben. Außerdem werde Kairo sich künftig in Grenzfragen mit der Hamas abstimmen.
Der politische Hamas-Führer Ismail Hanija erklärte am Samstag, der Gazastreifen müsse stärkere wirtschaftliche Beziehungen zu Ägypten aufbauen und die Verbindungen zu Israel kappen. Dies habe die Hamas schon im Wahlkampf angekündigt, sagte Hanija einer Hamas-nahen Zeitung. Die Hamas hatte im vergangenen Juni nach Kämpfen mit der gemäßigten Fatah von Präsident Mahmud Abbas die Kontrolle des Gazastreifens übernommen.
Ägyptische Sicherheitskräfte nahmen am Samstag zwei Palästinenser fest, die mit einer Bombe aus dem Gazastreifen einreisten. Aus Polizeikreisen verlautete, die verdächtigen Brüder im Alter von 26 und 21 Jahren hätten versucht, weiter in die Halbinsel Sinai zu gelangen. Sie hätten offenbar Touristenorte an der Küste erreichen wollen.
Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen mindestens 17 Palästinenser mit Waffen oder Sprengstoff in der Nähe der Grenze festgenommen worden. Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak forderte am Sonntag in einer Kabinettssitzung, es müsse ein Grenzzaun zwischen Israel und Ägypten errichtet werden. (AP)
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