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Afghanen blicken skeptisch auf erste Sitzung des Parlaments

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17.12.2005

Kabul - In Afghanistan tritt zum ersten Mal seit 1973 ein Parlament zusammen. Eigentlich ist das ein Grund zum Feiern, doch die Menschen blicken skeptisch auf die 249 neuen Abgeordneten der Wolesi Dschirga und fragen sich, ob sie die drängenden Probleme des Landes lösen können: die wachsende Arbeitslosigkeit, Stromausfälle, Verbrechen und Gewalt auf den Straßen. Die Vorbereitungen zur konstituierenden Sitzung am Montag werden überschattet von diesen Zweifeln.

«Ich bin überhaupt nicht optimistisch», sagt Mohammed Tahir, der in Kabul Brot verkauft. «Wir haben unseren Teil geleistet. Jetzt müssen die Politiker ihren leisten.» Die Demokratie ist für ihn nur ein weit entfernter Traum. «Scheinbar bewegt sich unser Land in diese Richtung», erklärt er. «Aber mir geht es immer schlechter.» Dabei galt die Wahl vor drei Monaten als Erfolg und wichtiger Schritt nach dem Sturz des Taliban-Regimes vor vier Jahren.

Doch die Abgeordneten stehen vor einer riesigen Herausforderung. Die afghanische Wirtschaft liegt nach drei Jahrzehnten der Besatzung und des Bürgerkriegs am Boden, die Sicherheit liegt in den Händen von 20.000 US-Soldaten und mehreren tausend Mitgliedern der internationalen Schutztruppe (ISAF), Bomben und Selbstmordanschläge gehören zum Alltag. Die Beobachter sind sich daher einig: Der Weg in die Zukunft wird steinig sein.

Kritiker erklärten, die Legitimation des Parlaments werde von den Warlords untergraben, die jetzt demokratisch gewählte Abgeordnete seien. «Die Eröffnung des Parlaments wird von vielen Afghanen nicht als positiver Schritt betrachtet», sagte der Forschungsdirektor der Asienabteilung der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Saman Zia-Zarifi. «Sie betrachten sie als potenzielles Desaster.» Die Organisation wirft einigen der neuen Abgeordneten Menschenrechtsverletzungen oder Verwicklungen in den Drogenhandel vor. Dieser verschaffe ihnen Geld, Macht und Unabhängigkeit von den Anweisungen der Zentralregierung.

Unter den beschuldigten Politikern sind der frühere Verteidigungsminister Mohammed Fahim, ein ehemaliger Anführer der Nordallianz, sowie der Ex-Taliban-Kommandeur Abdul Salaam Rocketi. «Die Leute sehen das Parlament und denken 'All diese Männer sind zurück'», sagte Zia-Zarifi. «Am Tag der Parlamentseröffnung werden die Menschen auf die Warlords blicken, um zu sehen, ob sie sich benehmen und was die Regierung dagegen unternimmt.»

Eric Talmadge/AP

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