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Rund ums Essen Aigner eröffnet Grüne Woche mit Partnerland Rumänien

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18.01.2012

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) auf der letzten "Grünen Woche" in Berlin.   Foto: Steffi Loos/dapd
Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) auf der letzten "Grünen Woche" in Berlin.

Foto: Steffi Loos/dapd

Berlin – Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner eröffnet am Donnerstag (19. Januar, 18.00 Uhr) die Internationale Grüne Woche in Berlin. Auf der weltgrößten Leistungsschau der Ernährungswirtschaft präsentieren ab Freitag 1.624 Aussteller aus 59 Ländern ihre Angebote. Die Veranstalter erwarten bis 29. Januar wieder rund 400.000 Besucher.

Das Partnerland Rumänien gestaltet in diesem Jahr das Rahmenprogramm und den anschließenden Empfang für 5.000 Ehrengäste. Zur Begrüßung sprechen neben Aigner unter anderen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), Bauernpräsident Gerd Sonnleitner, EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos und der rumänische Landwirtschaftsminister Valeriu Tabara.

Branchenwachsturm

Agrarwirtschaft und Ernährungsindustrie präsentieren sich zum Auftakt der Internationalen Grünen Woche in Berlin optimistisch. Für 2012 prognostizierten beide Branchen weiteres Wachstum. Zugleich stimmten sie die Verbraucher am Mittwoch auf Preiserhöhungen bei Lebensmitteln ein. Verbraucherschutzverbände forderten unterdessen eine effizientere Lebensmittelkontrolle, eine stärkere Förderung des Ökolandbaus und erneuerten ihre Kritik an Missständen in der Tierhaltung. Auf der Grünen Woche als weltgrößter Verbraucherschau für Landwirtschaft und Ernährung präsentieren ab Freitag 1.624 Aussteller aus 59 Ländern ihre Angebote.

Die deutsche Ernährungswirtschaft habe ihren Umsatz 2011 nominal um 8,5 Prozent auf 162,2 Milliarden Euro gesteigert, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie, Jürgen Abraham. Das reale Wachstum habe bei 1,3 Prozent gelegen. Große Sorge bereite allerdings die anhaltend schwierige Ertragslage.

Die Agrarrohstoffe hätten sich im Schnitt um 25 Prozent verteuert. Auch die Energiepreise seien gestiegen, sagte Abraham. Deshalb rechnet die Branche mit Preiserhöhungen bei Lebensmitteln. Diese müssten um drei bis vier Prozent steigen, um den angestauten Ertragsdruck zu mindern. Ob sich dies aber gegenüber dem Handel durchsetzen lasse, müsse abgewartet werden.

Agrarbranche auf "stabilem Wachstumskurs"

Die Agrarbranche befindet sich nach Einschätzung von Bauernpräsident Gerd Sonnleitner auf einem "soliden Wachstumskurs". Die Betriebe hätten die Wirtschaftskrise "äußerst stabil durchstanden", ihre Situation habe sich 2011 "deutlich verbessert".

Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) verteidigte die Landwirte gegen den Vorwurf, zu viel Masse statt Klasse zu produzieren. "Die Qualität stimmt und wird weltweit geschätzt", sagte Aigner den Dortmunder "Ruhr Nachrichten". Da die Bauern aber 82 Millionen Verbraucher zu versorgen hätten, müssten sie Masse produzieren.

"Menschen, die jeden Cent umdrehen müssen, sind auf günstige Lebensmittel angewiesen", fügte Aigner hinzu. Sie müssten sich allerdings darauf verlassen können, dass alle Lebensmittel sicher sind. Das Netz der Kontrollen sei sehr dicht, die Standards seien sehr hoch. "Aber 100 Prozent Sicherheit kann – genau wie im Straßenverkehr – niemand garantieren", sagte Aigner.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) beklagte dagegen, in der Lebensmittelkontrolle fehle es "an Personal, an geeigneten Strukturen". "Eine Neujustierung der Lebensmittelüberwachung weg von der föderalen Kleinstaaterei ist überfällig", sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen in Berlin.

"Politik verschläft Entwicklung"

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft warf dem Bund vor, ihm fehle der politische Wille, die Chancen des wachsenden Biomarkts für die Landwirte nutzbar zu machen. Die Bundesregierung habe in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie das Ziel von 20 Prozent Ökolandbau festgelegt, sagte Verbandschef Felix Prinz zu Löwenstein in Berlin. Derzeit liege der Prozentsatz bei sechs Prozent. Die Märkte und die Verbraucher fragten die Biolebensmittel nach. "Die Politik ergreift diese ausgestreckte Hand nicht und verschläft eine Entwicklung."

Die Verbraucherorganisation Foodwatch beklagte Missstände in der Tierhaltung. In deutschen Ställen werde systematisch gegen den Tierschutz verstoßen, sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode den Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. Schweinen würden die Ringelschwänze abgeschnitten, Geflügel die Schnäbel gekürzt, "weil sich die Tiere aus Stress und Langeweile gegenseitig anknabbern".

Bauernpräsident Sonnleitner entgegnete: "Wir wollen weg von der Ferkelkastration oder dem Schnäbelkürzen beim Geflügel." Eingriffe am Tier sollten nach Möglichkeit ganz unterbleiben. Das gehe aber nicht von heute auf morgen. (Wagner-Fröhlich-dapd)

 

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