Aktuelle Nachrichten – Deutschland
11.01.2010
Foto: Hermann J. Knippertz/AP Foto
Frankfurt/Main (apn) Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner hat Forderungen nach einem Werbeverbot für Süßwaren im Fernsehen zurückgewiesen. „Ich schreibe niemandem vor, wie er sich zu ernähren hat. Jeder Mensch muss selbst entscheiden, was für ihn das Beste ist“, sagte Aigner der „Bild“-Zeitung (Dienstagausgabe) laut Vorabmeldung.
Aigners Amtsvorgängerin Renate Künast (Grüne) hatte zuvor ein Werbeverbot für Süßes – allerdings nur im Umfeld von Kindersendungen – gefordert. „Das aggressive Werbegeschäft gegenüber Kindern bis zwölf Jahren gehört verboten“, sagte Künast der „Rheinischen Post“. Lebensmittelwerbung, die ja meist Süßigkeiten-Werbung sei, habe im Umfeld von Kindersendungen nichts zu suchen; Süßigkeiten sollten zumindest hier mit einem Werbeverbot belegt werden. Künast begründete ihre Forderung mit dem Übergewicht vieler Mädchen und Jungen.
Dazu und zu einem Vorstoß Rumäniens, eine Strafsteuer auf ungesunde Lebensmittel einzuführen, äußerte Aigner sich ablehnend: „Ich halte solche Forderungen für reinen Populismus. Es ist ein Irrweg zu glauben, man könnte über Steuern oder Verbote einen Bewusstseinswandel bei der Ernährung erreichen.“
Auch der Zentralverband der Deutschen Werbewirtschaft wies die Künast-Forderung zurück und sprach von Populismus. „Die Süßigkeiten-Werbung im Kinder-TV ist ja – wenn man das gesamte Fernsehen betrachtet – nur eine Randerscheinung“, sagte ZAV-Sprecher Volker Nickel der Nachrichtenagentur DAPD. Außerdem sähen Kinder vor allem Erwachsenenfernsehen: „Wenn Frau Künast also will, dass Kinder keine Süßigkeiten-Werbung mehr sehen, müsste sie die komplette Werbung oder gleich das Fernsehen verbieten.“
Der ZAV warnte zudem davor, privatem Kinderfernsehen die Existenzgrundlage zu entziehen: „Würde man die Werbung dort weiter reduzieren, würden Kindersendungen oder sogar Kindersender wegfallen. Und das, ohne dass es gesundheitspolitisch Sinn macht“, argumentierte Nickel. Zudem gebe es aufgrund der Wirtschaftskrise ohnehin weniger Fernsehwerbung, vor allem in den privaten Sendern. „Deshalb ist auch davon auszugehen, dass sich auch die Werbung für Lebensmittel bereits reduziert hat.“
Ohnehin sei die Werbung nicht für die Dickleibigkeit von Kindern verantwortlich. Ursachen seien vielmehr das Fehlverhalten von Eltern, mangelnde Bewegung der Kinder und genetische Veranlagungen. „Vor einer Kritik an Eltern und ihren Erziehungsfehlern schreckt Frau Künast aber zurück“, kritisierte Nickel.
Auf die Frage, ob ein Schulfach Ernährung nötig sei, sagte Künast der „Rheinischen Post“: „Gemessen an der Vorgabe, dass die Kinder fürs Leben und nicht für die Schule lernen sollen, brauchen wir auch eine Ernährungs- und Verbraucherbildung. Ein entsprechendes Schulfach Ernährung sollte eingeführt werden.“ Kinder sollten nicht nur wissen, wie das Internet und Autos funktionierten, sondern auch den eigenen Körper kennen. (AP)
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