Paris/Berlin – Mit einem alarmierenden Bericht über die Erderwärmung hat der Weltklimarat am Freitag die Politik aufgerüttelt. Die UN-Forscher prognostizieren einen Anstieg des Meeresspiegels um bis zu 59 Zentimeter sowie um 6,4 Grad höhere Temperaturen bis 2100. Selbst bei einem sofortigen Stopp der CO2-Emissionen würde sich die Atmosphäre Jahrhunderte weiter aufheizen, heißt es in der Studie.
Als Reaktion plant die Bundesregierung ein millionenschweres Aktionsprogramm. Es soll mit 255 Millionen Euro ausgestattet sein, wie Forschungsministerin Annette Schavan ankündigte. Umweltminister Sigmar Gabriel forderte eine rasche Einigung über die Klimaschutzpolitik in der EU und ein neues Ziel zur Verminderung der gefährlichen Treibhausgase um 30 Prozent weltweit bis 2020.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas erklärte, der Bericht des Weltklimarats (IPCC) unterstreiche die Notwendigkeit eines Nachfolge-Abkommens für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll.
An der Studie haben mehr als 500 führende Klimaforscher sowie Vertreter von 113 Staaten mitgearbeitet. An der Verantwortung des Menschen für die eindeutige Klimaveränderung gebe es nun keinen Zweifel mehr, sagte Co-Autorin Susan Solomon. Laut der Expertise sind die Temperaturen in den letzten 50 Jahren doppelt so schnell gestiegen wie in den 100 Jahren zuvor. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat durch den Verbrauch fossiler Brennstoffe seit 1750 um 35 Prozent zugenommen.
Gemäß den Berechnungen heizt sich die Atmosphäre deswegen im günstigsten Fall um 1,1 bis 2,9 Grad auf, im schlimmsten um 2,4 bis 6,4 Grad. In der Folge des Klimawandels wird der Meeresspiegel um 18 bis 59 Zentimeter steigen, prognostizieren die Forscher. Weitere 10 bis 20 Zentimeter seien möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreite.
Doch selbst bei einem sofortigen Emissionsstopp würden die Temperaturen im kommenden Jahrhundert um 0,6 Grad weitersteigen. Der Meeresspiegel würde gar noch mehrere Jahrhunderte steigen. Die Forscher machen den Treibhauseffekt bereits jetzt dafür verantwortlich, dass es mehr heiße Tage und weniger kalte Nächte gibt und dass sich Hitzewellen, Überflutungen und Dürren häufen.
Wenige Stunden nach Veröffentlichung des Klimaberichts kamen Regierungsvertreter aus 60 Staaten in Paris zusammen, um eine Stärkung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) einzuleiten. Der französische Staatspräsident Jacques Chirac eröffnete die zweitägige Konferenz mit der Forderung nach einer „ökologischen Revolution“. „Wir haben keine Zeit mehr für halbe Sachen“, sagte Chirac. Die Schweiz bekräftigte ihren Vorschlag für eine internationale CO2-Abgabe.
(AP)
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