Aktuelle Nachrichten – International
11.03.2012
Foto: AP Photo/Allauddin Khan
Balandi – Ein US-Soldat hat am Sonntag nach afghanischen Angaben bei einem Amoklauf im Süden des Landes 16 Menschen erschossen, darunter neun Kinder und drei Frauen. Die Tat dürfte die Beziehungen zwischen den ausländischen Streitkräften und den Afghanen, die nach der Verbrennung von Koranbüchern auf einem US-Stützpunkt zuletzt ohnehin schon arg angeschlagen waren, weiter belasten. Der afghanische Präsident Hamid Karsai sprach von einem Attentat, der "absichtlichen Tötung unschuldiger Zivilisten, für die es keine Vergebung geben kann". Von den USA forderte er eine Erklärung.
Nach der Verbrennung der Koran-Bücher war es Ende Februar in Afghanistan zu heftigen Protesten gegen die ausländischen Truppen im Land gekommen, bei denen rund 30 Menschen getötet wurden. Sechs US-Soldaten wurden danach von afghanischen Kollegen erschossen.
Fünf Menschen wurden bei dem Amoklauf in der Provinz Kandahar verwundet, darunter auch ein 15-jähriger Junge namens Rafiullah, der Karsai telefonisch berichtete, was passiert war, wie das Präsidialamt mitteilte. Er erzählte, wie der Soldat mitten in der Nacht in das Haus der Familie kam, die Familie aufweckte, und begann, sie zu erschießen.
Die NATO entschuldigte sich für die Tat, bestätigte aber selbst nicht, dass es Tote gab. Stattdessen war von Berichten über Tote die Rede. Er äußere sein "tiefstes Bedauern" über die Tat, die offenbar von einem Angehörigen der Koalitionsstreitkräfte begangenen worden sei, erklärte Generalleutnant Adrian Bradshaw, der stellvertretende Kommandeur der NATO-Truppen in Afghanistan. Er könne nicht erklären, was die Motive hinter diesen "gefühllosen Taten" waren, aber sie hätten nichts mit den ISAF-Aktivitäten zu tun.
Der mutmaßliche Täter wurde nach NATO-Angaben festgenommen, die näheren Umstände des Vorfalls waren aber noch unklar. Die Verletzten würden in einem Lazarett der NATO behandelt, hieß es.
Schauplatz des Amoklaufs waren den Angaben zufolge zwei Dörfer, die in der Nähe des Stützpunktes liegen, in dem der US-Soldat stationiert war. Ein Bewohner des Dorfes Alkosai sagte einem Reporter der Nachrichtenagentur AP, es seien 16 Menschen getötet worden, als der US-Soldat in drei Häuser eingedrungen sei und das Feuer eröffnet habe. Er selbst habe die Leichen nicht gesehen, sagte der Bewohner Abdul Baki. Allerdings habe er mit Familienangehörigen der Toten gesprochen. "Ich habe Schüsse gehört, anschließend Stille, und dann wieder Schüsse", sagte Baki. (dapd)
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