Aktuelle Nachrichten – Deutschland
08.01.2011
Berlin – Die Hochwassersituation bleibt in Teilen Deutschlands kritisch. In Rheinland-Pfalz stiegen die Wasserstände der Mosel in der Nacht zum Samstag weiter. Besonders kritisch ist die Situation an der Mittelmosel bei Zell. Dort läuft seit dem Morgen langsam die Altstadt voll. Geschäfte und Wohnhäuser wurden bereits geräumt, wie der Bürgermeister der Stadt, Hans Schwarz, mitteilte. Zahlreiche Uferstraßen entlang des Flusses wurden nach Polizeiangaben gesperrt, die Schifffahrt eingestellt. Auch in anderen Bundesländern stiegen die Pegel der Flüsse.
Auf der Oder bei Hohensaaten-Finow in Brandenburg sanken unterdessen die Wasserstände am Samstag erstmals seit Tagen wieder leicht. Der Pegel ging binnen 24 Stunden um sechs Zentimeter auf 7,46 Meter zurück, wie das Landesumweltamt mitteilte. Die Lage bleibt dennoch äußerst angespannt. Der Wert liegt immer noch fast einen Meter über dem Richtwert für die höchste Alarmstufe 4.
Am Vortag hatten Eisbrecher von Schwedt aus begonnen, die Eisdecke in Richtung Hohensaaten/Hohenwutzen aufzubrechen. Sie kamen etwa fünf Kilometer weit, wie das Wasser- und Schifffahrtsamt Eberswalde mitteilte. Der Eisaufbruch wurde am Samstag fortgesetzt, bis zur südlichen Eisgrenze sind es noch knapp 25 Kilometer. Vom Eisaufbruch erwarten die Hydrologen einen Rückgang der Wasserstände.
In Zell an der Mosel wurden bereits am Freitag Bänke und Parkscheinautomaten abgebaut, die Spundwände zum Schutz vor dem Wasser sind seit Weihnachten errichtet. Erreicht die Mosel dort eine Höhe von 8,70 Metern, läuft das Wasser über den aufgebaute Hochwasserschutz. Laut Hochwassermeldezentrum in Trier stagniert der Pegel seit Samstagmorgen bei 8,75, normal sind drei Meter. Prognosen seien derzeit jedoch schwierig, weil die weitere Entwicklung von den angekündigten Regenfällen abhänge. "Der Regen geht sofort in die Flüsse, weil der Boden kein Wasser mehr aufnehmen kann", sagte eine Sprecherin des Meldezentrums auf dapd-Anfrage. So könne für die Mosel von Entwarnung keine Rede sein.
In Cochem an der Mittelmosel wurden bereits am Morgen acht Meter erreicht. In vielen Gemeinde mussten die Bewohner ihre Keller räumen, an der Mittelmosel steht in manchen Dörfern das Wasser bereits im Erdgeschoss der Gebäude.
Nicht so dramatisch gestaltet sich die Lage am Rhein: In Koblenz wird laut zuständigem Meldezentrum in Mainz für Montag der Scheitel erwartet: Er könnte bei 7,70 Meter liegen. Dies sei aber kein dramatisch großes Hochwasser, sagte ein Sprecher des Meldezentrums. Ab einem Pegelstand von 7,20 Metern stehen jedoch das Deutsche Eck und Teile des Stadtteils Neuendorf unter Wasser.
Auch auf dem Gelände der Bundesgartenschau (BUGA) wurde erste Vorsichtsmaßnahme wegen des Hochwassers getroffen. Es sei damit begonnen worden, Maschinen und Bauzäune aus dem gefährdeten Bereich zu entfernen, sagte eine BUGA-Sprecherin. Ab einem Pegelstand von 6,35 Metern drohe eine Überflutung.
Auch in Nordrhein-Westfalen sorgten Regenfälle und das anhaltende Tauwetter für weiter steigende Pegelstände. Reinhard Vogt von der Hochwasserschutzzentrale Köln sprach am Samstag auf dapd-Anfrage von einem "mittleren Hochwasser" am Rhein. Am Sonntag erwarte man einen Pegelstand von 8,50 bis 8,35 Metern. Mit dem Höchststand rechnet Vogt am Dienstag mit bis zu neun Metern. Der Hochwasserschutz reicht für die Kölner Altstadt bis 11,30 Metern.
In Sachsen-Anhalt sind unter anderem die Schwarze Elster im Landkreis Wittenberg, die Saale und die Weiße Elster, wie die Hochwasservorhersagezentrale in Magdeburg am Samstag mitteilte. Stellenweise wurde dort die Alarmstufe 2 ausgerufen. An zahlreichen weiteren Flussabschnitten gilt die Alarmstufe 1. Die Tendenz sei vielerorts steigend, hieß es.
Auch in Sachsen und Thüringen wurden steigende Wasserstände beobachtet. Dort wurde stellenweise bereits die zweithöchste Alarmstufe 3 ausgerufen.
In Niedersachsen wurde an der Aller und der Schunter im Osten Niedersachsens die höchste Warnstufe erreicht. Dennoch handle es sich nicht um eine "besorgniserregende Situation", sagte Herma Heyken vom Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Samstag auf dapd-Anfrage.
Steigende Flusspegel und Überschwemmungen wurden auch aus Franken gemeldet. Die Probleme durch das Hochwasser seien aber noch überschaubar, teilten die Polizeidirektionen am Samstag übereinstimmend mit.
(dapd)
Hier können Sie sich im Newsletter eintragen.
Schlagworte
(09.01.2011)
Hochwasserlage im Südwesten kritisch
(08.01.2011)
Ruhr erreicht Hochwassermeldegrenze
(07.01.2011)
Tauwasser und Regen lassen Hochwasser befürchten
(05.01.2011)
110 Tote nach Unwettern in Asien
(06.10.2010)
Keine Entwarnung im Hochwassergebiet
(03.10.2010)
600.000 Sandsäcke an der Schwarzen Elster verbaut
(02.10.2010)