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Frankfurter Buchmesse Andere Wirklichkeit

Bei Ling/Gastautor

12.09.2009

(The Epoch Times)
(The Epoch Times)
Dieser Text des chinesischen Exil-Dichters Bei Ling hätte am Donnerstag, den 10. September, im Newsletter der Frankfurter Buchmesse erscheinen sollen. So lautete zumindest das Versprechen an den in den USA lebenden Autor, Verleger und Regimekritiker Bei Ling seitens der Buchmesse. Erschienen ist der Text bisher noch nicht.

China - das Land, in dem die Drucktechnik erfunden wurde, wird das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2009. Dabei wird die beeindruckende chinesische Publikationswelt gezeigt. In den vergangenen 30 Jahren hat sich China zu einem Superland mit der höchsten Anzahl von Schriftstellern und den meisten Bücherpublikationen auf der Welt entwickelt, woran nichts auszusetzen ist. Nur stehen neben der Bewunderung für dieses Superland der Bücher noch eine andere Wirklichkeit, die die Frankfurter Buchmesse 2009 so dicht wie Schatten begleiten wird, und die durch kein Lob und keine Rechtfertigung verdeckt werden kann. Es handelt sich dabei um die Probleme in Bezug auf die Presse- und Publikationsfreiheit. Wann wird in China eine grundlegende Änderung in diesem Bereich kommen, um den allgemein anerkannten Standard für eine zivilisierte Gesellschaft zu erreichen?

Bis zum heutigen Tag gibt es in China im wirklichen Sinn keine privaten Radiosender, Fernsehsender, Zeitungen, Zeitschriften und Verlage. Denn die chinesische Regierung erlaubt Privatpersonen oder privaten Unternehmen nicht, in der Medien- und Publikationsbranche tätig zu sein. Nur die staatlichen Zeitungs-, Buch- und Zeitschriftenverlage dürfen drucken und publizieren. Ihnen werden vom Staat Bürogebäude langfristig zur Verfügung gestellt. Dort sind alle ordentlichen Journalisten, Redakteure und andere Mitarbeiter Beamte. Ihre Grundgehälter bekommen sie vom Staat.

In der Praxis gibt es allerdings eine Grauzone, in der manche Buchhändler oder private Kulturunternehmen staatlichen Verlagen ISBN-Nummern abkaufen und Bücher, die von den staatlichen Verlagen kontrolliert und genehmigt werden, im Namen dieses staatlichen Verlags herausgeben. Das lässt den Menschen zwar eine sehr begrenzte Freiheit zum Atmen, ermöglicht jedoch den chinesischen staatlichen Medienunternehmen und Verlagen ein lukratives Geschäft durch den Verkauf der ISBN-Nummern.

In einer Gesellschaft mit Publikationsfreiheit ist die ISBN-Nummer kostenlos zu erteilen und nicht zu verkaufen. In China jedoch verlangt ein staatlicher Verlag für eine ISBN-Nummer 10.000 bis 20.000 Yuan (umgerechnet 1.000 bis 2.000 Euro) von Privatverlegern oder privaten Kulturunternehmen. Allein durch das Einkommen aus diesem Geschäft ohne Startkapital können sich die staatlichen Verlage schon rentabel machen. Dieses Raubgeschäft, das auf der ganzen Welt ohne Gleichen ist, basiert auf dem Monopol der staatlichen Verlage für ISBN-Nummern.

In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Zensursystem in der Berichterstattung und Publikationsbrache zu einem vollständigen und fein gegliederten Zensursystem mit vielen Stufen entwickelt: Innerhalb der Medien und Verlage findet auf einer Stufe nach der anderen mindestens drei mal Zensur statt, manchmal sogar fünf oder sechs mal. Außerhalb der Medien und Verlage muss das Buch noch die endgültige Zensur des Pressebüros der jeweiligen Stadt oder Provinz durchstehen. Auch wenn das Buch nur bei einer Zensur nicht durchkommen kann, ist es aus mit ihm. Das Verlegen eines Buches mit „schwerwiegenden politischen Fehlern" oder „zu erotischen Inhalten" bedeutet Strafe, und zwar die Versetzung auf eine niedrigere Position bis hin zur Entlassung der Personen, die daran beteiligen waren, sowie Geldstrafe oder Lizenzentzug für die Verlage.

Das Obenstehende bezieht sich nur auf die Zensur von außen. Die Selbst-Zensur, die die chinesischen Schriftsteller, Journalisten und Redakteure auf ihre eigenen Stücke ausüben, ist nichts Anderes als eine Verletzung ihrer Seele und Schöpfungskraft. Damit ihre Bücher publiziert werden können, unterziehen sie sich immer mehr aus eigener Initiative der Selbstzensur, nicht nur in Bezug auf bestimmte Worte im Text, sondern auch auf das gesamte Motiv. In China weiß jeder Schriftsteller und Dichter, was er schreiben darf und was nicht. Die Selbstzensur wurde zu einer notwendigen Voraussetzung für die Existenz und den Erfolg eines Schriftstellers in China, besonders eines Romanschriftstellers. Das führt dazu, dass die meisten chinesischen Schriftsteller, Journalisten und Redakteure, manche bewusst, andere unbewusst, zu Mittätern der Pressezensur werden.

Nicht nur die zahlreichen Blogs, in denen unabhängige Meinungen geäußert wurden, wurden vorläufig oder für immer geschlossen, sondern auch die Nachrichten werden wahlweise gesperrt. Die taiwanesischen Leser, die in China wohnen, können noch nicht einmal die Webseite der taiwanesischen „China Times", „United Daily News" und „The Liberty Times" besuchen und Nachrichten über Taiwan lesen.

Sobald der Name eines Schriftstellers auf einer schwarzen Liste der chinesischen Regierung steht, ist es sehr schwierig für ihn, in seinem eigenen Land seine Artikel und Bücher zu veröffentlichen. Seine Bücher verschwinden aus allen mit Romanen, Gedichtbänden und Prosa gefüllten Buchläden in China. Sein Ruf ist dahin, und damit auch das Honorar und die Lizenzgebühr.

Ganz pessimistisch bin ich jedoch nicht. Im langen Prozess des Strebens nach der Pressefreiheit und Publikationsfreiheit zeichnet sich im Nebel immer deutlicher ein Weg ab. Ich weiß beispielsweise, dass es auch Ausnahmen gibt, bei denen Privatinvestoren Teilhaber von staatlichen Verlagen oder Verlagskonzernen werden. Viele Schriftsteller, Redakteure und sogar „Buchhändler" mit einem unabhängigen Willen und einer freien Seele sind in diesem Prozess in die Position eines Redakteurs oder sogar Abteilungsleiter eines staatlichen Verlags gekommen. Dort kämpfen sie unter Zuhilfenahme ihrer Weisheit für das Verlegen guter Bücher und gegen das Zensursystem.

Im Sinne der Publikationsfreiheit möchte ich den internationalen Publikationskreis auf die „Halle Taiwan" aufmerksam machen. Dort stellt sich ebenfalls eine Welt chinesischer Bücher dar. Aber dort in der „Halle Taiwan" gibt es eine Zone mit dem Titel „Taiwan Exklusiv" oder „In China verbotene Bücher". Von Politik bis Literatur werden hier einige Hundert Bücher gezeigt, die in Taiwan publiziert werden dürfen, in China aber nicht. (Darunter zählt auch der von Dissidenten und einigen in China lebenden unabhängigen Schriftsteller ins Leben gerufene Verlag Tendency Inc.). Die verbotenen Bücher folgender Personen werden dort unter anderem gezeigt: Wang Lixiong, Woeser, Gao Xingjian (Träger des Nobelpreises für Literatur), Ha Jin („National Book Award"-Preisträger in den USA) und auch meine eigenen Bücher.

Ich denke, es gibt keine besseren Beweise mehr für die Notwendigkeit der Einführung von Pressefreiheit in China.

 

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