Aktuelle Nachrichten – Deutschland
30.05.2009
Hamburg – Der als Spitzel enttarnte frühere Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras war für die Stasi womöglich wichtiger als bisher angenommen. Nach Informationen von „spiegel.de“ gibt es eine bisher verborgene zweite Akte des früheren DDR-Spions, die 1989 kurz nach dem Mauerfall vernichtet werden sollte. Der Vorgang sei damals sogar Chefsache gewesen, berichtete das Online-Portal am Samstag.
Erst kürzlich war die erste Stasi-Akte von Kurras aufgetaucht, der 1967 in Berlin den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte. Daraus ging unter anderem hervor, dass er seit 1955 Mitarbeiter der Stasi und seit 1964 Mitglied der SED war. Man war bisher davon ausgegangen, dass das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) nach den tödlichen Schüssen auf Ohnesorg keinen Gebrauch mehr von Kurras machte.
Die zweite Stasi-Akte betrifft dem „spiegel.de“ zufolge nun die Jahre 1987 bis 1989. Demnach ordnete der Stellvertreter des DDR-Ministers für Staatssicherheit, Generalleutnant Gerhard Neiber, am 11. Dezember 1987 persönlich an, einen „Sicherungsvorgang“ zu Kurras einzuleiten. Als Begründung soll er „operatives Interesse“ angegeben haben.
Warum sich das MfS wieder mit Kurras beschäftigte, ist laut „spiegel.de“ noch unklar. Der Befehl stamme aus der Zeit, als Kurras seinen West-Berliner Polizeidienst bereits quittiert hatte. 1989 soll Neiber den Vorgang aber sogar Kurras' altem Führungsoffizier übergeben haben. Die Unterlagen hätten kurz nach dem Mauerfall 1989 vernichtet werden sollen. Die entsprechende Anordnung sei aber in den Wirren der Wende-Tage nicht umgesetzt worden. (AP)
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