Aktuelle Nachrichten – Deutschland
20.07.2012
Foto: Paul Zinken/dapd
München/Bremen – Deutschland hat noch Nachholbedarf beim Angebot öffentlicher Leihfahrräder. Insbesondere in größeren Städten gibt es zwar mittlerweile ein wachsendes Netz öffentlicher Radverleihstationen, dennoch sind andere europäische Staaten schon weiter. "Die bestehenden Systeme hierzulande sind gut, aber zahlenmäßig noch ausbaufähig", sagte Nicolas Adunka vom ADAC-Testzentrum Mobilität auf dapd-Nachfrage.
Der Markt hierzulande wird von zwei großen Anbietern dominiert. "Call A Bike" der Deutschen Bahn-Tochter DB Rent stellt seinen 431.000 registrierten Kunden nach eigenen Angaben bundesweit 8.500 Fahrräder bereit. Das Leipziger Unternehmen "Nextbike", das weltweit tätig ist, verleiht 10.000 Mieträder an 156.000 Kunden, wie eine Sprecherin mitteilte.
In Frankreichs Hauptstadt Paris dagegen werden nach ADAC-Angeben allein vom dort größten Anbieter rund 24.000 Fahrräder an 1.750 Verleihstationen angeboten. "Deutschland hinkt in diesem Bereich noch hinterher", erklärte Adunka.
"Auch wenn rund 80 Prozent der deutschen Haushalte mindestens ein Fahrrad besitzen, ist das eigene Rad nicht immer dabei", sagte die Sprecherin des Fahrradclubs ADFC, Bettina Cibulski. Leihräder seien deshalb eine gute Ergänzung der Mobilitätskette. "Voraussetzung für ein erfolgreiches System sind jedoch viele Verleihstationen mit ausreichend Fahrrädern, eine einfache Ausleihe, die Qualität der Räder sowie ihre straßenverkehrstaugliche Ausstattung", erklärte die Fahrradexpertin.
Einen Schub für Leihfahrräder hat der seit 2009 laufende Modellwettbewerb "Innovative öffentliche Fahrradverleihsysteme" des Bundesverkehrsministeriums, der zum Jahresende ausläuft, gebracht: Mit 12,3 Millionen Euro fördert der Bund den Auf- und Ausbau öffentlicher Fahrradverleihsysteme in verschiedenen Beispielregionen wie Kassel, Nürnberg, der Insel Usedom und der Metropolregion Ruhr.
Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kombination der Leihfährräder und öffentlichem Nahverkehr (ÖPNV), weshalb sich Verleihstationen in unmittelbarer Nähe zu Bahnhöfen und Haltestellen und nicht ausschließlich im Zentrum befinden. "Leihfahrräder bringen den Städten einen hohen Imagefaktor und stärken das Bewusstsein für das Fahrrad als alltagstaugliches Verkehrsmittel", sagte Fahrradexpertin Cibulski.
Die Kosten für Anschaffung, Unterhalt und Wartung der Leihfahrräder sieht der ADAC als Hauptgrund für die zögerliche Haltung der Kommunen, selbstständig und von Fördermitteln des Bundes unabhängig den Ausbau der Verleihsysteme voranzutreiben. "Es müssen schlichtweg Modelle gefunden werden, die diese Systeme finanziell tragfähig machen", sagte Adunka. Ansonsten könnten mitunter selbst die zwischenzeitlich geförderten Modellprojekte nicht dauerhaft überleben.
Der Autoclub ist zwar zuversichtlich, fordert aber dennoch mehr Engagement. "Wir hoffen, dass alle Beteiligten – Politik wie auch die einzelnen Unternehmen vor Ort – ihren Beitrag leisten", erklärte Adunka. (dapd)
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