Aktuelle Nachrichten – Pflege
20.01.2010
Foto: Rike/Pixelio
Berlin (apn) Ein zu Hause lebender Demenzpatient würde rund 47.000 Euro pro Jahr kosten, wenn die pflegenden Angehörigen marktüblich bezahlt würden. Das geht aus einer am Mittwoch in Berlin vorgestellten Studie der Initiative Demenzversorgung in der Allgemeinmedizin (IDA) hervor. Etwa 80 Prozent der Kosten entfallen auf die pflegenden Angehörigen, wenn sie wie Pflegekräfte entlohnt würden. Die Zahl der Demenzpatienten wird sich den Angaben zufolge bis 2050 schätzungsweise auf 2,2 Millionen verdoppeln.
Dabei sei vermutlich ein Teil der leicht erkrankten Fälle gar nicht erfasst, hieß es weiter. Darüber hinaus seien auch die Kosten für Überwachung der Patienten nicht eingerechnet. Ansonsten lägen sie noch einmal 25 Prozent höher, erklärte der wissenschaftliche Leiter des IDA-Projekts, Rolf Holle.
Bei leichter Demenz betreuten die Hauptpflegepersonen den Kranken täglich rund vier Stunden, bei mittelschwerer Demenz mehr als sechs Stunden, sagte Holle und wies darauf hin, dass aus Perspektive der gesetzlichen Krankenversicherung und sozialen Pflegeversicherung die Versorgung eines Demenzpatienten durchschnittlich 10.000 Euro pro Jahr koste. Dabei seien die Pflegegeldzahlungen einbezogen.
Ein weiteres Ergebnis der Studie ist, dass gut 90 Prozent der Hauptpflegepersonen in einem engen verwandtschaftlichen Verhältnis zum jeweils Erkrankten stehen. Dabei sei innerhalb der Familie Demenz überwiegend ein Thema, das Frauen betreffe: Nicht nur zwei Drittel der von der Studie erfassten Patienten seien weiblich, auch die Mehrheit der Hauptpflegepersonen seien Frauen (73 Prozent).
Die Studie wurde 2005 bis 2009 mit der Unterstützung von 129 Hausärzten und über 390 Patienten mit ihren pflegenden Angehörigen in der Region Mittelfranken durchgeführt. Verantwortlich für die Studie sind der AOK-Bundesverband, die AOK Bayern und die forschenden Pharmaunternehmen Pfizer und Eisai.
Die Vorsitzende der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, Heike von Lützau-Hohlbein, forderte, Demenz als „ganz normale Krankheit“ zu behandeln. Die ärztliche Aus- und Weiterbildung nehme weiter zu wenig Rücksicht auf die demografische Veränderung der Gesellschaft, kritisierte sie. (AP)
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