Aktuelle Nachrichten – International
24.08.2005
Gao/Mali - Die Bilder aus den Katastrophengebieten in Afrika sind immer die gleichen: Sie zeigen Kinder mit Hungerbäuchen und fiebrigen Augen, verzweifelte Mütter und vertrocknete Felder. Die Hungersnöte in den Ländern zwischen Eritrea im Osten und Mauretanien im Westen lenken in diesem Jahr jedoch mehr Aufmerksamkeit auf die Ursachen der Not und die Strategien der reichen Ländern zu ihrer Bekämpfung. Die Vereinten Nationen erklärten, sie benötigten zwei Milliarden Dollar, um mehr als 25 Millionen Afrikaner mit dem Nötigsten zu versorgen. Bislang ist nicht einmal die Hälfte des Geldes eingegangen.
«Die Hot Spots kommen und gehen aufgrund von Krisen und Trockenheit, aber die deutliche Mehrheit der Afrikaner ist einfach zu arm, um sich selbst zu ernähren», sagt der Sprecher des UN-Welternährungsprogramm (WFP), Peter Smerdon. Diese «Hot Spots» liegen in diesem Jahr in Westafrika, wo eine lang anhaltende Dürre und eine Heuschreckenplage die Ernte vernichteten. Hilfsorganisationen warnten schon im vergangenen Jahr vor drohenden Hungersnöten im Niger, in Mali, Mauretanien und Burkina Faso. Die internationale Gemeinschaft war jedoch mit der Tsunami-Katastrophe in Asien beschäftigt, die Spendenaufrufe für Westafrika wurden nicht gehört.
Erst in den vergangenen Wochen, als Fernsehsender Bilder der Hungernden um die Welt schickten, begannen die Hilfslieferungen für den Niger. «Wie man am Beispiel Niger sehen kann, passiert lange Zeit gar nichts», sagt Smerdon. «Dann kommen die Kamerateams, und es wird ein politisches Thema. Dann kommt die Hilfe.» Trotzdem werde die Mehrheit der Menschen in Afrika vergessen. Der Hunger auf dem Kontinent sei ein chronisches Problem. «Es braucht nur wenig, um die Menschen in eine Lage zu bringen, in der sie auf Lebensmittelspenden angewiesen sind», erklärte Smerdon weiter. «Die langfristige Lösung besteht in mehr Entwicklung.»
Die Hungerkrisen in dem Gebiet zwischen Eritrea und Mauretanien haben natürliche Ursachen. In Ostafrika fiel in den vergangenen fünf Jahren weniger Regen als normal. Dürren in Eritrea und Äthiopien waren die Folge, in Eritrea gelten fünf Millionen der 70 Millionen Einwohner als chronisch unterernährt. In Kenia erhalten jedes Jahr 1,5 Millionen Menschen Nahrungsmittelhilfen von der Regierung und dem WFP, weil sie in trockenen Regionen leben, in denen Landwirtschaft unmöglich ist.
Trotz all der internationalen Aufmerksamkeit hat das WFP jedoch immer noch nicht die 57,6 Millionen Dollar zusammen, die das Programm für die Menschen im Niger benötigt. Die Geberländer brachten bisher nicht einmal die Hälfte auf. Das WFP bat unterdessen um mehr Geld für Mali, wo 1,2 Millionen Menschen vom Hunger bedroht sind.
Marktstände gut gefüllt
In einem Krankenhaus in der malischen Stadt Gao kämpfen 14 unterernährte Säuglinge um das Überleben, drei weitere sind bereits gestorben. Acht der 17 wurden in der vergangenen Woche aus dem Stadtzentrum eingeliefert, wo die Verkaufsstände der Märkte gut gefüllt sind mit Gemüse, Obst und Fleisch. Doch viele Bewohner können die Waren nicht bezahlen und hungern.
Die Regierungen von Mali und Niger scheuen den Begriff Hungersnot, schließlich bedeutet er eine massive Nahrungsmittelknappheit, Hunger und Tod in allen Gesellschaftsschichten. Doch Mohammed Ould Mahmoud von der Hilfsorganisation Oxfam hält diesen Ausdruck für angemessen. «Sie behaupten, es gäbe keine Hungersnot in Mali, aber das ist falsch», sagt er. «Die Leute können drei oder vier Tage nichts essen. Vergessen Sie die politischen und akademischen Definitionen. Die Situation ist sehr ernst.»
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