Wirtschaftsnachrichten - Aktuelle Nachrichten Wirtschaft – Anklage gegen früheren Daimler-Manager wegen Untreue – DAPD
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Anklage gegen früheren Daimler-Manager wegen Untreue

DAPD

23.11.2006

Stuttgart – Wegen gewerbsmäßiger Untreue und Urkundenfälschung hat die Stuttgarter Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen früheren DaimlerChrysler-Manager erhoben. Wie eine Sprecherin der Ermittlungsbehörde am Donnerstag sagte, soll der seit einem Jahr in Untersuchungshaft sitzende 41-Jährige über mehrere Jahre hinweg Scheinrechnungen über Dienstleistungen im EDV-Bereich angewiesen haben, obwohl die Leistungen nicht erbracht wurden. Der Schaden wurde mit 40 Millionen Euro angegeben.

Die illegalen Geschäfte spielten sich den Ermittlungen zufolge von November 2000 bis November 2005 ab. Drei Mitangeklagten im Alter von 51, 56 und 59 Jahren wird laut Staatsanwaltschaft Beihilfe zur Last gelegt. Der 41-Jährige habe neben seiner Beschäftigung bei Daimler als Geschäftsführer drei Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen mit Schwerpunkt im EDV-Bereich geleitet. Seine drei mutmaßlichen Helfer seien Geschäftsführer oder Gesellschafter von Beratungsunternehmen im Informatik- und Marketingsektor gewesen. Diese arbeiteten mit Daimler zusammen.

Laut Anklage stellte der Controller den Firmen der Mitangeklagten durch die von ihm gelenkten Unternehmen Rechnungen für angeblich erbrachte Leistungen, welche diese wiederum bei Daimler geltend machten.

Die Angeklagten bestreiten den Angaben zufolge die Vorwürfe zum Teil. Bei dem Manager wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft 20 Millionen Euro beschlagnahmt. Ein Termin für die Hauptverhandlung vor dem Stuttgarter Landgericht stand zunächst nicht fest. Offenbar waren die Ermittler den Machenschaften bei einer Steuerprüfung auf die Spur gekommen. Eine DaimlerChrysler-Sprecherin sagte, der Konzern fordere das Geld von dem Mann zurück.

Erst vor wenigen Tagen hatte der Autobauer illegale Praktiken im Busgeschäft aufgedeckt. Der Leiter der Bus-Aktivitäten, Wolfgang Diez, hatte deshalb aus persönlichen Gründen sein Amt niedergelegt. Die Revision hatte bei der Untersuchung der Geschäftsabläufe Unregelmäßigkeiten entdeckt, die dem Unternehmen zufolge zur Suspendierung von leitenden Mitarbeitern geführt hatten. Die Staatsanwaltschaft hat nach eigenen Angaben hier kein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Im Juni hatte der Konzern eine Reihe von Korruptionsfällen eingeräumt. Bei internen Untersuchungen seien unkorrekte Zahlungen in Afrika, Asien und Osteuropa aufgedeckt worden, hatte das Unternehmen in einem Bericht an die amerikanische Börsenaufsicht SEC erklärt. In den USA ermitteln SEC und Justizministerium, ob der Autobauer gegen amerikanische Anti-Korruptionsgesetze verstoßen hat.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft in diesem Zusammenhang seit längerer Zeit, den Verkauf oder die Lieferungen von Fahrzeugen nach Polen, Ghana und Belgien. In diesem Zusammenhang könnten möglicherweise Schmiergelder geflossen sein.

(AP)

 

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