Aktuelle Nachrichten – Welt
14.07.2010
New Orleans (apn) Die Arbeiten an einer Auffangglocke zur Eindämmung der Ölpest im Golf von Mexiko haben sich unerwartet verzögert, so dass am Mittwoch weiterhin Öl ungehindert ins Meer strömte. Der BP-Konzern verschob wichtige Tests an der Glocke, weil der Sonderbeauftragte der Regierung für die Bekämpfung der Ölpest, Thad Allen, weitere Analysen gefordert hatte. Die Experten hoffen, mit der neuen Vorrichtung des Lecks Herr zu werden und das austretende Öl erstmals komplett auffangen und abpumpen zu können.
Die Ingenieure hätten eigentlich am Dienstagabend damit beginnen sollen, die Ventile an dem Trichter langsam zu schließen. Die notwendigen Vorkehrungen waren getroffen, und BP lag zunächst sogar vor dem Zeitplan. Doch Allen sagte nach einem Treffen mit Regierungsbeamten, Wissenschaftlern und Geologen, die Aktion „könnte von zusätzlichen Berechnungen profitieren“. Nähere Erläuterungen für den Schritt wurden nicht genannt. Allen sagte auch nicht, wann nun voraussichtlich mit den Test begonnen wird.
Zuvor hatten Experten eine seismische Überprüfung des Gesteins um das Bohrloch vorgenommen, um potenzielle Gefahren wie Gastaschen zu erkennen. Ob die Verschiebung der Tests etwas mit Erkenntnissen aus dieser Überprüfung zu tun hatte, blieb zunächst unklar.
Die US-Regierung schickte dem britischen Konzern BP und seinen Partnern für die Kosten der Bekämpfung der Ölpest unterdessen eine vierte Rechnung über 99,7 Millionen (80 Millionen Euro) zu. Die vorherigen Rechnungen in einer Gesamthöhe von 122 Millionen Dollar seien in vollem Umfang bezahlt worden, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit. Präsident Barack Obama macht BP für die Umweltkatastrophe verantwortlich und stellt dem Energieriesen alle Kosten für die Bekämpfung der Ölpest und die anschließende Aufräumarbeiten sowie langfristige Maßnahmen im Golf von Mexiko in Rechnung. Bislang hat die Katastrophe BP mehr als drei Milliarden Dollar gekostet.
Ein riesiges Spezialschiff saugte im Kampf gegen die Umweltkatastrophe bisher rund 24 Millionen Liter ölverschmutztes Wasser auf. Die „A Whale“ habe die schmierige Flüssigkeit innerhalb von drei Tagen an Bord genommen, sagte ein Sprecher der TMT-Offshore-Gruppe, der das Schiff gehört. Je näher es an die am schlimmsten betroffenen Regionen herankomme, desto effektiver könne es arbeiten. Der Ölsauger kann maximal 80 Millionen Liter Flüssigkeit am Tag sammeln. Seit vergangener Woche wird das Spezialschiff getestet.
Vor dem Hintergrund der Ölpest im Golf von Mexiko sprach sich EU-Energiekommissar Günther Oettinger dafür aus, in europäischen Gewässern vorerst keine neuen Bohrgenehmigungen zu erteilen. Im rbb-Inforadio sagte Oettinger am Mittwoch, zunächst sollten alle Sicherheitsvorkehrungen neu diskutiert werden. Forderungen der Grünen, Bohrungen in mehr als 500 Metern Tiefe im Nordmeer grundsätzlich zu verbieten, schloss sich Oettinger nicht an. „Ich glaube, derzeit kann niemand sich auf eine genaue Meerestiefe festlegen. Dazu kommt, der Druck hängt nicht nur von der Meerestiefe ab, sondern auch von anderen Faktoren.“ (AP)
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