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21.01.2008
Frankfurt/Main – Das Armutsrisiko für alte Menschen in Deutschland nimmt zu. Dabei sind vor allem Personen über 65 Jahre in den alten Bundesländern betroffen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Montag unter Berufung auf die Studie „Leben in Europa“ mitteilte. Von ihnen waren demnach im Jahr 2005 rund 14 Prozent von Armut gefährdet, weil sie mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen mussten. In den neuen Ländern und Berlin waren es neun Prozent. Von allen Bundesbürgern war jeder Achte armutsgefährdet.
Der Anteil der von Armut bedrohten Bevölkerung stieg damit gegenüber dem Vorjahr von 12 auf 13 Prozent. Ohne staatliche Unterstützungszahlungen wäre das Risiko noch deutlich höher: Werden Sozialtransfers (außer Pensions- und Rentenzahlungen) nicht als Einkommen verbucht, lag die Armutsgefährdungsquote 2005 bei 26 Prozent. Von den Jugendlichen unter 18 Jahren wäre der Studie zufolge jeder Dritte armutsgefährdet. Erst bei Einbeziehung der Sozialtransfers fällt die Quote auf zwölf Prozent.
„Doch auch die Abhängigkeit von staatlichen Stellen ist eine Art von Armut“, betonte der Kölner Sozialwissenschaftler Christoph Butterwegge. „Daran wird deutlich, wie jung die Armut in Deutschland ist.“ Zugleich drohe wegen sinkender Erwerbstätigenzahlen, Rentenstagnation und der nachgelagerten Besteuerung von Ersparnissen eine „Re-Seniorisierung“ der Armut.
Das mittlere verfügbare Jahreseinkommen der Bevölkerung lag 2005 bei 15.617 Euro pro Person. Als armutsgefährdet galten alleinlebende Personen, wenn sie weniger als 9.370 Euro im Jahr beziehungsweise 781 Euro im Monat zum Leben hatten. Ein Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren galt bei einem verfügbaren Jahreseinkommen von weniger als 19.677 Euro oder 1.640 Euro monatlich als armutsgefährdet.
Dabei war das Einkommen der einkommensstärksten 20 Prozent der Bevölkerung laut der Studie rund vier Mal so hoch wie das der einkommensschwächsten 20 Prozent der Bevölkerung. Das mittlere verfügbare Einkommen armutsgefährdeter Personen lag rund 20 Prozent unter der Schwelle von 9.370 Euro.
„Die Einkommensspaltung in Deutschland nimmt zu“, warnte Armutsforscher Butterwegge. Allerdings spiegele das Haushaltseinkommen nur einen kleinen Teil der Ungleichheit wider. „Wenn man auch das Vermögen anschaut, sind die Zahlen viel drastischer. Wenn einer vier Mal so viel verdient, aber außerdem noch 50 Häuser besitzt, dann fällt das deutlich stärker ins Gewicht.“
Zudem sei die Armutsdefinition von weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens ein vages Maß. „Diese Armut ist nicht absolut, sondern relativ im Verhältnis zum Rest der Gesellschaft“, erklärte er. Entscheidend sei jedoch, welche Chance auf Teilnahme am gesellschaftlichen Leben, auf Bildung und Gesundheit jemand habe. Dafür seien die derzeitigen Hartz-IV-Sätze nicht ausreichend.
Auch die Linkspartei kritisierte die Regelsätze als zu niedrig. „Ein reiches Land, das es sich leistet, jeden achten Menschen von der Gesellschaft abzuhängen, fabriziert sehenden Auges sozialen Sprengstoff“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Klaus Ernst.
Dennoch ist die Armutsgefährdungsquote in Deutschland niedriger als der europäische Durchschnitt von 16 Prozent. Von den Europäern über 65 Jahre waren nach Angaben des Bundesamtes 2005 sogar 19 Prozent von Armut gefährdet, rund sechs Prozent mehr als im deutschen Durchschnitt. Für die Studie wurden in der Bundesrepublik rund 26.000 Personen ab 16 Jahren in rund 13.800 Haushalten befragt. (AP)
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