Artenvielfalt – Artenschwund behindert Entwicklung neuer Medikamente – Mirjam Mohr
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Aktuelle Nachrichten – Artenvielfalt

Artenschwund behindert Entwicklung neuer Medikamente

Mirjam Mohr

30.04.2008

Ausgetrocknetes Reisfeld in Sri Lanka. Im Jahr 1900 gab es in Bayern noch 35 verschiedene Rinderrassen - 2003 waren es gerade noch vier. In Sri Lanka wurden 1959 noch 2.000 verschiedene Reissorten angebaut - 2002 waren es nur noch fünf. Weltweit geht die Artenvielfalt - die so genannte Biodiversität - immer weiter zurück, nur noch rund zehn Pflanzenarten und fünf Nutztierrassen bilden heutzutage die Basis der gesamten Welternährung.  (AP Photo/Gurinder Osan)
Ausgetrocknetes Reisfeld in Sri Lanka. Im Jahr 1900 gab es in Bayern noch 35 verschiedene Rinderrassen - 2003 waren es gerade noch vier. In Sri Lanka wurden 1959 noch 2.000 verschiedene Reissorten angebaut - 2002 waren es nur noch fünf. Weltweit geht die Artenvielfalt - die so genannte Biodiversität - immer weiter zurück, nur noch rund zehn Pflanzenarten und fünf Nutztierrassen bilden heutzutage die Basis der gesamten Welternährung. (AP Photo/Gurinder Osan)

Mit der fortschreitenden Ausrottung von Tier- und Pflanzenarten gehen zahlreiche Möglichkeiten zur Entwicklung neuer Medikamente unwiderbringlich verloren. Davor warnt eine Studie des UN-Umweltprogramms UNEP. Geheimnisse der Natur, die bei der Medikamentenforschung helfen, drohen wegen des Verschwindens von Arten unerkannt zu bleiben. Damit werden etwa neuartige Antibiotika, Medikamente gegen Knochenschwund und Nierenleiden oder neue Ansätze für die Krebsmedizin verhindert.

„Verlust des Lebensraums, Zerstörung und Abbau von Ökosystemen, Verschmutzung, Übernutzung und der Klimawandel gehören zu den stärksten und nachhaltigsten Faktoren, die zum Schwinden des natürlichen Kapitals unseres Planeten beitragen, zu dem auch die medizinischen Schätze der noch unerforschten Natur gehören“, erkärte UNEP-Exekutivdirektor Achim Steiner zur Studie „Sustaining Life“, an der mehr als 100 Experten mitgewirkt haben.

Die Autoren führen etwa das Beispiel des inzwischen ausgestorbenen Magenbrüterfroschs an, von dem es nur zwei Arten gab. Bei diesen wuchsen die Kaulquappen im Magen der Mutter heran, wobei ersten Forschungsergebnissen zufolge eine von den Kaulquappen produzierte Substanz Säuren und Enzyme blockierte und so verhinderte, dass die Tiere verdaut wurden.

Nähere Erkenntnisse über diese Substanz hätten bei der Behandlung von Magengeschwüren helfen können. „Aber die Forschungen konnten nicht fortgesetzt werden, weil beide Arten ausstarben – die wertvollen medizinischen Geheimnisse, die sie in sich trugen, sind nun für immer verloren“, erklären die beiden Hauptautoren Eric Chivian und Aaron Berstein.

Haie nützlich für Krebsforschung

Ein weiteres Beispiel, bei dem noch etwas zu retten ist, ist die stark bedrohte Art Weißer Hai. Haie sind laut der Studie für ihre besonders geringe Krebsanfälligkeit bekannt, was großes Potenzial für die Forschung bietet. Zudem sehen Forscher Möglichkeiten für neuartige Antibiotika, Appetitzügler sowie Behandlungen von Makuladedegeneration (Augenerkrankungen). Laut UNEP haben aber der Verlust des Lebensraums der Haie und die Fischereipraxis den Bestand um bis zu 90 Prozent einbrechen lassen. Dieser Trend lasse sich nur mit massiven, streng kontrollierten Maßnahmen aufhalten.

„'Sustaining Life' liefert den schlagenden Beweis, dass die schwindende Artenvielfalt nicht nur eine Umweltfrage ist, sondern eine, die uns auf einer fundamentalen und persönlichen Ebene trifft“, erklärte der stellvertretende UN-Generalsekretär Ahmed Djoghlaf. Mit dem Verlust der Arten verschwänden auch die Möglichkeiten für künftige Entdeckungen und Fortschritt.

 

 

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