Enorme Unterschiede der Versorgungslage in Ost und West
Die unterschiedlichen Reaktionen auf den Länderbericht des Expertengremiums der OECD erklären sich zum Teil aus den extrem unterschiedlichen Begebenheiten in Ost und West. Während in vielen Bereichen die langsame Anpassung der Verhältnisse in Ostdeutschland an Westniveau Unmut hervorruft, pofitieren die neuen Bundesländer was die Versorgung mit Betreungsplätzen für kleine Kinder angeht offensichtlich von ihrer DDR-Vergangenheit. Hier können 37 % der Kindern unter drei Jahren Krippenplätze angeboten werden. Demhingegen gibt es im Westen nur für 2,7 % der Kinder staatliche Betreungsangebote, was eben in der Praxis bedeutet, dass man sich private Betreuung suchen muss, wenn man Kinder in diesem Alter unterbringen will. Für viele Frauen lohnt sich dies jedoch kaum, da der Tagesmuttersatz bei ca. 4 € pro Stunde in vielen Fällen einen erheblichen Teil des des Stundenlohns der Mütter ausmacht. Hinzu kommt noch, dass die Ausbildung solcher Tagesmütter nicht einheitlich bzw. gar nicht geregelt ist und man somit keinerlei Gewähr hat, dass die Tagesmutter tatsächlich geeignet und qualifiziert ist.
Moniert wird in diesem Zusammenhang Seitens der OECD die veraltete Anschauung, dass Kinder unter drei Jahren zu Hause und von der Mutter beteut werden. Hier fordert die OECD die deutschen Politiker auf, Lösungen zu finden um Chancengleichheit für Frauen zu gewährleisten und die Versorgung mit Betreuungsplätzen den veränderten Bedürfnissen der Eltern anzupassen.
OECD Studie mahnt nationale Planung an
Auch in Bezug auf die politische Zuständigkeit für die Kinderbetreuung der Vorschulkinder, deckt die Studie Mängel im deutschen System auf. So wird die Vielfalt der unterschiedlichen Ansätze und Lösungen zur Kinderbetreuung auf Länderebene zwar gewürdigt, dennoch legt die Untersuchungsgruppe eine stärkere Lenkung des Bundes in grundsätzlichen Fragen nahe. Erstrebenswert ist laut OECD Studie eine stufenweise Einführung von Gesetzen, die einen Anspruch auf Kinderbetreuung ab dem Alter von 12 Monaten gewährleisten. Kritisiert wird auch die dürftige finanzielle Zuwendung von Seiten des Staates und das mangelnde Engagement für Kinder sozialer Risikogruppen.
36 % der Kinder aus sozial schwächsten Familien (500 – 900 Euro monatlich) besuchen gar keinen Kindergarten. Und das bedeutet für viele Kinder, dass sie schon als Erstklässler kaum eine Chance haben, erfolgreich die Schule zu durchlaufen. Wer im Einschulungsalter weder in der Lage ist einen Stift richtig zu halten, noch altersgemäß sprechen kann und zudem die Fähigkeiten sich in eine größere Gruppe von Kindern zu integrieren nicht erlernt hat, dem fehlen einfach wesentliche Voraussetzungen, sich überhaupt in der Schule zurecht zu finden.
Anhebung der Ausbildung auf Hochschulebene
Ganz schlecht kommt Deutschland bei der Beurteilung der Erzieherinnen-Ausbildung weg. In diesem Zusammenhang weist das Gremium der OECD darauf hin, dass die entsprechende Forschungsliteratur und die Beispiele anderer Länder keinen Zweifel daran lassen, dass es einen engen Zusammenhang zwischen dem Niveau der Ausbildung und der Qualität der Kinderbetreuung gibt.
Spätestens seit Veröffentlichung der ersten Pisa Studie ist deutlich geworden, wie wichtig das Investieren in Bildung und Betreuung von Kindern ist. So kann die Tatsache, dass die ständige Konferenz der Kultusminister erst 2002 über einen neuen Rahmenplan der Erzieherinnenausbildung beraten hat und auf eine Anhbeung des Niveaus aus Kostengründen verzichtet wurde, auch hierzulande wohl niemanden mehr überzeugen.
Als ersten wichtigen Schritt zur Hebung des Ausbildungsniveaus schlägt das OECD – Team die Einrichtung eines umfassenden Weiterbildungsangebots für deutsche Erzieherinnen vor. Nur so kann man ja überhaupt auch die Erzieherinnen erreichen, die ihre Ausbildung schon hinter sich haben und noch zehn bis vierzig Jahre im Dienst bleiben.
Versicherung
Telefontarife
Finanzrechner 



