Brüssel - Die in der Türkei gefundenen Vogelgrippe-Viren sind nach EU-Angaben auch für den Menschen tödlich.
Nach dieser Bestätigung des H5N1-Virus-Stamms an der unmittelbaren Grenze zu Europa warnte die EU-Kommission am Donnerstag vor einer weltweiten Grippe-Epidemie, die nach Expertenangaben Millionen Menschen töten könnte. Alle EU-Länder müssten sich darauf vorbereiten und die Vorsorge zur obersten Priorität erklären. Deutschland hat bereits angekündigt, die Kontrollen an Flughäfen und Autobahnen zu intensivieren.
EU-Gesundheits-Kommissar Markos Kyprianou bestätigte auf einer Pressekonferenz die Test-Ergebnisse, dass die im Nordwesten der Türkei aufgetretenen Fälle vom H5N1-Erreger ausgelöst worden seien. Daran sind in Asien bereits mehr als 60 Menschen gestorben. Die EU hat den Import von Geflügelprodukten, lebenden Vögeln und Federn aus dem EU-Anwärterstaat Türkei schon gestoppt. Sollte der Erreger so mutieren, dass er direkt von Mensch zu Mensch verbreitet werden kann, könnte dies Experten zufolge eine weltweite Epidemie auslösen. Die Vereinten Nationen hatten kürzlich davor gewarnt, dass in diesem Fall das Leben von bis zu 150 Millionen Menschen bedroht wäre.
Unklarheit besteht derweil noch, ob der tödliche H5N1-Virus bereits in Europa angekommen ist. Entgegen ihrer Einschätzung vom Vortag bestätigte die EU-Kommission am Donnerstag zwar Vogelgrippe-Verdachtsfälle in Rumänien und zwar bei Enten im Donau-Delta. Doch um welchen Virus-Stamm es sich hier handelt, soll bei Untersuchungen in einem britischen Labor geklärt werden. Die Tests dürften etwa zwei Tage dauern. Auch für rumänisches Geflügel besteht ein Importverbot der EU, die Kyprianou zufolge vorsorglich davon ausgeht, dass es sich auch hier um H5N1 handelt. Etwa 30 Verdachtsfälle in Bulgarien bestätigten sich nach offiziellen Angaben indes nicht.
"Wenn es eine weltweite Epidemie gibt, wird es eine große Zahl von Toten geben", warnte Kyprianou. Zugvögel könnten die Krankheit nach Europa bringen. Alle EU-Länder müssten ihre Vorbereitungen für dieses Szenario verstärken und die Notfallpläne auf den neuesten Stand bringen. Die EU-Kommission stehe in direktem Kontakt mit Pharmafirmen, um über eine Ausweitung der Produktion der Grippe-Impfstoffe zu beraten. Zudem sei die Einrichtung eines "Solidaritäts-Fonds" im Volumen von einer Milliarde Euro angedacht. Mit diesen Mitteln solle eine Massenimpfung im Falle eine Epidemie gefördert werden. Am Freitag sei eine weitere Krisensitzung von EU-Experten geplant.
2005-10-13 12:57:14 GMT (Reuters)
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