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Stiftung Warentest kritisiert Sicherheit in WM-Stadien

Laut Untersuchung erhebliche Sicherheitsmängel

AP
11.01.2006

Blick vom Zuschauerrang auf das Spielfeld in der Veltins-Arena am Dienstag, 10. Januar 2006, in Gelsenkirchen. Dem WM-Stadion des FC Schalke 04 hat die Stiftung Warentest in einer umstrittenen Studie erhebliche Maengel bescheinigt. Unter anderem soll eine Flucht der Zuschauer bei einer Evakuierung auf das Spielfeld unmöglich sein. (AP Photo/Martin Meissner)

Frankfurt/Berlin - Neue Aufregung um die Fußball-WM: Die Stiftung Warentest hat in einer Studie zum Teil erhebliche Sicherheitsmängel in mehreren Stadien festgestellt. Vor allem das Olympiastadion in Berlin, die Veltins-Arena in Gelsenkirchen und das Zentralstadion in Leipzig könnten bei einer Massenpanik zu tödlichen Fallen werden, teilten die Tester am Dienstag in Berlin mit. Das Organisationskomitee wies die Vorwürfe zurück und verwies auf die strengen Richtlinien in Deutschland.

Die Stadionbetreiber reagierten teilweise mit Empörung. Ausreichende Fluchtmöglichkeiten bieten den Testern zufolge Hannover, Nürnberg und Köln. Auch das neue Stadion in München kam gut weg. Testleiter Holger Brackemann betonte mehrfach, dass die Wahrscheinlichkeit einer Panik in Fußballstadien gering sei. Trotzdem könnten geringfügige Anlässe wie ein Gerücht Massenpanik auslösen. Daher müssten Stadien den Besuchern ausreichend Fluchtraum nach vorne - also in Richtung Spielfeld - bieten, um zu vermeiden, dass Menschen an einem Hindernis erdrückt werden. Der Staudruck könne über Fluchttore gemindert werden. «In den drei Stadien in Berlin, Leipzig und Gelsenkirchen fehlten diese Tore vollständig», sagte Brackemann. Kritik wurde auch am Brandschutz und der Stolpersicherheit in den Stadien geübt.

Das WM-Organisationskomitee (OK) will trotz der scharfen Kritik nicht am Sicherheitskonzept rütteln. «An unserer Aussage ist nicht zu rütteln: Die deutschen WM-Stadien sind sicher», betonte der erste OK-Vizepräsident Horst R. Schmidt.

Das OK wehrte sich besonders gegen den Vorwurf, nach dem es nicht genügend Fluchtmöglichkeiten in mehreren Stadien gibt. So gebe es heute keine Zäune mehr am Spielfeldrand und bei internationalen Spielen auch keine Stehplätze mehr. Für Berlin, Gelsenkirchen und Leipzig lägen Gutachten vor, nach denen Fluchtwege nach außen und nicht auf das Innenfeld führen sollen. Auch mehrere mehrstöckige Tribünen sprächen dagegen.

Schmidt sagte, dass man die Stolpersicherheit in den Arenen im Einzelfall prüfen müsse. Man könne nicht ausschließen, dass in diesem Bereich Verbesserungen möglich seien. Er betonte, dass auch der Brandschutz eine bedeutende Rolle spiele. Die Stiftung Warentest habe den Fehler gemacht, noch im Bau befindliche Stadien streng zu bewerten.

OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach sagte, dass es sich bei der Diskussion in zentralen Punkten um einen Expertenstreit handele. «Wir sind sehr für Panikforschung, aber sehr gegen Panikmache.»

Bundesregierung will reagieren

Vizekanzler Franz Müntefering erklärte, Berichte über Sicherheitsmängel in deutschen Stadien würden ernst genommen. Man werde darauf reagieren. Es werde alles getan, um die Sicherheit zu garantieren und dass «wir schöne Spiele haben werden», sagte der SPD-Politiker. Die Fußball-WM war auch Thema der Klausurtagung in Schloss Genshagen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, man habe dort etwa darüber gesprochen, wie man Panikausbrüche in den Stadien verhindern könne.

Teils heftige Kritik an dem Test kam aus den betroffenen Städten und Bundesländern. Zwar würden Anregungen entgegen genommen, teilte das rheinland-pfälzische Innenministerium mit. Panikmache helfe aber nicht weiter. Das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern war besonders schlecht weggekommen. Auch der Hamburger SV und die Stadt Stuttgart betonten, dass ihre Stadien sicher seien.

«Ich halte die Studie für verantwortungslos und Panikmache», sagte Schalke-Vorstandsmitglied Peter Peters in Gelsenkirchen. Die Stiftung habe nicht nur dem Verein, sondern auch der Fußball-WM einen großen Imageschaden zugefügt. Auch das Berliner Olympiastadion wies die Vorwürfe zurück.


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